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„Preis für Zivilcourage“ der Solbach-Freise-Stiftung an Initiative „urgewald“ vergeben

„Es reicht nicht, einfach nur dagegen zu sein“

Buchhagen (saw). Gerade einmal neun engagierte Persönlichkeiten zählt die Initiative „urgewald“. Mit Überzeugungskraft, breit gefächertem Hintergrundwissen, strategischem Know how, einer ordentlichen Portion Fantasie und dem unbedingten Willen zum furchtlosen Einmischen ausgestattet, hat der kleine Verein mit Sitz in Sassenberg im Münsterland schon so manches Mal den „großen Namen“ der internationalen Finanz- und Energiewirtschaft Paroli geboten. Da wurde der Bau eines Kernkraftwerkes in einem Erdbebengebiet in Bulgarien verhindert, zogen sich Großbanken aus der Finanzierung eines großen Staudamm-Projektes in Indien zurück, für das Tausende von Menschen ihrer Lebensgrundlage beraubt und vertrieben worden wären.

veröffentlicht am 07.11.2010 um 19:08 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 10:41 Uhr

Familäre Stimmung bei der Preisverleihung: Simone Lennarz, Hedwi
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Den renommierten „Goldman Environmental Prize“ - in den USA das Pendant zum alternativen Friedensnobelpreis - haben die „Urgewaldlerinnen“ bereits im Jahr 1994 erhalten. Und am Samstag den „Preis für Zivilcourage“ der Solbach-Freise-Stiftung.

Die sehr gut besuchte Preisverleihung findet in der Kulturmühle Buchhagen statt. Zum mittlerweile 15. Mal vergibt die Stiftung diese Auszeichnung, die erstmals mit 10 000 Euro (zuvor: 5 000 Euro) dotiert ist. Ein Strauß aus Hagebutten und Astern flankiert das Rednerpult, das Banner mit der Aufschrift „Demokratie wagen - Zivilcourage wagen“ überspannt die Bühne. Klezmer-Musik mit Klarinette und Klavier bringen Helga und Gerd Richter zu Gehör.

15 Jahre Stiftung - das nimmt Anne Solbach-Freise zum Anlass für eine kleine Zwischenbilanz. „Es erfüllt mich mit großer Zufriedenheit, mein Vermögen einzusetzen für Menschen, die sich mit allen Konsequenzen für mehr Gerechtigkeit auf dieser Welt einsetzen. Die Lichter in dunklen Zeiten setzen“, bekennt die Stifterin.

„Mit ihren Aktivitäten pickst uns Anne Solbach-Freise imme
  • „Mit ihren Aktivitäten pickst uns Anne Solbach-Freise immer wieder – und das ist auch gut so.“ Bodenwerders stellvertretende Bürgermeisterin Elke Perdacher (re.) überreicht der Stifterin einen Kaktus.

Beste Kontakte und Freundschaft pflege sie zu allen Preisträgern, von denen auch an diesem Nachmittag einige nach Buchhagen gekommen sind. Weniger als sonst, denn die zeitgleich laufenden Castor-Transporte erfordern Präsenz und Aktivitäten andernorts.

Mit Heffa Schücking und ihrem „urgewald“-Team ehren die pensionierte Pädagogin und ihr Stiftungsrat eine Initivative, „die sich geschlossen, mutig und optimistisch und auf ungewöhnliche Weise für Natur und Gerechtigkeit einsetzt“, so die Laudatorin. „Urgewald“ fragt nach den Ursachen globaler Armut und Umweltzerstörung - „die auch in der deutschen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu finden sind“, wie Heffa Schücking ausführt. Insbesondere Großbanken und Konzerne mit internationalen Verflechtungen trügen zu Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen in Ländern des so genannten „globalen Südens“ bei. „Wir recherchieren intensiv und, wenn möglich, am liebsten bei den Betroffenen selbst. Wir nennen Namen, fordern von Entscheidungsträgern nachhaltiges Handeln ein“, so die „urgewald“-Frontfrau.

Medienwirksame, weil auch vielfach originelle Protestaktionen, aber auch fortwährende Dialogbereitschaft seien wichtige Bausteine der politischen Lobbyarbeit. „Denn nur mit verbindlichen Umwelt- und Sozialstandards in der Wirtschafts- und Entwicklungspolitik lassen sich globale Entwicklungen im Interesse von Mensch und Umwelt beeinflussen.“

Man wolle zudem Antworten auf die Frage geben „Was kann ich selbst tun, damit die Welt besser wird?“. So unterstreicht Agnes Dieckmann die Bedeutung von Verbraucherkampagnen und Projekten mit Schulen (etwa „Wir setzen Zeichen - Schulen pro Recyclingspapier“). Internationale Netzwerke und Kooperationen mit Umweltverbänden oder kirchlichen Organisationen stellen die Projekte auf eine breitere Basis.

Als eine der erfolgreichsten Aktionen nennt Agnes Dieckmann das Projekt „Stromwechseln hilft“ in Kooperation mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU). „Es reicht nicht, einfach nur dagegen zu sein“, so eine wichtige Aussage dieses Nachmittags. „Wer im Bioladen einkauft und Ökostrom bezieht, der sollte sich auch dafür interessieren, welche Projekte seine Bank finanziert - und gegebenenfalls wechseln, wenn man diese Projekte mit seinem Geld nicht unterstützen möchte.“



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