Garten + Terrasse
Winter im Nacken, Frühling im Sinn: Was kann der Gärtner jetzt machen? Von Jens Meyer
Die Stauden-Gärtner, Blumen-Center und Gartenfachbetriebe warten händeringend auf das Ende des Winters. „Schauen Sie raus, das ist doch nicht zu fassen. Man kann ja nichts pflanzen“, sagt Peter Ehlerding, Geschäftsführer von Blumen-Ehlerding, und spricht Konkurrenten und Kollegen aus der Seele. Ergo hielten sich viele Kunden zurück, was die Pflanzenauswahl für ein blühendes Gartenjahr 2010 betrifft. Dabei gibt’s schon vieles. Bloß: Wohin damit, wenn man’s noch nicht pflanzen kann, weil der Boden noch gefroren ist?
Wer ein frostfreies Winterlager hat, kann jetzt durchaus schon Ballenware oder Staudenpflanzen kaufen und sie dort zunächst postieren. Sie werden keinen großen Schaden nehmen, wenn man sie ein wenig gießt. Und immerhin ist die Auswahl jetzt ja schon beachtlich. Wer bestimmte Pflanzen und Gehölze sucht, wird sie garantiert finden. Für die fröhlich-bunten Frühlingsblüher gilt dasselbe. Sie verwandeln im Fachhandel nun fußballfeldgroße Gewächshäuser in ein Meer voller Farben. Die Auswahl ist immens, und wer sie kauft, wird sie ohnehin nicht jetzt nach draußen pflanzen wollen, sondern sie in Töpfen und anderen Gefäßen für Wohnzimmer, Küche, Flur oder den Wintergarten nutzen wollen. Der Clou liegt vielmehr in der Langzeitwirkung: Haben sie ausgeblüht, können die Zwiebelpflanzen im Herbst in die Beete oder alte Zinkwannen gepflanzt werden. Oder wahlweise auch an Feldwege. Bloß nicht wegwerfen!
Die Zeit des darbenden Frühlings ist gut, um Pläne zu schmieden. Das bevorstehende Wochenende können Gartenbesitzer ohne Rücksicht aufs Wetter nutzen, um im Fachhandel auf Spurensuche nach neuen Pflanzentrends und immer wieder gern gesehenen Klassikern zu gehen. Das Jahr des (Hobby-)Gärtners beginnt ohnehin nicht draußen, sondern drinnen, wo im Anzuchthäuschen auf der Fensterbank längst die Saat für einen bunt blühenden Sommer aufgegangen ist. Die Aussaat von beliebten Sommerblumen – verschiedene Mohnsorten, Tagetes, Sonnenblumen und viele andere – erfolgt in Februar und März; wer damit allzu früh anfängt, hat ohnehin das Problem, dass die Pflanzen in Einzelfällen zu groß für die Fensterbank werden und schon dann pikiert und umgetopft werden müssen, wenn draußen noch Väterchen Frost durch die Beete huscht.
Und trotz Frost: Ein Hoch auf das Staudenbeet! „Die Katzenminze ist Staude des Jahres. Die muss man haben. Gartensalbei und Lavendel sind auch tolle Pflanzen“, sagt Matthias Großmann, Chef von Stauden-Junge in Wehrbergen. Zwar könnten Gartenbesitzer jetzt noch nicht pflanzen, aber: „Es ist März, und ob der Winter in drei Tagen oder zwei Wochen endet, spielt ja keine Rolle. Bald ist Frühling und damit Pflanzzeit“, sagt Großmann. Eine Menge früh blühende Stauden würden schon ab Ende Mai für Farbe im Grünen sorgen. Sie jetzt zu entdecken, darin liege doch auch ein großer Spaß und das steigere die Vorfreude.
Für Freude sorgt schlussendlich auch die Vielzahl an Sukkulenten. Denn die haben in der Winterzeit fast keine Arbeit gemacht, haben nur sehr wenige Wassergaben benötigt und schlummerten hier und dort im Haus und Wintergarten vor sich hin. Manche von ihnen belohnen diese „Auszeit“ nun mit einer ungewöhnlichen Blüte. Und wenn sie es nicht tun, tun sie das im Frühjahr oder Sommer. Wetten?