DIALOG ARCHIV DEWEZET

Auf 'ner alten "Scheese" ab in den Urlaub

Hameln (fi). Der Verein für Heimatpflege und Grenzbeziehung von 1974 "Tundirum" ist eine Hochburg unserer plattdeutschen Sprache. Der 1. Vorsitzende, Herbert Habenicht, begrüßte die Gäste und seine tündersche Hauskapelle, die "Tuinegels", mit einem Nudelholz, untrügliches Zeichen für die "Unterdrückung der Männer." Die alte Pfarrscheune, herbstlich geschmückt mit Sonnenblumen und kleinen Kartoffelsäcken, war gut besucht.

"Mee Fruusluien hett'n seo sien Daun!" heißt das von Marlies Albrecht-Lübbe geschriebene Theaterstück, das schon im Jahr 2000 mit großem Erfolg in Tündern aufgeführt und jetzt von ihr neu geschrieben und aktualisiert wurde. Mit Erfolg. Dass man mit Frauen so sein Tun hat, spieltüberzeugend Kalle Pfützen-Maaker (Karl Lampe), dessen Ehefrau Adele (Helga Hoppe) ihn so gern zu einer Urlaubsreise überreden möchte. "Alle fahren in Urlaub, nur wir nicht!", nölt sie ihm ständig vor. Aber Karl weigert sich beharrlich. Bis sein alter Schulfreund Schorse Holzwurm (Fritz Hilgenböcker), ein Reisender in Damen- und Herren-Unterwäsche, plötzlich auftaucht und und von seinem Feriendomizil in Steinhude erzählt, das er großzügig seinem alten Freund anbietet. Adele hat Kalles Ausreden satt, verzichtet auf Italien und ist froh, überhaupt in Urlaub fahren zu können. Auch Kalles temperamentvolle Schwester Ilse-Marie (Anneliese Eckert) ist sofort Feuer und Flamme, zumal sie nicht nur "ein" Auge auf Schorse geworfen hat. Mit Geknatter und Getöse startet Kalle seine alte "Scheese", eine Horex, und auf geht's nach Steinhude. Schorse, mit Blick auf Ilse-Marie, spendiert großzügig von dort noch einen Ausflug nach Tirol. Während Tanta Klara (Marlies Albrecht-Lübbe) kopfschüttelnd über diese zusätzliche Unternehmung das Haus hütet, kleiden sich die Urlauber im fernen Tirol völlig neu ein und kommen als "waschechte Tiroler" an die Weser zurück. Köstlich: die Verteidigungsszenen Kalles, um bloß nicht in den Urlaub fahren zu brauchen. Auch die mit Freund Schorse, als er aus seinem Geheimfach, der Urne seines Großvaters, eine Pulle hervorzaubert und auch "balle besopen" ist. Unterhaltsame zwei Stunden plattdeutsches Volkstheater, immer wieder aufgelockert von den spritzigen Melodien der "Tuinegels". Da kann'n doch in Tündern und rund ümme rum nich "mee'n Maase in'n Hiuse bleiwen."

Artikel vom 27.10.2008 - 00.00 Uhr
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