Dossier Fußgängerzone
Natursteinpflaster für den PferdemarktVon Hans-Joachim Weiß
Soll mit Naturstein saniert werden: Der Pferdemarkt. Foto: Dana
Hameln. „Was lange währt, wird endlich gut.“ Eckhard Koss ist zuversichtlich, dass unmittelbar nach der Sondersitzung des Rates am 10. März mit der Neugestaltung der Fußgängerzone begonnen werden kann. „Die europaweite Ausschreibung hat zu guten Ergebnissen geführt“, verkündete der Erste Stadtrat und Baudezernent gestern vor dem Ausschuss für erneuerbare Energien, Bau und Umwelt. Aufgrund günstiger Angebote, die die Berechnungen der Stadt noch in den Schatten stellen, könne die Bepflasterung des Pferdemarktes als erstem Bauabschnitt zu hundert Prozent in Naturstein ausgeführt werden. „Das ist die richtige Lösung, die zum Pferdemarkt passt. Er ist das Herzstück der Stadt, und mit den Ausschreibungsergebnissen fühlen wir uns bestätigt“, unterstrich Koss. Er versprach, dass sich die Stadt nun den Herausforderungen stellen werde: „Mit Kostencontrolling, Baustellenmanagement und allem, was dazugehört.“ Beeinträchtigungen der Innenstadt-Geschäfte sollen so gering wie möglich gehalten werden, versprach der Baudezernent, kündigte aber an: „Ganz ohne wird es nicht gehen. Aber ich hoffe, dass nach Zeiten kontroverser Auseinandersetzungen nun ein Wir-Gefühl einsetzt.“
Doch in diesem Punkt hatte sich Koss getäuscht. Schon im Ausschuss begann einmal mehr eine kontroverse Debatte über die Gestaltung des Pferdemarktes. Angesichts der defizitären Haushaltslage der Stadt Hameln sprach Claudio Griese wegen der angestrebten Natursteinpflasterung von einer „Luxussanierung“. Insbesondere, weil es Auswirkungen auf die Anschlusssanierung von Oster- und Bäckerstraße habe. „Dort dann aus Kostengründen Betonstein verlegen zu müssen, käme einer Geringschätzung gleich“, warnte der Christdemokrat und kündigte ebenso wie die Vertreter der Bürgerliste an, der erst kurzfristig eingegangenen Vorlage nicht zustimmen zu wollen. Rüdiger Zemlin (FDP) nannte das Vorgehen von CDU und Bürgerliste „unverantwortlich“, sprach von einem „Kneifen im letzten Moment“.
„Dass wir heute mit Bedenkenträgern diskutieren müssen, war klar“, sagte Uwe Schoormann. Der Sprecher der aus SPD, FDP und Grünen bestehenden Mehrheitsgruppe gab sich aber entschlossen: „Dann werden wir die Entscheidungen eben alleine treffen.“ Zudem verwies der SPD-Politiker darauf, dass die auf fünf Millionen Euro gedeckelte Gesamtinvestition mit 2,7 Millionen Euro bezuschusst werde. Auch könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht festgelegt werden, welche Bepflasterung Oster- und Bäckerstraße bekämen. „Das ist von der zweiten Ausschreibung abhängig und wird dann von der Politik entschieden“, so Schoormann, der in dieser Auffassung von Koss unterstützt wurde. Auch Wolfgang Kaiser, Fachbereichsleiter Planen und Bauen, merkte an: „Es handelt sich um zwei Straßen und einen Platz. Und die können durchaus unterschiedlich gestaltet werden.“
Jürgen Mackenthun (Grüne) erinnerte an die Worte Lippmanns. Bei der Einbringung des Haushalts hatte die Oberbürgermeisterin angekündigt, dass die Kreditkosten geringer ausfielen als der jährliche Aufwand für Reparaturen in der Innenstadt. „Auch das Bürgerforum hatte Naturstein gefordert, um die Historie des Pferdemarktes zu unterstreichen“, sagte Macken-thun. Hatte Griese noch von einem „roten Teppich für die Stadtgalerie“ gesprochen“, so erinnerte der Grünen-Politiker daran, dass es den Beschluss gebe, die Fußgängerzone von innen nach außen zu sanieren: „Das ist kein roter Teppich, sondern ein sachlicher Zwang.“
Mit den Stimmen der Mehrheitsgruppe wurde schließlich der Verwaltungsvorlage und dem Natursteinpflaster zugestimmt. In nicht öffentlicher Sitzung hat der Ausschuss dann über die Auftragsvergabe beraten und beschlossen. Dem Vernehmen nach soll ein Unternehmen aus Bad Oeynhausen den Zuschlag bekommen haben.
Laut Koss hätten bis zum Submissionstermin am 9. Februar insgesamt elf Firmen Angebote abgegeben. Der Baudezernent verwies darauf, dass nach den gesetzlichen Vorgaben das günstigste Angebot der europaweiten Ausschreibung Berücksichtigung finden müsse, ließ aber auch seiner Verwunderung darüber freien Lauf, dass es Differenzen bis zu 700 000 Euro gegeben habe. „Und da wundere ich mich schon, dass Unternehmen, die vor Ort tätig sind, allein schon von der Logistik her nicht die eine oder andere Einsparung vornehmen konnten.“