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Kommentar Hameln
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Der Zug der Zeit

Warum die ECE-Ansiedlung richtig war

War es richtig, die Stadtgalerie anzusiedeln? An dieser Frage scheiden sich noch immer die Geister. Doch die Kritiker von damals müssen einsehen: Ganz so düster, wie sie den Himmel über Hameln gezeichnet haben, ist er nicht geworden. Die Stadt hat jedenfalls keinen Grund, sich schlecht zu reden: Das ECE-Center floriert, der Einzelhandel ist immer noch gut aufgestellt und die Fußgängerzone kann sich wieder sehen lassen. Verödung sieht anders aus.

„Fluch und Segen zugleich“ hat die Dewezet vor mehr als zwei Jahren getitelt, als es um die Folgen der ECE-Ansiedlung für die Innenstadt ging. So lautet die Quintessenz noch heute. Wer bei diesem Thema eindeutige Wahrheiten verkündet, kaschiert nur den Widerspruch.

Die Stadtgalerie lockt mehr Menschen in die Stadt, das ist Fakt, aber sie lockt auch mehr Menschen aus der Stadt in die Einkaufs-Enklave, daran besteht ebenfalls kein Zweifel. Ob der Mitnahme- oder der Konkurrenzeffekt schwerer wiegt, darüber lässt sich streiten.

Vielleicht kommt man der Antwort näher, wenn man die Frage anders formuliert. Was wäre gewesen, hätte die Stadt damals nicht für das ECE-Center votiert? Hameln würde heute im Wettbewerb mit benachbarten Mittel- und Oberzentren zurückfallen, die Bedeutung als Einkaufsstadt würde verblassen. Denn die Konkurrenz schläft nicht, Hildesheim hat nachgelegt, Minden bereitet einen ECE-Neubau vor. Warum? Weil solche Projekte im Trend liegen. Wer diesen Trend aufhalten und die Menschen mit erhobenem Zeigefinger zu einer anderen Einkaufskultur erziehen möchte, kann mit ähnlicher Erfolgsaussicht versuchen, die Kontinente am Driften zu hindern.

Den Wandel vom bloßen Warenerwerb zur Wohlfühl- und Erlebniskultur kann man beklagen oder nicht, politisch zu entscheiden ist allein, ob man auf der Bugwelle oder im Heckwasser einer solchen Entwicklung schwimmen möchte. In dieser Hinsicht hat die Stadt 2004 die richtige Entscheidung getroffen.

So hitzig die Debatte damals war, historisch gesehen mutet der Konflikt eher wie ein Wiederholungsprogramm an. Die Kritik am großen Warenhaus ist so alt wie das Warenhaus selbst. Und es gab ganz andere Zeiten, da überlegte man nicht lange. In den 1970er Jahre wetteiferten Städte der Größe Hamelns geradezu darum, einen Karstadt, Kaufhof, Hertie oder Horten in ihre Einkaufsmeilen zu bekommen. Das große Kaufhaus gehörte damals wie selbstverständlich dazu.

Heute ist die Zeit der Warenhäuser abgelaufen. Auch Hameln hat ihren Niedergang zu spüren bekommen, hat mit ansehen müssen, wie Karstadt, Hertie und Quelle die Segel streichen. Zum Verhängnis wurde ihnen ein neuer Trend: das Einkaufszentrum auf der „grünen Wiese“. Verlierer waren in diesem Fall die Innenstädte, die ausbluteten.

So gesehen bedrohen moderne Einkaufscenter – wahlweise „Forum“, „Galerie“ oder „Arkaden“ genannt – die Innenstädte nicht, sie stärken sie eher. Durch sie wandert Kaufkraft von der „grünen Wiese“ zurück in die Zentren. Vielleicht hilft diese Perspektive, der immer noch lebhaften Debatte die Schärfe zu nehmen.

f.werner@dewezet.de KOMMENtAR

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