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Kommentar Hameln
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Total verpatzt

Eigene Fehler kommen Stadt teuer zu stehen

Ein Jahr, nachdem die Stadt die Museumsleiterin geschasst hat, lässt sich eine Bilanz mit Gewissheit ziehen: Am Ende dieser Geschichte stehen nur Verlierer. Es gibt keinen Beteiligten, der nicht Schaden genommen hätte. Viel verpatzter kann man sich Personalpolitik eigentlich nicht vorstellen. Und es bleibt die Frage, ob das Dilemma nicht vorherzusehen war. Ob es nicht andere Möglichkeiten gegeben hätte.

Verlierer ist vor allem Gesa Snell. Ihre nur mühsam als „Sabbatjahr“ getarnte Demontage ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Warum nur hat die Stadt das Problem, wenn es denn ein solch gravierendes war, nicht intern gelöst? Warum hat man keine Frist für einen Wechsel gesetzt, die alle Chancen auf dem Arbeitsmarkt gewahrt hätte? Stattdessen hat die Stadt die Absetzung mehr oder weniger öffentlich vollzogen, um anschließend über die Hintergründe zu schweigen. Dem zwangsläufig anschwellenden Gebräu von Spekulationen war die zum Schweigen verurteilte Leiterin wehrlos ausgeliefert. Bald mag dieses Kapitel überstanden sein, eine neue Aufgabe wartet. Aber zwischen Berufung und Dienst nach Vorschrift liegen Welten.

Verlierer ist auch der Museumsverein. Das wenig transparente Vorgehen des Vorstandes hat viele Mitglieder irritiert, manche brüskiert. Bis heute sind die Gräben nur oberflächlich geschlossen. Wer im Verein auf Harmonie bedacht ist, erwähnt den Namen Snell besser nicht.

Verlierer ist nicht zuletzt die Stadt. Hat man hier etwa geglaubt, die Dinge würden sich von selbst regeln? Ernsthafte Gedanken über eine Weiterbeschäftigung hat sich vor einem Jahr offenbar niemand gemacht – obwohl schon damals klar war, dass die „Sabbatjahr-Strategie“ wie ein Kartenhaus einstürzen und sich dieser Moment für Snell als wenig karrierefördernd erweisen wird. Den erhofften Wechsel hat die Verwaltung selbst vereitelt.

Für ihre Kurzsichtigkeit erhält die Stadt jetzt die Quittung. Die Museumsleiterin ohne Museum braucht eine Aufgabe, irgendeine. Das ist nicht nur sinnfrei, sondern auch teuer. Den Luxus von hoch dotierten Stellen, für die nachträglich ein Bedarf gefunden werden muss, kann sich Hameln nicht leisten.

War es das alles wert? War die Absetzung, im Rückblick gesehen, unausweichlich? Es bleiben Zweifel. Aber selbst wenn man die von der Stadt angeführten Gründe für gewichtig genug hält: Die Art und Weise, wie das Problem gelöst werden sollte, ist an Dilettantismus schwer zu übertreffen.

f.werner@dewezet.de KOMMENtAR

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