Garten + Terrasse

Stauden, Zwiebeln, Gehölze: Jetzt beginnt die Pflanzzeit
Von Jens Meyer

Weiße Pracht: Deutzien gehören zu den beliebtesten Gehölzen in heimischen Gärten.

Draußen ist es leiser geworden. Die Singvögel lassen es im Vergleich zum Frühling und Frühsommer ruhiger angehen, was ebenso für die Hobbygärtner gilt. Gewissermaßen ist das aber nur die Ruhe vor dem Sturm, denn wer Veränderung in seinem Garten schaffen will – und wer will das nicht, weil ein Garten ohne Veränderung ja nur ein seelenloses Terrain darstellen würde –, der wird gerade für September und Oktober arbeitsreichen Tagen entgegengehen. Denn der Boden hat die Wärme des Sommers gespeichert. Jetzt ist die beste Pflanzzeit!

Stauden wie Sonnenhut, (Rudbeckia), Sommerphlox (Phlox paniculata), Große Margerite (Leucanthemum) und viele andere werden üblicherweise am besten von Mitte August bis Mitte Oktober gepflanzt. So stellt der September also die goldene Mitte dieser Pflanzzeit dar, was auch gut ist, denn da ist noch kein Frost in Sicht und die Pflanzen haben genug Zeit zum Anwurzeln. Wer nur knapp vor dem Frost pflanzt, läuft Gefahr, dass die Pflanzen Frostschäden bekommen. Lieber also jetzt aktiv werden. Auch wichtig: Sollte sich nach dem Pflanzen eine Trockenperiode einstellen (im September durchaus im Bereich des Möglichen), müssen frisch gepflanzte Stauden gegossen werden! Andernfalls nehmen sie Schaden, ja, sie könnten sogar vertrocknen.

Stauden, die zu groß geworden sind, sollten geteilt werden; im Normalfall alle drei bis vier Jahre und am besten auch jetzt im Spätsommer und Herbst, wenn sie ausgeblüht sind. Das ist jedoch nicht bei allen notwendig. Während Rittersporn (Delphinium) oder Roter Sonnenhut (Echinacea) da eher langmütig sind und ohnehin immer fleißig blühen, wirkt die Teilung bei Funkien (Hosta), Eisenhut (Aconitum) und Fackellilie (Kniphofia) wie ein Jungbrunnen. Dazu wird der Wurzelballen freigelegt und ein Teil abgetrennt. Stauden mit feinen Faserwurzeln nicht mit einem Spaten abstechen, sondern Teilstücke per Hand abtrennen. Wann wirklich eine Teilung notwendig ist, das verrät die Blüte: Hat die Pflanze kahle Stellen, gelbe Blätter und entwickelt kaum noch hübsche Blüten, ist die Zeit reif dafür.

Nun zu den Zwiebelpflanzen: Die Frühjahrs- und Frühsommerblüher werden ebenfalls jetzt gepflanzt. Mit „Pflanzen“ ist hier das „Setzen“ der Blumenzwiebel, etwa von Zierlauch, Narzisse, Hyazinthe, Traubenhyazinthe, Tulpe, Blaustern, Krokus oder Schneeglöckchen gemeint. Obacht beim Pflanzabstand und bei der Pflanztiefe – sie variiert je nach Größe der Blumenzwiebel und der daraus heranwachsenden Schönheit. Wichtig ist auch, Zwiebelpflanzen dort einen Platz zu schaffen, der keine Staunässe aufweist. Andernfalls könnten sie faulen. Den Kompositionen verschiedener Arten sind keine Grenzen gesetzt, nur sollte darauf geachtet werden, dass hochwachsende Blumen die kleinen (wie etwa Puschkinien) nicht überdecken.

Arbeit wartet auch im Obstgarten: Für viele Apfelsorten ist jetzt Erntezeit, aber auch die Pflanzzeit ist gekommen. Grundsätzlich sind die verschiedenen (Obst-)Gehölze nicht so empfindlich, können auch noch später gepflanzt werden oder aber im Frühjahr. Frühling oder Herbstpflanzung? Die Fachwelt ist sich da bis heute nicht einig. Fest steht: Wer jetzt pflanzt, gibt dem Gehölz genügend Raum und Zeit, seine Wurzeln zu entwickeln. Das gilt im Übrigen eben nicht nur für die vielen Obstarten, sondern auch für alle anderen Gehölze. Für einen Garten normaler Größe kommen hier zumeist die Sträucher (drei bis fünf Meter Höhe) in Frage, zu denen zum Beispiel die weiß blühende Deutzie (Deutzia), Hartriegel (Cornus), Zaubernuss (Hamamelis), Forsythie (Forsythia) oder auch Flieder (Syringa) gehören und die gut als Zufluchtsort für Vögel sowie als Sichtschutz gegen neugierige Blicke dienen. Apropos Gehölze: Immergrüne wie etwa Buchsbaum (Buxus) oder Lebensbaum (Thuja) werden im August und September geschnitten. Also noch mehr Arbeit im Garten.

Bleibt noch das Gras, das natürlich nicht nur gemäht, sondern auch gepflegt werden will. Das bedeutet, es in den kommenden vier Wochen zu vertikutieren, um es von Moos und Filz zu befreien und so zu belüften. Düngen nicht vergessen! Diese Arbeit sollte unbedingt n i c h t nach dem letzten Schnitt im späten Herbst getan werden, sondern deshalb früher, weil das Gras durch das Vertikutieren auch leidet und noch Zeit braucht, um sich wieder zu erholen.

In den nächsten Ausgaben der Dewezet und Pyrmonter Nachrichten – immer freitags auf der Garten & Terrasse-Seite – geht es konkret ums Pflanzen und Pflegen sowie um die schönsten Arten und Sorten von

- Staudenpflanzen (Freitag, 3. September)

- Zwiebelblumen

(Freitag, 10. September) - Gehölzen (Freitag, 17. September)

Ein Bild aus dem Sommer: Die Schafgarbe (im Vordergrund) wird von orangefarben blühenden Taglilien „eskortiert“. Beides sind Staudenpflanzen, die in den heimischen Gärten besonders beliebt sind. Wer sich seinen Garten im Jahre 2011 etwa so wie auf diesem Bild vorstellt, wird in den kommenden Wochen zum Spaten greifen und Stauden pflanzen.

Fotos: ey

Artikel vom 27.08.2010 - 04.26 Uhr
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