Motormarkt

Dacias Duster ist rekordverdächtig günstig
Von Burkhard Assmus

Mancher Offroader entpuppte sich in den vergangenen Jahren als Billigheimer, mancher Pseudo-Geländewagen tatsächlich als Kraftprotz. Enttäuschungen und Überraschungen hielten sich die Waage. Der Dacia Duster zählt ganz klar zu den Überraschungen.

Ohne Frage, er ist eine ehrliche Haut. Macht jedenfalls den Eindruck. Im Prestige-Trim mit Metallic-Lack sieht der Duster auch noch gut aus, die schwungvoll und ausladend modellierte Karosserie weckt keine Billig-Assoziationen. Dieser Eindruck setzt sich durchaus im Innenraum fort. Die höhenverstellbaren Vordersitze erlauben eine gut angepasste Position, Instrumentierung und Bedienungshebel lassen – mit Ausnahme des französisch im Blinkerhebel versteckten Hupenknopfs – keine Verwirrung aufkommen. Zum großes Manko Hindernis wird das Verstellen der Außenspiegel: Die Knöpfe dafür befinden sich unter dem Handbremshebel – völlig deplatziert! Wer kommt auf so eine Idee?

Die Verarbeitung geht in Ordnung, die lackierten Zierteile sehen sogar ein bisschen edel aus. Mit welch spitzem Stift bei der Fertigung kalkuliert wird, merkt man allerdings an den verwendeten Materialien und lieblosen Details. Dafür bietet der Duster für seine Klasse erstaunlich viel Raum. Das gilt für das gesamte Fahrzeug – auf der Rücksitzbank reisen auch Erwachsene kommod, und das Gepäckabteil ist sehr anständig dimensioniert. 94 Zentimeter Länge bei aufgestellten Rücksitzen, stolze 1,72 Meter bei umgelegten Lehnen – respektabel. Einzige Ausnahme ist die Innenbreite, bei der die Kompaktklasse grüßen lässt.

Der Renault-Diesel ist eine gute Wahl für den Duster. Er arbeitet erstaunlich kultiviert und geht mit Nachdruck zur Sache, aber nur, sobald er seine leichte Anfahrschwäche überwunden hat. Etwas ungewöhnlich ist die Getriebeabstufung. In Ermangelung einer Untersetzung hat Dacia den ersten Gang mit 4,5:1 sehr kurz übersetzt, der Sprung zum zweiten ist ziemlich lang. So entwickelt sich eine hektische Schalterei, um das Auto erst einmal in Fahrt zu bekommen – erst ab 40 bis 50 km/h entspannt sich die Lage, und es kann auf das Drehmoment des Dieselmotors gesetzt werden.

Negativ ist der hohe Geräuschpegel. Der Motor ist stets präsent und auch die Fahrgeräusche nehmen parallel zur Geschwindigkeit zu. Überraschend gut fällt der Federungskomfort des rumänischen SUV aus. Vom Feldweg bis zur mit Querfugen gespickten Autobahn schluckt das Fahrwerk freudig alles, was kommt. Ganz schön gefräßig. Komfortabel, aber wenig kurvengierig ist die Lenkung, die an Direktheit und Zielgenauigkeit vermissen lässt. Der Dacia ist eben ein Cruiser und keine Rennsemmel. Aber im fünften der sechs Gänge beschleunigt er immerhin binnen 11 Sekunden von 80 auf 120 km/h. Den Spurt auf 100 km/h hakt er in 12,5 Sekunden ab.

Fazit: Der Duster ist rekordverdächtig günstig, aber kein Billig-Offroader und schon gar kein Blender. Der Grundpreis ab 11 990 Euro ist traumhaft – es gibt in dieser Klasse nichts Günstigeres! Wer eine ehrliche Haut fürs leichte Gelände benötigt, ist mit ihm bestens bedient.

Artikel vom 31.01.2012 - 04.33 Uhr
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