Der Skulptur auf der Spur
Schattendasein an exponierter Stelle – die vergessene Kunst Von Julia Marre
Kurz geschoren ist der durstige Rasen im Bürgergarten. Vertrocknet hingegen das Wildkraut am Fuße der Skulptur. Ein nackter Frauenkörper steht dort hinter einem der Radio-Aktiv-Pavillons. Was ist das auf dem Kopf des Körpers: Ein Haus? Ein Kraftwerk? Eine byzantinische Kirche ohne Minarette? Kunst ist Auslegungssache, mögen manche argumentieren. Wer sich jedoch konkret für dieses Kunstwerk interessiert, grübelt und sucht vergeblich. Ein Hinweisschild gibt es an diesem Sandstein nicht. Wer ist der Künstler? Seit wann steht die Skulptur hier? Was soll sie aussagen? Dass die Mitarbeiter im benachbarten Infocenter, der Anlaufstelle für Touristen, bescheid wissen, wäre wünschenswert. Doch es bleibt ein Wunsch.
mehrDer Skulptur auf der Spur
„Die Bombenjahre sind längst vorbei“ Hameln. Sie stehen im Bürgergarten, an der Weser, in der Fußgängerzone: Skulpturen gibt es in Hameln nahezu überall. Woher kommen sie? Weshalb zieren sie den jeweiligen Standort? Und wie lange schon? Julia Marre hat sich umgesehen. Die Ergebnisse dieser Spurensuche stellen wir in loser Folge vor. Heute: „o.T.“ von Erich Lethgau.
mehrDer Skulptur auf der Spur
Jörg Enderles Pferdestärke an der Weserpromenade Von Julia Marre
Hameln. Es erinnert weder optisch an den Schokoriegel mit der Milchcremefüllung. Noch hat es mit der bekannten Süßigkeit überhaupt etwas zu tun. „Milky Way“, Jörg Enderles Skulptur am Stockhof, trägt ihren Namen aus einem ganz anderen Grund: weil einst ein Rennpferd so hieß. Verkörpern die ineinander übergehenden Steine also einen grasenden Hengst? Auch das nicht, klärt der Künstler auf.
mehrDer Skulptur auf der Spur
"So niedlich und charmant": Bernhard Kleinhans' "Die Neugierige" Von Richard Peter
Hameln. Sie ist frech, kichert sich eins ins Fäustchen – nur eines ist sie eigentlich nicht: neugierig. So heißt sie nur, „Die Neugierige“, die seit 1984 vor dem Hamelner Museum steht und zum Liebling der Touristen wurde. Kaum eine Japanerin, die sich nicht mit ihr zusammen fotografieren ließe.
mehrDer Skulptur auf der Spur
Der "Nutzen des Nutzlosen" und Rainer Splitts Sandsäcke Von Richard Peter
Hameln. Es hätte vermutlich eine Serie werden können – ja, sollen – und blieb bereits nach der Zwei einfach hängen. Das 2. Hamelner Bildhauer-Symposium 1992, blieb das vorläufig letzte und dürfte angesichts des leeren Stadtsäckels auch das letzte bleiben. Insbesondere ein Kunstwerk hat für viel Kopfschütteln gesorgt, so manchen geärgert, der daran vorbeiging und zunächst an vergessene Sandsäcke vom letzten Hochwasser dachte, bis er merkte: Hoppla, hier handelt es sich womöglich um Kunst.
mehrDer Skulptur auf der Spur
Friedrich Heißmeyers monumentales Werk an der Weser Von Richard Peter
Hameln. Den Platz hat er sich gewünscht und selbst ausgewählt – nur eines konnte Friedrich Heißmeyer nicht so verwirklichen, wie er sich das vorgestellt hatte. Die Plastik „Trigon“ – entstanden beim ersten Bildhauer-Symposium der Stadt Hameln anlässlich des Tags der Niedersachsen 1986 – sollte auf die Münsterkirche ausgerichtet sein, sozusagen nach dem „Kimme-Korn-Prinzip“, wie Friedrich Heißmeyer sagt, eine große Sicht-Tangente bilden. Nur, dass da ein riesiger Baum dazwischen stand und noch immer steht. Aber auch so ist das monumentale Werk ein Hingucker.
mehrDer Skulptur auf der Spur
Ein Riss in Moritz Bohrmanns Kraftwerk symbolisiert SchwächeVon Julia Marre
Hameln. Der 26. April 1986 ist der Tag, an dem sich in der Ukraine die Katastrophe von Tschernobyl ereignet. Radioaktive Niederschläge erreichen weite Teile Europas, darunter auch Deutschland. Noch keine zwei Jahre lang wird zu diesem Zeitpunkt das Kernkraftwerk in Grohnde betrieben. Und im Hamelner Bürgergarten arbeitet ein Hildesheimer Künstler an einer Skulptur, die wertet und offen Kritik äußert an der Atomenergie und den damit verbundenen Risiken. „Grohnde“ heißt das Werk, an dem Moritz Bormann zu dem Zeitpunkt arbeitet.
mehrDer Skulptur auf der Spur
Waldemar Ottos "Übergang" - für Hameln ein einziger Glücksfall Von Richard Peter
Hameln. Künstlerisch ist Waldemar Ottos "Der Übergang" ganz sicher eine der bedeutendsten Plastiken, auf die man in Hameln treffen kann – und klar auch, wo sie steht: vor dem Kunstkreis natürlich, der die bereits 1975 entstandene Arbeit hatte erwerben können. Und wie so oft spielte auch hier der Zufall mit, der von Charlotte Flemes, der Ehrenvorsitzenden des Kunstkreises, ausführlich in ihren Erinnerungen „Vieles gibt uns die Zeit“ beschrieben wird.
mehrDer Skulptur auf der Spur
"Das Liebespaar" von Karl-Ulrich Nuss turtelt am Weserufer Von Richard Peter
Hameln. Zweifellos: Berühmter als „Das Liebespaar“ ist sein Rattenfängerbrunnen auf dem Rathausplatz. Doch auch der – mittlerweile längst rehabilitiert – sorgte zunächst einmal für Ärger bei Hamelns Bürgern. Und anstelle eines Ehrenplatzes mitten in der Altstadt wurde er „abgeschoben“. So hat es der Bildhauer Karl-Ulrich Nuss mit beiden Plastiken in Hameln nicht leicht gehabt.
mehrDer Skulptur auf der Spur
"Der Hütejunge" verbindet Stadt- und Familiengeschichte Von Julia Marre
Hameln. Wenn Ingeborg Bloege im Bürgergarten spazieren geht, bleibt sie vor einer Skulptur jedes Mal stehen. Der „Hütejunge“ von Kurt Schwerftfeger hat es ihr angetan. Denn die Hamelnerin kennt seine Geschichte. Eine Geschichte, die wohl nicht (mehr) viele Hamelner kennen. Es ist das Jahr 1962, als der Bürgergarten „im bescheidenen Rahmen“ versucht, „eine Verbindung mit der zeitgenössichen bildnerischen Kunst herzustellen“. So ist es in einem alten Hamelner Dokument über „Gartengestaltung und Bildnerische Kunst“ nachzulesen. In Niedersachsen beheimatete Bildhauer werden daher kontaktiert und überlassen der Stadt Leihgaben.
mehr