Garten + Terrasse

Scharf, schärfer, Paprika – aus eigenem Anbau
Von Jens Meyer

Glänzend schön: Paprika am Strauch. Der Gewürzpaprika ist kleiner als die Gemüsevariante. Foto: ey

Vom grammatikalischen Standpunkt aus gesehen können viele Menschen mit Paprika nicht viel anfangen, denn sie verpassen der Vitamin-C-Bombe einen falschen Artikel. Der Paprika ist eben n i c h t d i e Paprika, sondern ganz und gar männlich, was sowohl auf die oft scharfe Gewürz- als auch die milde Gemüsevariante zutrifft. Der Anbau von Paprika im eigenen Garten ist denkbar schwierig: Wenn’s zur Blütezeit der Pflanzen nicht wenigstens 19 Grad Celsius warm ist, werden sie kaum Schoten entwickeln. Da hilft nur ein Gewächshaus oder ein heißer Juni – so wie in diesem Jahr.

Die Schoten werden übrigens nur umgangssprachlich so bezeichnet. Botanisch gesehen handelt es sich um Früchte. Form, Farbe und Größe sind völlig unterschiedlich – sie können groß, klein, flach, rund, eiförmig, dreieckig, lang, kurz, gebogen, grün, rot, gelb, violett und sogar schwarz sein – aber immer glänzen sie. Die Voraussetzung für eine reiche Ernte ist, dass die Endknospen frühzeitig entspitzt werden, damit sich die Pflanzen reich verzweigen, und dass der tägliche Bedarf von wenigstens zwei Liter Wasser je Quadratmeter Pflanze nicht unterschritten wird. An heißen Tagen dürfen es auch schon mal drei bis vier Liter werden. Wer Paprika selbst anbauen will, muss sich also auf eine einigermaßen anspruchsvolle Gießarbeit einstellen. Ob die Pflanze Wasser benötigt, zeigt sich am Zustand der Blätter: Hängen sie schlaff herunter, ist wie beispielsweise bei den Tomaten sofortiges Handeln vonnöten. Besser ist es, an jedem Tag zu einem festen Zeitpunkt zu gießen.

Punkt 1: Sonne und Wärme an einem geschützten Standort, am besten im Gewächshaus oder auf der Terrasse. Punkt 2: Im Frühjahr unter Glas im Frühbeet oder unter Folie. Punkt 3: Tiefgründiger Boden mit feinkrümeliger Struktur. – Paprikapflanzen sind in puncto Standort, Boden und Pflege keine Kostverächter. Aber dafür sind es Exoten, die in heimischen Gärten nicht alltäglich sind. Unterschieden wird zwischen Gemüsepaprika und Gewürzpaprika. Gewürzpaprika sind auch als Peperoni oder Chili bekannt, viel schärfer (Obacht: Einige Sorten sind geradezu gefährlich scharf!) und kleiner als die saftigen, in rot, gelb und grün glänzenden Gemüsepaprika, die bei den Händlern auf dem Wochenmarkt schon von Weitem an ihren leuchtenden Farben zu erkennen sind. Kaum ein Gemüse enthält mehr Vitamin C als sie.

Anbau und Ernte von Mohrrüben, Petersilie, Schwarzwurzeln, Gurken sind für geübte Gemüsegärtner im Grunde genommen keine große Herausforderung. Mit Paprika verhält es sich anders. Üblich ist das Setzen von in Töpfen vorkultivierten Jungpflanzen. Die Aussaat erfolgt im März, später muss pikiert werden. Paprika wurzeln tief, daher ist es wichtig, sie – wenn schon nicht ins Beet – dann wenigstens in Töpfe zu pflanzen, die groß beziehungsweise hoch genug sind.

Zum Schluss ein Tipp: Die Ernte von Paprika sollte mit Vorsicht erfolgen. Die Triebe brechen leicht. Es ist ratsam, die Früchte mit einer Schere vom Strauch zu nehmen.

Artikel vom 12.08.2010 - 19.00 Uhr
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