Motormarkt
Ein leichtfüßiger Lord gibt sich die EhreVon Burkhard Assmus
Range Rover ist für seine robusten und luxuriösen Geländewagen bekannt. Mit einem Range Rover geht es durch dick und dünn, bergauf und bergab – keine Steigung ist zu steil, kein Matschloch zu tief, und wer mit einem Offroader dieses Kalibers zur Premiere vor dem Opernhaus vorfährt, ist ebenfalls ein gern gesehener Gast. Mit dem Evoque, erst seit ein paar Monaten auf dem Markt, hat das Zeitalter des „Range“ dennoch neu begonnen.
Laut und stolz war es aus dem Herstellerhause zu hören: Die Zukunft des SUV beginne genau jetzt – mit dem Evoque! Am 16. September vergangenen Jahres feierte der „kompakteste, leichteste und effizienteste Range Rover aller Zeiten“ (O-Ton Hersteller) seine Premiere auf dem deutschen Markt. Der Evoque bekam unwahrscheinlich viele Vorschuss-Lorbeeren, war bereits als Studie auf zahlreichen Messen Publikumsliebling. Folge: Bestellungen en masse, noch bevor das erste Modell auch nur einen einzigen Reifen auf deutschen Asphalt setzte. Das veranlasste die britischen Autobauer zu Begeisterungsstürmen. Zu Recht?
Zu Recht! Schnittig, formschön, präsent und doch nicht vollends protzig steht der Evoque – in diesem Fall ein 2.2 SD4 4WD Coupé – da. Als Dreitürer wirkt er niedriger als sein fünftüriger Bruder. Damit ist der Einstieg für Fahrer und Beifahrer tadellos, während die hinteren Passagiere sich ein wenig verbiegen müssen. Das Wort „stylisch“ bekommt im Evoque eine völlig neue Bedeutung. Der Innenraum ist, nun ja, soll das Wort doch ruhig einmal bemüht werden: grandios! Feinstes Leder, Zierleisten aus echtem Metall und Instrumente, deren hinterleuchtete Skalen wie Edelsteine funkeln, sind nur einige der offensichtlichen Luxus-Accessoires in der Evoque-Lounge. Dazu zeugen versteckte Spielereien von viel Liebe zum Detail: Die Getriebe-Automatik beispielsweise wird per Drehknopf bedient, der mit der Zündung erst mal effektvoll aus der Mittelkonsole hochfährt. Boah – was für’n Angeber… Und die Leselampen werden auch nicht per Knopfdruck ein- und ausgeschaltet; zum Illuminieren reicht ein lässiger Wink in der Nähe der Lampe. Kennt der Kenner zwar von Jaguar, dürfte die meisten Q3- und X1-Fahrer aber schwer beeindrucken. Aporpos beeindrucken: Beeindruckend sind die Fahreigenschaften des Evoque. Leichtfüßig und wendig fühlt er sich an. Für ein SUV fast kaum möglich, und doch ist es so. Mit kaum vorhandener Seitenneigung geht der Range ums Eck, um dann – Allradantrieb sei Dank – ohne Traktionsverlust noch mehr Schwung zu nehmen. Die Lenkung ist präzise, fühlt sich nur um die Mittellage etwas synthetisch an. Das ist aber schon der einzige Punkt, in dem der Evoque seinen süddeutschen Mitbewerbern leicht unterlegen ist. Die sportlich-straffe Grundausrichtung des Fahrwerks passt dagegen hervorragend, zumal sie kaum Komfort-Nachteile mit sich bringt: Nur eine niedrige Geschwindigkeit auf schlechter Straße lässt ihn etwas steifbeinig wirken. Auf der Autobahn dagegen bleibt der Evoque stets cool, spurt unaufgeregt geradeaus, gleicht Bodenwellen souverän aus und absorbiert Querfugen sanft und auffallend leise. Ist halt auch ein SUV, das nicht unbedingt fürs Gelände gebaut wurde…
Fast komplett ausgestattet kostet der Baby-Range mal eben fast 48 000 Euro. Für die Grundversion (150 PS Frontantrieb) müssen 33 100 Euro hingeblättert werden.