Rinteln

Zeitarbeit: Statt Krise Jobs in Nachbarländern

Rinteln (wm). Es gibt auch positive Nachrichten aus der Wirtschaft und das aus einer Branche, von der man es am wenigsten erwartet hätte: Ab März werde er wieder Facharbeiter einstellen, berichtete Hans Gerd Depping, Chef der Depping Verwaltungs GmbH & Co. KG, ein Unternehmen für Zeitarbeit und Personaldienstleistungen und seit 1990 in Rinteln, Osnabrück, Leipzig und Berlin auf dem Markt.

Ab Sommer erwarte er eine verstärkte Nachfrage nach Zeitarbeit, erklärte Raymond Fleckes, Geschäftsführer der Besser Personal Service GmbH in der Konrad-Adenauer-Straße.

Beide Manager von Leiharbeitsfirmen haben für ihren Optimismus unterschiedliche Gründe: Depping erläuterte, Jobs gebe es zurzeit vor allem bei den europäischen Nachbarn. Seine Facharbeiter sind vor allem in den skandinavischen Ländern, in Holland, Spanien und in England tätig – hier setzt Depping bereits auf die Olympiade 2012. Gesucht, so Depping, würden vor allem Facharbeiter für Elektro- wie für Stahlbau – etwa 60 Prozent seiner Zeitarbeiter seien im Ausland tätig.

Fleckes schilderte, Leiharbeiter seines Hauses besetzten vornehmlich „Nischen“, außerdem sei sein Unternehmen „so weit aufgestellt“, dass sich auslaufende Aufträge ausgleichen ließen. Auch Fleckes sucht Leiharbeiter, unter anderem im Bereich Krankenpflege, außerdem Dreher und Maschinenbauer.

Selbstverständlich sei die Krise nicht spurlos vorbeigegangen, bestätigten Depping wie Fleckes. Während Fleckes keine Zahlen nennen wollte („Geschäftsgeheimnis“), war Depping da offen. Er habe sich seit November von 40 Mitarbeitern trennen müssen, das sei aber nicht allein auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen, sondern auch „normaler Personalabbau“ im Winter.

Agentur für Arbeit zahlt bei Weiterbildung

Vor allem Zulieferer für die Automobilindustrie haben Zeitarbeit abgebaut. Während der Hochkonjunktur, erläuterte Stüken-Geschäftsführer Dr. Hubert Schmidt, habe man bis zu 50 Zeitarbeiter beschäftigt, zurzeit arbeiten noch zwei im Unternehmen. Wobei Stüken, betonte Schmidt, häufig Zeitarbeiter in feste Arbeitsverhältnisse übernehme, das relativiere die Zahlen wieder.

Rabenschwarz wollte auch Christina Rasokat, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Hameln und damit zuständig für Rinteln, die Situation nicht malen: Man müsse differenzieren. Es gebe durchaus noch Zeitarbeitsfirmen, die gut gefüllte Auftragsbücher hätten.

Die negativen Aspekte der Zeitarbeit sind hinlänglich bekannt wie hohe Anforderung an die Mobilität, häufige Überstunden und Zeitdruck, doch in dem Punkt, Zeitarbeiter würden schlecht bezahlt, widersprach Depping: Seine Facharbeiter erhielten Lohn nach dem iGZ-Tarif plus steuerfreie Beträge, bedingt durch Einsatz außerhalb des Wohnortes „und haben damit ein gutes Auskommen“.

Auch beim Dienstleistungszentrum der Agentur für Arbeit in Rinteln registrierte man einen Rückgang bei Nachfrage nach Zeitarbeit. Chancen sehen die beiden Mitarbeiterinnen zurzeit vor allem im Pflegebereich.

Wie die Zeitarbeitsfirmen vermittelt auch die Dienstleistungsagentur Zeitarbeiter, die Verträge werden mit der Bildungsvereinigung Arbeit und Leben geschlossen. Bei der Agentur legt man Wert auf zwei Unterscheidungen zu den Leiharbeitsfirmen: Vermittelt würden Arbeiter aus der Region für die Region und gezahlt werde nach den in den Unternehmen üblichen Tarifen. Wie Christina Rasokat ankündigte, will die Politik mithelfen, dass Leiharbeitsfirmen ihre Mitarbeiter nicht zu schnell entlassen: Mit dem Konjunkturpaket II gebe es für Zeitarbeiter die Möglichkeit einer Qualifizierungs-Maßnahme. In diesem Jahr und 2010 würden die Kosten dafür aus dem Haushalt der Bundesanstalt zur Verfügung gestellt.

Im Juni 2008 waren im Landkreis in neun Betrieben 664 Zeitarbeiter beschäftigt – die jüngste Zahl, die der Agentur für Arbeit vorliegt.

Artikel vom 02.03.2009 - 23.00 Uhr
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