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Ignoriert und unterschätzt: Die gefährliche PflegelückeDie Betreuung von Demenzkranken ist oftmals besonders aufwändig – von der Pflegekasse gibt es dafür meist aber nur eine minimale Leistung. Foto: djd/Ergo Direkt Versicherungen
Immer mehr pflegebedürftige Menschen bedeuten auch: Immer mehr Familien, die vor einer Zerreißprobe stehen. Denn wenn Oma oder Opa Schwerstpflegefall werden, kann man in den allermeisten Fällen nur noch auf professionelle Hilfe zurückgreifen, die aber merklich zu Buche schlägt: Für einen Heimplatz werden in der Pflegestufe III, also bei einer Versorgung über 24 Stunden, schnell 3000 Euro pro Monat fällig, die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt davon gerade einmal die Hälfte.
Die Differenz muss zunächst aus dem eigenen Einkommen und Vermögen getragen werden, danach werden die Kinder herangezogen. Alexander Winkler von der DKV rät deshalb allen Bundesbürgern dazu, sich mit privater Vorsorge frühzeitig auf den Ernstfall vorzubereiten: „Je jünger und je gesünder man ist, desto besser ist der Zeitpunkt zum Abschluss einer Pflegezusatzversicherung.“
Eine ganz besondere Last – und zwar im doppelten Sinne – müssen Familien tragen, die einen Demenzkranken zu pflegen haben. Zum einen müssen diese Menschen oft rund um die Uhr betreut werden. Zum anderen aber werden geistig Verwirrte von den Pflegekassen häufig nicht in eine Pflegestufe für körperlich Pflegebedürftige eingestuft. Somit erhalten sie auch keine entsprechenden typischen Leistungen, stattdessen gibt es für den Betreuungsaufwand lediglich 100 bis maximal 200 Euro monatlich. Speziell für diese Fälle ist eine private Vorsorge also noch wichtiger.
Dieter Sprott, Experte für Pflegezusatzversicherungen bei den Ergo Direkt Versicherungen, verweist auf entsprechende spezielle Zusatzpolicen: „Unsere Demenzgeld-Versicherung zahlt beispielsweise, sobald ein Facharzt bei dem Versicherten eine mittelschwere Demenz festgestellt hat.“ Das Geld stehe zur freien Verfügung – ohne Kostennachweis oder Wartezeit.
Obwohl immer mehr Deutsche direkt oder indirekt mit dem Thema Pflege konfrontiert sind, ist das Wissen um die Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung relativ gering. Was beispielsweise kaum bekannt ist: Seit Anfang 2009 gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf eine Pflegeberatung, die meist durch Mitarbeiter der Pflegekassen erfolgt. Susanne Besold, Expertin bei der Ergo Direkt Versicherungen: „Die Pflegeberater helfen bei Fragen zu den verfügbaren Angeboten und sagen, welche finanzielle Unterstützung man über die Pflegekasse erwarten kann.“
Das Spektrum der Pflegezusatzversicherungen ist weit gefächert, man kann nur einzelne Pflegestufen absichern oder aber auch alle. Alexander Winkler, DKV, empfiehlt, lieber eine Pflegetagegeld- anstatt einer Pflegekostenversicherung abzuschließen: „Nur durch die Pflegetagegeldversicherung bekommt man einen bestimmten Betrag im Monat zur Verfügung gestellt, mit dem die Versorgung nach eigenem Ermessen sichergestellt werden kann.“ Niemand schreibe einem vor, ob das Geld für einen Pflegedienst, Hilfsmittel für Inkontinenz, die Miete für betreutes Wohnen oder andere Leistungen genutzt wird.
Der Pflegefall kommt meist aus heiterem Himmel. Oft ist ein Schlaganfall, ein Sturz oder ein Unfall die Ursache. Dann bricht Panik unter den Angehörigen aus. Denn bevor ein Elternteil aus der Klinik entlassen wird, muss die Pflege organisiert sein. Dr. med. André Schumacher, Facharzt aus Düsseldorf: „Ist eine stationäre Unterbringung notwendig, sollte man sich die infrage kommenden Einrichtungen im vollen Betrieb zeigen lassen. Sehr nützlich ist es auch, Bekannte, Verwandte, Ärzte und Angehörige von anderen Betroffenen zu befragen.“ Die Alternative ist eine häusliche Pflege, aber auch hier muss kurzfristig eine Fachkraft organisiert werden. Dr. André Schumacher: „Das lässt sich oft über einen ambulanten Pflege- oder Betreuungsdienst oder auch über die Arbeitsagentur organisieren.“
Egal ob häusliche oder stationäre Pflege: Auf die Betroffenen kommen enorme finanzielle Belastungen zu. Die gesetzliche Pflegeversicherung fängt nur einen Teil der Pflegekosten auf. Für die Pflege in einem Heim muss man mit Kosten zwischen 1700 und 3500 Euro oder sogar mehr monatlich rechnen. Die nicht über die gesetzliche Pflegeversicherung gedeckten Kosten müssen über die Rente und das Vermögen des zu Pflegenden getragen werden. Sind diese Ressourcen verbraucht, müssen Kinder für ihre Eltern aufkommen. Mit dem rechtzeitigen Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung kann das finanzielle Risiko für die Familie gemindert werden.