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Altersweitsicht – ab Mitte 40 normal

Wenn die Arme zu kurz sind, um Zeitungen, eine SMS auf dem Handy oder die Inhaltsstoffangabe auf Lebensmittelverpackungen zu lesen, hat sich die Altersweitsichtigkeit eingeschlichen. Ab dem 45. Lebensjahr muss sich jeder mit nachlassender Sehkraft abfinden. Für die meisten Betroffenen eine schwierige Umstellung – egal, ob sie vorher schon Sehhilfen benutzten oder nicht.

Weil viele Betroffene unter ihrer Alterssichtigkeit leiden und gern unabhängiger von ihrer Brille wären, entwickeln Augenärzte immer neue Verfahren zur Korrektur. Dr. Kaweh Schayan-Araghi, Leiter der Artemis Augenklinik Frankfurt (Internetadresse: www.artemisklinik.de) und Vorstandsmitglied des Berufsverbands der Augenärzte, nimmt vier verschiedene Verfahren unter die Lupe:

Multifokallinsen: Augenärzte tauschen die natürlichen Linsen durch künstliche bei Grauer-Star-Behandlungen aus. Auch zur Korrektur von Alterssichtigkeit können sie körpereigene Linsen durch sogenannte Multifokallinsen ersetzen. Die aus mehreren Ringen mit unterschiedlicher Brechkraft bestehenden Linsen erzeugen mehrere Brennpunkte, die scharfes Sehen in verschiedenen Distanzen ermöglichen – Brillen werden dadurch meist überflüssig. „Von den 600 000 im Jahr in Deutschland implantierten Linsen sind immer mehr Multifokallinsen“, sagt Dr. Schayan-Araghi.

Implantat für die Hornhaut: Eines der neusten Verfahren ist das sogenannte Hornhaut-Inlay, ein dünnes, 3,8 Millimeter im Durchmesser großes Implantat. Mit einem Laser wird ähnlich einer LASIK-Methode ein kleines Hornhautscheibchen geschnitten. Dieses wird zur Seite geklappt und anschließend das Inlay eingesetzt. Das Inlay verändert die Brechkraft so, dass Patienten künftig ohne Brille größtenteils lesen können. Aber: „Es sich um ein sehr neues Verfahren, das sich erst noch beweisen muss“, so der Experte.

Intracor – Brille im Auge: Bei diesem neueren Verfahren trägt der Strahl eines Lasers in der Hornhaut ein feines Ringmuster ab. Ähnlich wie bei einer multifokalen Linse verändert sich dadurch die Brechkraft der Hornhaut und die Alterssichtigkeit wird korrigiert. Die Behandlung dauert 20 Sekunden. Dr. Schayan-Araghi’s Einschätzung: „Das Verfahren ist erst seit kurzer Zeit in Deutschland zugelassen. Es wird sicher eine große Rolle spielen, wenn Behandlungsergebnisse über einen längeren Zeitraum vorliegen.“

Monovision – künstlicher Goethe-Blick: Ein anderes Verfahren, das mit dem Laser arbeitet und sich bereits bewährt hat, ist die sogenannte Monovisions-LASIK: Hier wird das Auge so eingestellt, dass der Behandelte ein Auge zur Weitsicht nutzt und das andere zur Nahsicht – ein Zustand, mit dem Goethe von Kindheit an aufwuchs. Er besaß ein kurzsichtiges und ein normalsichtiges Auge und kam zeitlebens ohne Brille aus. „Patienten sollten vor dem Eingriff mindestens eine Woche lang entsprechende Kontaktlinsen tragen, um zu prüfen, ob sie mit dem künstlichen Goethe-Blick zurechtkommen“, so der Facharzt.

Eine Garantie für endgültige Brillenfreiheit gibt es bei keinem Verfahren, weil langes Lesen oder viel Bildschirmarbeit manchmal Lesebrillen erfordern. „Es geht vor allem darum, im alltäglichen Leben, etwa beim Einkaufen, Autofahren oder Essengehen, nicht mehr auf eine Brille angewiesen zu sein“, sagt Dr. Schayan-Araghi.

Zum Thema:

Alternativlos – wenn es um die Überprüfung der Sehschärfe und des Augenhitergrundes geht, gilt diese Vokabel tatsächlich. Denn nur die Untersuchung bei einem Augenarzt bringt Erkenntnisse. Kassenpatienten müssen jedoch mit Wartezeiten bis zu drei Monaten rechnen. Eine frühzeitige Terminvereinbarung ist also notwendig.

Artikel vom 18.10.2011 - 14.47 Uhr
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