Aerzen - Emmerthal

Maststall-Pläne sorgen für Unruhe im Dorf

Ländliche Idylle in Gefahr? Diese Sorge äußern Einwohner aus Dehrenberg, die sich mit einem Brief an die Politik wenden. Foto: Wal

Aerzen (cb). Den Einwohnern aus dem kleinen Aerzener Ortsteil Dehrenberg kommen die Planungen einige Nummern zu groß vor. Fast zynisch fragen mehrere Bewohner in einem offenen Brief an Bürgermeister Bernhard Wagner sowie die Spitzenkandidaten und Fraktionsvorsitzenden der Parteien: „Wir wollen wissen, wer das dörfliche Idyll in Dehrenberg erhalten will und wer den Wandel zum neuen Agrar- und Windindustriestandort unterstützt.“ Sie sehen das Dorf am Scheideweg, nachdem weitere große Mastanlagen geplant und nun Überlegungen für Windkraftanlagen am Ortsrand öffentlich bekanntgeworden seien.

Schon jetzt seien die Einwohner erheblich belastet. Die sechs Unterzeichner aus der Straße „Zur Steinkuhle“ – Familien und Einzelpersonen – erinnern daran, dass bereits seit einigen Jahren ein Maststall mit mehreren Tausend Schweinen mitten im Dorf bestehe. „Einige Anwohner können nun nachts nicht einmal mehr bei offenem Fenster schlafen und müssen diese auch tagsüber oft schließen“, heißt es in dem Schreiben. „Der Geruch ist mittlerweile schon charakteristisch für unser Dorf geworden.“ Zufällig habe die „nichtlandwirtschaftliche Bevölkerung des Dorfes“ davon erfahren, dass ein weiterer Maststall für etwa 40 000 Hühner am Ortsrand geplant sei. Da dort Bauarbeiten zu beobachten seien, hielten sie eine Genehmigung schon fast für gegeben, so Dr. Ludger Frieler, der den Brief mit initiiert hat.

Eine Geruchsbelästigung könne der Betreiber bei bestimmten Wetterlagen „nicht sicher ausschließen“, zitieren die Einwohner in dem Brief. Nun gebe es Gerüchte, dass ein Landwirt ein paar hundert Meter weiter einen weiteren Hühnermaststall bauen wolle. „Aufgeschreckt und beunruhigt durch diese Bauvorhaben mit den befürchteten negativen Auswirkungen auf die Bewohner, möchten wir die Verantwortlichen um sorgfältige Prüfung der Genehmigungen und vorliegenden Anträge vor allem auch in Bezug auf drohende Gesundheitsschäden unter Einbeziehung der Betroffenen bitten“, heißt es in dem Schreiben.

Gleichzeitig bitten sie noch vor der Wahl am 11. September um eine Stellungnahme zur Ausweisung weiterer Vorrangflächen für die Windkraft in Dehrenberg. Dabei beziehen sich die Unterzeichner auf Überlegungen des Dehmker Kommunalpolitikers Rudi Sonnemann, zwei bis drei 4-MW-Anlagen errichten zu wollen. Sie befürchten, dass der Standort der Windkraftanlagen auf einem Acker direkt am Ortsrand geplant sein könnte – unmittelbar gegenüber den letzten Häusern ihrer Straße. „Wir Anwohner befürchten nun eine drastische Einschränkung der Lebensqualität“, schreiben sie unter Hinweis auf die Geräuschbelästigung und gesundheitliche Schäden.

Laut Bürgermeister Bernhard Wagner gibt es derzeit keinen aktuellen Handlungsbedarf bei den Windkraftanlagen. Derzeit prüfe die Verwaltung in Absprache mit der Politik, wo es in bestehenden bereits ausgewiesenen Vorranggebieten – Dehrenberg ist nicht darunter – noch Möglichkeiten gebe, Anlagen zu errichten. Außerdem werde geschaut, ob und wo sich weitere Flächen im Gemeindegebiet entwickeln ließen. „Aber ganz in Ruhe“, sagt er. „Das Verfahren kann unter Umständen Jahre dauern.“

Zwar gebe es seit Jahren die Schweinezucht in Dehrenberg, doch sei derzeit nur ein Antrag zum Bau von zwei Mastställen bekannt. Herr des Verfahrens sei aber der Landkreis, wobei die Gemeinde um Stellungnahme gebeten worden sei. „Und die werden wir öffentlich behandeln“, so der Bürgermeister. „Entschieden ist da noch nichts.“

Laut Sandra Lummitsch, Sprecherin des Landkreises, sind derzeit im Vorverfahren die Träger öffentlicher Belange gefragt. Nach ihren Angaben handelt es sich um einen Stall für maximal 79 540 Masthähnchen. Sie kündigte an, dass der Antragsteller Ende September bei einer Veranstaltung die Einwohner über seine Pläne informieren wolle.

Artikel vom 02.09.2011 - 06.00 Uhr
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