Kommentar

Kein Wunder

Von Stefan Winter

Der Glaube an Wunder ist in der Wirtschaft zum Glück nicht weit verbreitet – man kann sie so schlecht kalkulieren. Deshalb muss man Rainer Brüderles Wort vom „kleinen Jobwunder“ nicht allzu ernst nehmen. Da bricht sich einfach Erleichterung Bahn, denn natürlich hätten Finanzkrise und Rezession für den Arbeitsmarkt weitaus schlimmere Folgen haben können. Verhindert wurden sie nicht durch ein Wunder, sondern durch Verantwortungsbewusstsein und Tatkraft der Mitarbeiter, der Unternehmensspitzen und des Staates. Im Gegensatz zu früheren Jahren waren die Arbeitsplätze in dieser Krise nicht die erste Verfügungsmasse, sondern die letzte. Dass man im Rettungseifer auch mal übers Ziel hinausschoss, zeigt der üppigst ausgestattete Deutschlandfonds, den Brüderle nun völlig zu Recht beerdigt.

In einem Punkt passt allerdings der Begriff „Wunder“: Die dauern bekanntlich länger. Nach wie vor hängt der Aufschwung von wenigen Regionen ab, China vorneweg. Und immer noch mag man der Stabilität der Finanzmärkte nicht trauen. Aber immerhin hat die deutsche Wirtschaft den Absturz bemerkenswert robust überstanden. Das sollte Zuversicht schaffen für mögliche Rückschläge, die es jederzeit geben kann.

Artikel vom 02.07.2010 - 09.26 Uhr
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