Fussball

Preußens Gläubiger bekommen bald Post
Von Andreas Rosslan

Fußball. Es ist still geworden um Preußen Hameln 07. Nach den vielen negativen Schlagzeilen in den vergangenen Monaten verpasste sich Vereinsboss Roman von Alvensleben, der in jüngster Vergangenheit mit seinen Äußerungen oft für Diskussionsstoff sorgte, vor Saisonbeginn selbst einen Maulkorb, um kein weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Unruhe kann der chronisch klamme Traditionsklub, der mit knapp 150 000 Euro in der Kreide steht, zurzeit nämlich überhaupt nicht gebrauchen, weil das vorläufige Insolvenzverfahren immer noch läuft.

Wie geht es mit Preußen weiter? Der Spielbetrieb läuft bis auf Weiteres ganz normal weiter. Hinter den Kulissen werden unter der Regie des vorläufigen Insolvenzverwalters Dr. Rainer Eckert und des zuständigen Sachbearbeiters Michael Schütte zurzeit die Weichen für die Zukunft gestellt. Entwarnung gibt es zwar noch nicht, aber durchaus Anlass zur Hoffnung.

Drei Sponsoren und Roman von Alvensleben sind offenbar bereit, dem in finanzielle Schieflage geratenen Klub noch einmal finanziell unter die Arme zu greifen, um den Gläubigern einen außergerichtlichen Vergleich anbieten zu können. Es gibt laut Schütte mündliche Zusagen über insgesamt 17 000 Euro plus X: „Eine Zu- oder Absage steht noch aus.“ Im Laufe des Monats bekommen alle Gläubiger Post von 07. Denn nur wenn sie dem angebotenen Vergleich zustimmen, kann die Insolvenz abgewendet werden. Ob alle Gläubiger allerdings bereit sind, auf einen großen Teil ihrer Forderungen zu verzichten, ist ungewiss. Für Ex-Coach Kai Oswald, der wie auch viele ehemalige Spieler seit Monaten auf sein Geld von 07 wartet, sind die 17 000 Euro, die unter den Gläubigern verteilt werden sollen, nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ob die zur Verfügung stehende Summe reicht, um die Gläubiger zu überzeugen, weiß auch Schütte nicht: „Wir können keinen zwingen, auf seine Forderungen zu verzichten.“

Und was passiert, wenn sich der eine oder andere Gläubiger querstellt? „Dann müssen wir Überzeugungsarbeit leisten.“ Wenn der außergerichtliche Vergleich am Ende scheitern sollte, droht 07 endgültig das Aus. Von dem beauftragten Anwalt für Insolvenzrecht wird dann zunächst ein Gutachten über die aktuelle Vermögenslage des Vereins erstellt und anschließend dem zuständigen Insolvenzgericht übersandt. Ob das Insolvenzverfahren dann überhaupt eröffnet wird, hängt davon ab, ob die Kosten des Insolvenzverfahrens (u. a. Gerichtskosten) gedeckt sind. „Aber auch wenn das nicht der Fall sein sollte, hätte das die Auflösung des Vereins zur Folge. Dann würde es Preußen nicht mehr geben“, so Schütte. So weit soll es aber nicht kommen. Das Ziel ist, den Verein zu sanieren. Eine weitere durchaus denkbare Möglichkeit wäre ein Insolvenzplanverfahren. Hier müssten nicht alle, sondern lediglich die Mehrheit der Gläubiger, die in Gruppen aufgeteilt und mit Stimmrechten entsprechend ihrer Forderungshöhe ausgestattet werden, zustimmen. Diese Alternative hätte für die Gläubiger durch ein wesentlich größeres Mitbestimmungsrecht einhergehend mit einem erhöhtem Risiko sowohl Vor- als auch Nachteile. Das Insolvenzplanverfahren, das in der Regel höhere Auszahlungsquoten für die Gläubiger bringt, kommt für Preußen laut Schütte aber wohl nicht infrage. Erstens koste es sehr viel Geld, einen Insolvenzplan zu erstellen. Zweitens sei es mit sehr viel Verwaltungsaufwand verbunden. „Ein Insolvenzplanverfahren kann zwar eine gute Alternative sein, weil die Möglichkeit besteht, dass der eingetragene Verein als Rechtsträger erhalten bleibt. Aber in diesem Fall lohnt es aus meiner Sicht sich nicht“, so Schütte. Aus seiner Sicht wäre daher ein außergerichtlicher Vergleich die beste Lösung für alle Seiten.

Hinter den

Kulissen des Vereinsheims von Preußen Hameln 07 herrscht trotz der prekären Lage noch Optimismus.

Foto: nls

Artikel vom 02.09.2010 - 17.29 Uhr
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