Weserbergland
Mit zwei Hubschraubern gegen die FlammenVon Raimund Cremers
Neesen/Bückeburg. Eine riesige, dunkle, Hunderte Meter hohe Qualmwolke ist von Bückeburg aus im Westen zu sehen. Sie wird vom Wind an den Hängen des Wesergebirges entlang in südöstliche Richtung gen Kleinenbremen getrieben. So beginnt gestern Morgen um 9.24 Uhr für die Bückeburger der Brand auf dem Betriebsgelände des Entsorgungsunternehmens Tönsmeier direkt an der Weser im Portaner Stadtteil Neesen – dort, wo auch ein Großteil der in Schaumburg, Hameln-Pyrmont und Holzminden anfallenden Wertstoffsäcke sortiert und verarbeitet wird. Mehrere Hundert dieser Kunststoffballen in einer Größe von 1,30 mal 1,30 Meter stehen neben einer Lagerhalle in Flammen, können von den 150 Feuerwehrleuten nur mit größter Mühe und dem Einsatz von Wasser und Schaumteppichen in Schach gehalten werden.
Zwei Stunden später erhalten die Bodenkräfte Unterstützung aus der Luft. Zwei mittlere Transporthubschrauber CH-53 der Heeresfliegerwaffenschule mit Lösch-Containern unter den Maschinen schöpfen Wasser aus der Weser und einem nahe gelegenen Kiesteich, werfen immer wieder 5000 Liter Wasser in die Flammen. Dennoch lodern durch die enorme Hitze immer wieder Flammen in den dunklen Himmel. Da Schaumvorräte knapp sind, werden aus weitem Umkreis Vorräte nach Neesen gebracht – allein 14 000 Liter aus dem Landkreis Nienburg. Um 13.20 Uhr ruft der Landkreis Minden-Lübbecke die Großschadenslage aus. Michael Horst, Pressesprecher der Feuerwehr Porta Westfalica, gestern Nachmittag: „Der Einsatz wird noch bis heute Morgen dauern.“ Über den Rundfunk wird die Bevölkerung aufgefordert, Türen und Fenster verschlossen zu halten, sich möglichst nicht im Freien zu bewegen.
In Rinteln führt die Umweltschutzeinheit der Feuerwehren Schaumburgs Schadstoffmessungen durch, stellt aber nichts Bedenkliches fest. Kurzzeitig erwägen mehrere Rintelner Schulen, den Unterricht abzubrechen, etwa am Adolfinum, wo die Schüler über Lautsprecherdurchsagen gewarnt werden. Abgebrochen wird der Unterricht dagegen in Nienstädt. An den Berufsbildenden Schulen wird nach Eingang des Polizeianrufs das gestrige Sportfest vom Freien in die Sporthalle verlegt.
Unterdessen machen die heiß laufenden Telefone der Feuerwehr und der Polizei zu schaffen. Daraufhin richtet die Stadt Rinteln um kurz nach 13 Uhr ein Bürgertelefon ein, um die Sicherheits- und Rettungskräfte zu entlasten.
Derweil ist rund um das Nadelöhr Porta das Verkehrschaos perfekt. Die Bundesstraße 482 wird gesperrt, ebenso die Autobahnausfahrt Vennebeck, kurzzeitig auch der Weserauentunnel. Weiträumig muss der Bereich umfahren werden, der Verkehr quält sich über die Bundesstraßen 83 und 65.
Noch schlimmer sind die Bahnfahrer dran. Der Nahverkehr zwischen Minden und Löhne wird komplett eingestellt. Der Fernverkehr wird über Paderborn umgeleitet. Es kommt zu einstündigen Verspätungen.
Mehrere folgende Luftmessungen der Rintelner Feuerwehren ergeben am Nachmittag, dass sich durch den Brand in Porta keine gesundheitsgefährdenden Schadstoffe in der Luft befinden. Um kurz nach 16 Uhr gibt die Stadt Rinteln Entwarnung: „Die Luft ist rein!“ Menschen wurden bis Redaktionsschluss nach offizieller Auskunft nicht verletzt.
Per Rundfunk war auch im Landkreis Hameln-Pyrmont vor gefährlicher Rauchentwicklung gewarnt worden. In Rumbeck beispielsweise war zeitweilig ein leichter Geruch festzustellen. Gefährliche Werte wurden jedoch nicht gemessen, wie die Leitstelle der Feuerwehr in Hameln gestern Nachmittag auf Nachfrage versicherte.
Bilder vom Brand gibt es auf www.dewezet.de.
Flammenhölle bei Tönsmeier: Löschhubschrauber der Heeresfliegerwaffenschule unterstützen die 150 Feuerwehrleute auf dem Boden.