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Erneuter Anschlag: Unbekannte fluten Flüchtlingsunterkunft

Staatsschutz ermittelt / Offenbar fremdenfeindliches Motiv
Anschlag in Kirchohsen
Spurensicherung: Ein Kriminaltechniker bringt sichergestellte Gegenstände zum Tatortwagen. Foto: ube

Kirchohsen (ube). In wenigen Tagen sollten Flüchtlinge in das frisch renovierte Gebäude einziehen, nun ist das Haus an der Hauptstraße in Kirchohsen unbewohnbar. Ermittler des Staatsschutzes fahnden mit Hochdruck nach den Tätern, die in der Nacht zum Mittwoch auf allen drei Etagen Leitungen und Schläuche durchtrennt und so das Dreifamilienhaus unter Wasser gesetzt haben.

Der Erste Kreisrat Carsten Vetter sagte auf Anfrage der Dewezet, die Tat sei „aufs Schärfste“ zu verurteilen. „Auch dieser Vorfall zeigt, dass wir alle sehr achtsam sein und die Menschen vor Ort mitnehmen müssen.“
Der Staatsschutz fahndet mit Hochdruck nach den Tätern, die in drei Etagen Wasserleitungen und Schläuche durchtrennt und das Mehrfamilienhaus auf diese Weise geflutet haben – ein Modus Operandi, den erfahrene Ermittler vor allem aus Ostdeutschland kennen.
In das Gebäude in Emmerthal sollten in wenigen Tagen Schutzsuchende einziehen. Die Polizei spricht von fünf Familien. Der Schaden ist dermaßen groß, dass das Haus vorerst unbewohnbar ist. „Die Holzbalkendecken seien völlig durchnässt, erklärt der Erste Gemeinderat Elmar Günzel, der die Zimmer gemeinsam mit einem Experten der Bauaufsicht inspiziert hat. In einem Nebengebäude, das auf demselben Grundstück steht, wohnt bereits eine dreiköpfige Familie aus dem Irak. Weil der Strom im Haupthaus aus Sicherheitsgründen abgestellt werden musste, wird die Gemeinde die Mutter, den Vater und ein anderthalb Jahre altes Kind anderweitig unterbringen müssen, denn: In beiden Häusern funktioniert nun die Heizung nicht mehr.
Die Tat wurde am Mittwoch gegen 8 Uhr entdeckt. Kriminaltechniker suchten stundenlang nach Spuren, Beamte des Staatsschutzes befragten Nachbarn. Arbeiter der Gemeinde sicherten derweil ein Kellerfenster, durch das die Kriminellen eingestiegen waren.
Das Staatsschutz-Kommissariat (Telefon: 05155/279380 oder 05151/933222) sucht Zeugen, die in der Zeit von Dienstag, 15.30 Uhr, bis Mittwoch, 8 Uhr, verdächtige Beobachtungen gemacht haben.
Die Gemeinde Emmerthal hatte Haus und Nebengebäude erst Mitte Januar im Auftrag des Landkreises Hameln-Pyrmont angemietet. Es war in den vergangenen Wochen renoviert worden und bezugsfertig.
Gerade in Emmerthal werde dringend zusätzlicher Wohnraum, insbesondere zur Unterbringung von Schutzsuchenden, benötigt, sagte der Erste Kreisrat. „Wir alle sind froh, dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind. Ich hoffe, dass die Polizei den oder die Täter rasch ermitteln kann.“
In Kirchohsen müssten nun der Schadensumfang festgestellt und die erforderlichen Sanierungsarbeiten veranlasst werden, um den zerstörten Wohnraum schnellstmöglich wiederherstellen zu können, so Vetter.

Landtagsabgeordnete von SPD und Grünen verurteilen Anschlag

Die Landtagsabgeordneten aus dem Kreis Hameln-Pyrmont, Anja Piel (Grüne) und Ulrich Watermann (SPD), zeigten sich heute erschüttert und wütend über die Anschläge auf eine Flüchtlingsunterkunft in Kirchohsen. „Die Täter müssen identifiziert und bestraft werden. Wer Flüchtlingsunterkünfte zerstört, schürt bei den Menschen Angst und das Gefühl, nicht willkommen zu sein. Der Anschlag spricht auch den Engagierten vor Ort und den Kommunalpolitikern Hohn. Ganz Niedersachsen arbeitet hart daran, die Geflüchtete untergebracht werden können – die Täter fallen auch ihnen in den Rücken.“

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