Kommentar

Schlupflöcher schließen
Von Inken Hägermann

Es gibt Dinge, die möchte man sich nicht mal vorstellen – das patentierte Frühstücksei beispielsweise neben dem frischen Patent-Schinken vom Patent-Schwein, dazu ein leckeres Brot, gebacken aus Patent-Roggen, alles selbstredend nach genau definierten Produktionsstandards hergestellt und lizenziert vom selben Unternehmen. Dieses unappetitliche Zukunftsszenario bleibt den Verbrauchern hoffentlich erspart. Doch allzu große Hoffnung sollte man nicht in das Europäische Patentamt setzen, das derzeit darüber zu entscheiden hat, ob ein Unternehmen ein Patent für Brokkoli oder Tomate anmelden darf. Denn dort wird man sich im Rahmen des Gesetzes bewegen – und das bietet derart große Schlupflöcher für die sogenannten Bio-Patente auf Lebensmittel, dass ganze Schweineherden – atürlich patentierte – unbemerkt durchgetrieben werden könnten. Hier ist die Politik gefragt, die schließlich schon die aktuellen Regeln aufgestellt hat.

Es kann nicht im Interesse der Bürger und der EU-Staaten sein, dass sich große Konzerne Zug um Zug die komplette Lebensmittelindustrie einverleiben und darüber entscheiden, was beim Verbraucher auf den Tisch kommt, welcher Apfel sich am meisten lohnt oder welche Kartoffel ausrangiert wird. Die natürliche biologische Artenvielfalt zählt mehr als der Unternehmensgewinn.

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Artikel vom 20.07.2010 - 19.55 Uhr
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