Dossier Fußgängerzone

Kommen düstere Zeiten für die Emmernstraße?

Hameln (ni). Die Anwohner und Geschäftsleute der Emmernstraße könnten am Ende die Gelackmeierten sein: Von der Modernisierung der Hamelner Fußgängerzone haben sie nichts, denn die reicht nicht bis vor ihre Haustüren. Aber die Hauptlast des Baustellenverkehrs sollen sie trotzdem tragen.

Gestern Vormittag hat die Stadt Hameln den Auftrag für die Neugestaltung des Pferdemarktes mit einem Volumen von rund 1,4 Millionen Euro offiziell an die „Kögel Bau GmbH & Co. KG“ in Bad Oeynhausen vergeben. Auch wenn das Unternehmen schon größere Brocken bewältigt habe – „über einen Auftrag in dieser Größenordnung freut man sich schon“, sagt Günther Büschenfeld. Als Teamleiter für den Bereich Tiefbau in der Kögel-Gruppe ist er für das Projekt in Hameln zuständig. Das soll nicht nur zügig, sondern auch einvernehmlich mit den Anliegern durchgezogen werden. „Wir wollen auf jeden Fall die vorgegebene Bauzeit unterschreiten“, sagt Büschenfeld. Und auch: „Wir wollen die Anlieger auf unsere Seite bringen.“

Bei denen der Emmernstraße dürfte das schwierig werden. Denn sie sollen den gesamten Schwerlastverkehr erdulden, der im Zuge der Bauarbeiten am Pferdemarkt anfällt. Dabei lässt sich die Anlieferung von Material laut Büschenfeld noch so organisieren, dass sie vor der Öffnung der Geschäfte erfolgt, Der Bodenaushub dagegen müsse Zug um Zug abgefahren werden, „das ist logistisch gar nicht anders zu lösen“. Sich dabei auf eine Straße zu konzentrieren sei „wirtschaftlicher“, erklärt Büschenfeld. Weil Bagger und schwer beladene Lkw dann nämlich nur an einer Straße Schäden verursachen, die anschließend wieder repariert werden müsse. Ließe man Anlieferung und Abfuhr dagegen über zwei verschiedene Straßen laufen, hätte man am Ende zwei ramponierte Straßen und doppelte Kosten.

Die Stadt Hameln sieht das offenbar genauso. „Für Anlieferung und Abfuhr von Material setzen wir auf die Emmernstraße“, sagt Fachbereichsleiter Rolf Wilde. Er geht erst einmal davon aus, „dass die Lkw dort nicht Schlange stehen werden“. Sollte sich wider Erwarten herausstellen, dass die Belastung für die Anlieger unerträglich wird, „werden wir Alternativen prüfen und unter Umständen Entlastung über die Ritterstraße schaffen“.

„Unter Umständen“ ist Klaus Pfisterer eindeutig zu wenig. Der Geschäftsmann aus der Emmernstraße (Modelleisenbahnen) befürchtet massive Umsatzeinbußen, wenn der gesamte Baustellenverkehr in den nächsten Monaten ausschließlich durch diese Straße rollt. Dabei spricht Pfisterer nicht nur für sich allein, sondern auch im Namen seiner Nachbarn, die sich ebenfalls große Sorgen um ihre Existenz machten. Und gemeinsam mit ihnen ärgert er sich auch über die widersprüchlichen Aussagen der Verwaltung. So sei zum Beispiel einem Kollegen versichert worden, die Emmernstraße werde lediglich für die Anlieferung der großen Trafostation benötigt und der Baustellenverkehr weitgehend über die Ritterstraße abgewickelt. Und auf Beschwerden darüber, „dass hier schon seit Wochen Baufahrzeuge im Viertelstundentakt durchfahren und zwar alles andere als im Schritttempo“ habe überhaupt niemand reagiert.

„Wir haben das Gefühl, wir sollen vor vollendete Tatsachen gestellt werden“, beklagt sich Pfisterer. Von der Infoveranstaltung, zu der die Anlieger für den 7. April von der Stadt ins Haus der Kirche eingeladen sind, verspricht er sich darum auch nicht allzu viel an Aufklärung oder gar Kompromissen zwischen den Interessen der Stadt und denen der Anlieger. Die wollen jedenfalls nicht widerstandslos schlucken, was die Verwaltung ihnen vorsetzt. Pfisterer: „Vielleicht geht es ja nur mit einer Protestaktion, bei der wir den Baustellenverkehr ein bisschen behindern, damit man uns ernst nimmt.“

Büschenfeld ist auf eine kontroverse Debatte am 7. April eingerichtet. Er könne die Sorgen der Anlieger nachvollziehen, hoffe aber, sie entkräften zu können. Und zwar ohne die erheblichen Belastungen „schönzureden“, die diese Baustelle in der Innenstadt mit sich bringe.

Laut Plan wird der gesamte Baustellenverkehr während der Sanierung des Pferdemarktes an den Geschäften in der Emmernstraße vorbeirollen.

Foto: Dana

Artikel vom 29.03.2010 - 19.00 Uhr
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