Hessisch Oldendorf

Stadtwerke kaufen Anteile am Bullimuseum

Staunen nicht schlecht – Besucher in der alten Zuckerfabrik vor dem Plan des Bullimuseums (linkes Foto). Georg Joschko von den Stadtwerken und Frank Werhahn von der Stadtverwaltung mit dem Modell des VW-Busses.

Fotos: pr/pj

Hessisch Oldendorf (pj). Die Interessengemeinschaft T 2 braucht Hilfe bei der Umsetzung ihres ehrgeizigen Projektes, dem Ausbau der ehemaligen Zuckerfabrik zum Bullimuseum. 2009 haben die Arbeiten begonnen, sie gehen in diesem Jahr weiter. Die offizielle Eröffnung des Museums ist für das Jahr

2011 ge-

plant, sagen die Mitglieder der Interessengemeinschaft. An Arbeitskräften hat es bisher nicht gefehlt, doch man braucht auch Geld, um das ehrgeizige Projekt zu verwirklichen. Und da hat man sich etwas Besonderes einfallen lassen: Für 15 Euro können Interessierte „ideelle Eigentümer“ des neuen Bullimuseums werden und einen Kubikmeter Museum erwerben.

Genau das haben die Stadtwerke Hessisch Oldendorf getan. „Wir wollen helfen und haben deshalb in Absprache mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden, Bürgermeister Harald Krüger, für jeden Hessisch Oldendorfer Ortsteil einen Kubikmeter Museum gekauft“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Georg Joschko. Und er fügt augenzwinkernd an: „Schließlich arbeiten wir, die Stadtwerke und die Interessengemeinschaft auf gleicher Ebene – bei uns, wie bei den Bullifreunden, geht es um Kubikmeter. Hier um Kubikmeter Wasser und dort um Kubikmeter Raum.“

Georg Joschko geht es ebenso wie Bürgermeister Harald Krüger um die Zukunft der Stadt. „Mit unserer Aktion wollen wir einen Baustein zur Steigerung der Attraktivität unserer Stadt beisteuern“, betont der Geschäftsführer der Stadtwerke. „Wir haben bei unserem Kauf auch Heßlingen einbezogen, obwohl die Heßlinger ihr eigenes Wasser fördern und nicht an unserem Netz angeschlossen sind“, sagt Georg Joschko. Nicht ganz eigennützig ist der Kauf der Stadtwerke indes, denn natürlich hat man bei den Stadtwerken im Auge, dass ein gut besuchtes Bullimuseum, und was sich sonst noch im

Umfeld ansiedeln mag, auch

den Wasserverbrauch steigern wird.

Frank Werhahn, stellvertretender Chef im Hessisch Oldendorfer Rathaus, erklärt, dass bereits größere Gruppen – dabei geht es in einem Fall um 300 bis 400 Personen – in diesem Jahr bereits das Bullimuseum besuchen wollen. „Bei uns im Tourismusbüro haben sich die T III-Freunde gemeldet, die sich in Stadtoldendorf zum weltweit größten Treffen verabredet haben und in diesem Zuge auch in die alte Zuckerfabrik kommen wollen“, führt Werhahn erfreut aus. Auch eine Gruppe aus den Niederlanden hat sich bereits gemeldet und ihr Kommen angekündigt.

Längst sind weitaus mehr als 24 Kubikmeter Museum an den Mann oder die Frau gebracht. Insgesamt sind übrigens 14 188 Kubikmeter zu vergeben. Ab einem Kauf von mindestens fünf Kubikmetern gibt es noch ein Dankeschön in 1:87 dazu – ein Sondermodell von Wiking, ein weißer T 1 mit Logo des Museums. „Da die Auflage limitiert ist, wird er sicherlich schnell Sammlerwert haben“, sind sich Joschko und Werhahn sicher. Die Modelle sind derzeit in Arbeit und sollen im Frühjahr ausgegeben werden, erklärt der Mann aus dem Rathaus.

Die Interessengemeinschaft T 2 hat Ende Oktober alle

Fahrzeuge, die bisher in Salzgitter eingelagert waren, nach Hessisch Oldendorf gebracht. Zu-

vor war in der Zuckerfabrik

bereits fleißig gearbeitet worden. Im ersten Obergeschoss gab es viel zu tun, da durch Löcher im Dach und kaputte Fensterscheiben über Jahre Wasser ins Gebäude gelaufen war. Auch an der Außenfront gab es einiges zu tun. Dabei half vor allem auch die Familie Grundmann. Dachsparren waren ausgetauscht, das Dach provisorisch dicht gemacht worden, um weitere Schäden zu verhindern.

Mit dem Architekturbüro Schneider und Schumacher aus Frankfurt am Main wurde ein prominentes Büro für das Vorhaben Bullimuseum begeistert. Den Kontakt zum Büro hat Professor Dr. Wolfgang Martin, Mitglied der Interessengemeinschaft, hergestellt. Pläne und Bildmontagen haben die Frankfurter Architekten, die schon für solche Renommierbauten wie die InfoBox am Potsdamer Platz in Berlin oder die Dogenhaus-Galerie in Leipzig verantwortlich zeichneten, bereits vorgestellt.

Im Erdgeschoss des Hessisch Oldendorfer Bullimuseums stehen bereits etliche Schätzchen aus dem Hause Volkswagen. Rund 1000 Quadratmeter können als Ausstellungsfläche auf mehreren Etagen genutzt werden. Ebenfalls sollen einmal die Freiflächen vor dem Gebäude einbezogen werden, auch wenn das Umfeld im Hessisch Oldendorfer Lokenweg mit ungepflegten Grundstücken und Schrottplätzen wenig einladend aussieht. Das alte Industriegebäude der Zuckerfabrik selbst ist ein Wahrzeichen, das den Menschen, die über die Umgehungsstraße nach Hessisch Oldendorf kommen, ins Auge fällt.

Auch wenn jetzt in den Wintertagen die Arbeiten am Museum ruhen, es tut sich dennoch etwas. So konnte vor zwei Wochen Harald Schomburg, Mitglied des Markenvorstands Volkswagen Nutzfahrzeuge für Vertrieb und Marketing, zusammen mit

dem Team

von Oldtimer VW Nutzfahrzeuge im Bullimuseum begrüßt werden. „Ziel des Arbeitsbesuches war die Inaugenscheinnahme des Gebäudes und die Information über den aktuellen Projektstand“, heißt es in der Internetinformation der Interessengemeinschaft. Und weiter: „In der anschließenden Diskussion mit Alexander Prinz, dem zweiten Vorsitzenden der IG T 2, wurde über mögliche Formen der Zusammenarbeit und Unterstützung gesprochen.“ Mit dabei waren auch Bürgermeister Harald Krüger und Frank Werhahn, die sich zwar noch nicht zu dem Besuch äußern möchten. Doch spekuliert man nicht nur im Rathaus auch darauf, dass sich weitere Interessenten finden, die in Verbindung mit dem Museum weitere interessante Angebote machen – schließlich wird auch von den Geschäftsleuten in der Innenstadt auf viele Gäste gehofft, die nach dem Besuch des Museums durch die Geschäfte bummeln und bei den Gastronomen einkehren.

Artikel vom 19.01.2010 - 19.00 Uhr
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