Garten + Terrasse

Wein und Hopfen wollen hoch hinaus und sind besonders schöne Pflanzen
Von Jens Meyer
Zunächst eine Faustregel: 15 Kilogramm Trauben ergeben 10 bis 12 Liter Saft. So weit, so gut. Aber wer von den heimischen Gartenbesitzern erntet schon 15 oder mehr Kilogramm Weintrauben in seinem eigenen grünen Reich? Und bei dem köstlich fruchtigen Aroma und so frisch vom Stiel wegstibitzt stellt sich ohnehin die Frage, ob die Weiterverarbeitung lohnt. Ob große Ernte oder kleine: Weinreben im eigenen Garten sorgen für besonderes Flair und – in seltenen Fällen, aber immerhin – für ein gutes Tröpfchen…
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Der Hopfen im eigenen Garten dient weniger für die Ernte, sondern ist in erster Linie ein schmuckes Rankgewächs. Für eine Teezubereitung gut – für Bier reicht’s nicht.
Doch halt, so weit ist es ja noch nicht. Erst einmal heißt es: pflanzen! Das macht man allerdings besser im April – also vormerken fürs nächste Jahr. Der Platz, an dem die Reben wachsen sollen, sollte nach Süden ausgerichtet sein. Wer aber nicht verfolgt, einen Grand Cru produzieren zu wollen, kann es auch an einem halbschattigen Standort versuchen. Vielen neuen Sorten reicht das.

Wein macht nicht viel Arbeit. Das ist der große Vorteil dieser Pflanze, die an Spalieren und Gittern rankt. Besonders „lauschig“ wird ein Carport, wenn es weinbewachsen ist. Klettert die Pflanze nicht außen, sondern auch innen, dann können im Spätsommer und Herbst besonders saftige Trauben geerntet werden, denn unter einem Carport hält sich die Wärme, und die Früchte sind vor Starkregen geschützt.

Im Herbst fallen die Blätter des Weins. Das ist gut, denn schließlich gibt es auch Kletterpflanzen, die immergrün sind und daher Teilbereiche von Garten oder Terrasse verschatten, die nicht auf Dauer schattig sein sollen. Das Laub des Weines färbt sich besonders hübsch. Statt Wein lieber Hopfen? Auch gut: Der klettert rasant, ist auch winterfest und muss jetzt im Herbst bis kurz über dem Boden zurückgeschnitten werden. Im nächsten Jahr kommt er wieder. Er rankt hoch hinaus.

Zurück zum Wein: Sollte man sich für dunkle Trauben oder für helle entscheiden? Die Sortenwahl für den eigenen Wein im Garten hängt vom persönlichen Geschmack ab. Gute Ergebnisse liefert zum Beispiel die neue, kernlose dunkle Rebsorte „Venus“, aber auch die knackigen Beeren der „Muscat Bleu“, ebenfalls dunkel, sind sehr lecker. Als widerstandsfähig gegen Pilzerkrankungen hat sich auch die hellrosé farbene Sorte „Vanessa“ erwiesen, die mit einer harmonischen Süße aufwartet. Aber es gibt noch viele andere Sorten, die ertragreich sind und gut schmecken. Früh reifende Sorten werden bereits ab August geerntet, spät reifende bis in den Oktober hinein. Fachhändler und Gärtner wissen Rat.

Die Weinrebe wird ähnlich geschnitten wie der Blauregen, die Glyzinie (Wisteria) oder auch die Kiwipflanze: Einige Haupttriebe bleiben bestehen, während alle neuen Seitentriebe daran bis auf zwei bis drei Augen eingekürzt werden. So ist auch der Schnitt für die „normalen“ Kletterpflanzen. Der Rebschnitt unterscheidet sich vom Blauregenschnitt nur durch den Zeitpunkt im zeitigen Frühling (statt Spätsommer) und darin, dass man in der Mitte zwischen den Augen schneidet (statt direkt über einem Auge). Um dickere Trauben zu erhalten, kann man außerdem im Sommer die Fruchtstände ausdünnen, wie auch sonst beim Obst, zum Beispiel beim Pfirsichbaum (Prunus persica).
Artikel vom 01.10.2009 - 13.09 Uhr

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