Startseite
Politik
Druckansicht

Millionen-Schaden im Atomkraftwerk Grohnde

Experten stehen vor einem Rätsel / Meiler wochenlang vom Netz
Der Generator (rechts) des Atomkraftwerkes Grohnde ist defekt – das wird Millionen kosten. Archiv
Der Generator (rechts) des Atomkraftwerkes Grohnde ist defekt – das wird Millionen kosten. Archiv

Grohnde. Das Atomkraftwerk Grohnde wird einige Wochen länger als geplant abgeschaltet bleiben – am zweiten Tag der Revision haben Techniker im Inneren des Generators einen Millionen-Schaden entdeckt. Der etwa 550 Tonnen schwere Koloss ist ein Riesendynamo und damit das Herzstück der Stromproduktion im konventionellen, also im nichtnuklearen Bereich. Der komplette Stromgenerator, der im Jahr 2000 angeliefert wurde, muss ausgetauscht werden. Entsprechende Informationen unserer Zeitung wurden gestern von e.on Kernkraft bestätigt. Wie hoch der Gesamtschaden ist, steht noch nicht fest. Sicher ist aber, dass es um mehrstellige Millionen-Beträge geht – was auch die Aktionäre auf der heutigen Hauptversammlung von e.on in Essen interessieren dürfte.

Denn Stillstand bedeutet Verlust. Experten schätzen, dass der Ausfall in Grohnde pro Tag mit etwa einer Million Euro zu Buche schlagen wird. Unternehmenssprecherin Dr. Petra Uhlmann nennt auf Nachfrage keine Zahlen: „Das ist Geschäftsgeheimnis.“ Sie sagt auch nicht, was ein solches Mega-Aggregat kostet – „aus wettbewerbsrechtlichen Gründen“.

Sollte Grohnde monatelang vom Netz bleiben müssen, könnten sich Schaden und Ausfallkosten auf etwa 100 Millionen Euro summieren, meinen Insider. Als das Schweizer Atomkraftwerk Leibstadt im Jahr 2012 länger als geplant vom Netz bleiben musste, rechnete der Betreiber mit Kosten in Höhe von 1,5 Millionen Franken pro Tag. Im Juli 2007 teilte e.on mit, allein durch den Stillstand des AKW Krümmel fehlten dem Konzern und seinem Partner Vattenfall Einnahmen in Höhe von rund einer Million Euro pro Tag. Der Meiler war seinerzeit unter anderem wegen eines Trafo-Brandes abgeschaltet worden. Vor dem Hintergrund einer begrenzten Restlaufzeit dürfte ein Kraftwerksbetreiber prüfen, ob die Anlage im Falle eines besonders langen Ausfalls noch wirtschaftlich zu betreiben ist. Grohnde wird voraussichtlich Ende 2021 abgeschaltet.

Bis zum planmäßigen Herunterfahren des AKW Grohnde am vergangenen Freitag habe der Stromgenerator einwandfrei funktioniert, sagt Uhlmann auf Anfrage. Experten stehen vor einem Rätsel. Niemand kann zurzeit sagen, was die Schäden im Generator verursacht hat. Unklar ist auch, wann der Schaden behoben werden kann. Würde man heute einen Neubau in Auftrag geben, könnte er wohl frühestens in einem Jahr geliefert werden. Für solche Fälle gibt es deshalb einen Pool, auf den Kraftwerksbetreiber zurückgreifen können.

Probleme könnte allerdings der niedrige Wasserstand der Weser bereiten. Am Pegel Hameln betrug er gestern nur 1,27 Meter – zu wenig für ein Schwerlastschiff. Als im November 2000 ein 400 Tonnen schwerer Stromerzeuger angeliefert wurde, musste das Wasser- und Schifffahrtsamt aus Edertal- und Diemeltalsperre 14 Millionen Kubikmeter Wasser ablassen, um den Weser-Wasserstand um 65 Zentimeter zu erhöhen. Der Wasserstand der Edertalsperre ging seinerzeit um 2,40, der der Diemeltalsperre um 1,40 Meter zurück. Bei einem Wasserstand von 1,85 Meter gelang es gerade so eben, das Bauteil nach Grohnde zu schaffen. Das Schiff ritt auf der künstlich erzeugten Welle, hatte dennoch manchmal nur wenige Zentimeter Wasser unter dem Kiel. Die Anlage, die jetzt ausgetauscht werden muss, ist erheblich schwerer. Alternativen zum Wassertransport gibt es aus Sicht von Schwertransportexperten nicht, denn: „Die Straßen halten so ein Gewicht nicht aus. Und die allermeisten Brücken wären zu niedrig.“

Artikel kommentieren






Das Weserbergland-Wetter im Mai
e-Paper
Online Service-Center




© Deister- und Weserzeitung Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG