Kommentar

Gut geklotzt
Von Mathias Philipp
Es gab kein Lehrbuch für den Umgang mit dieser Wirtschaftskrise. Nie zuvor in der Nachkriegszeit war die Konjunktur derart abrupt abgebrochen wie seit Herbst 2008 in Folge der Finanzkrise. Gemessen daran hat die Bundesregierung – in der Zeit des hektischen Krisenmanagements war es die Große Koalition – viel richtig gemacht. Klotzen statt Kleckern war ihre Devise. In zwei Konjunkturpaketen warf der Staat 80 Milliarden Euro in die Schlacht, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Überdies sollten Kredite, Garantien und Bürgschaften in dreistelliger Milliardenhöhe die Geldversorgung der Unternehmen sicherstellen, eine Förderung der Kurzarbeit Entlassungen und den Absturz der allgemeinen Stimmung vermeiden. Das war riskant, doch es sieht so aus, als gehe das Kalkül der Krisenmanager auf: Die Brücke über den Abgrund trägt, und die andere Seite kommt in Sicht. Jedoch bleiben Gefahren. Ein solcher finanzieller Kraftakt für den Binnenmarkt ist nicht beliebig wiederholbar, und die Weltkonjunktur ist labil. Viele Staaten mit Finanzproblemen müssen drastische Sparpakete auflegen, die die Konjunktur drosseln. Und darauf, dass die internationale Finanzwirtschaft wirklich wieder krisenfest ist, mögen nur wenige Experten wetten. Das deutsche Krisenmanagement wird also nur dann in künftige Volkswirtschafts-Lehrbücher eingehen, wenn der nächste Konjunkturabschwung lange genug auf sich warten lässt, um den Haushältern Zeit zur Konsolidierung zu lassen.
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Artikel vom 19.07.2010 - 20.03 Uhr

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