Dossier Fußgängerzone
Ein neues Pflaster – aus dem MittelalterZwei Schichten mittelalterliches Kiespflaster fand Kommunalarchäologe Dr. Jens Berthold auf dem Lütjen Markt. Foto: Dana
Hameln (fh). „Aus dem Lehrbuch“ seien die Arbeitsbedingungen auf dem Lütjen Markt gestern nicht gerade gewesen, sagt Kommunalarchäologe Dr. Jens Berthold. Durch die Vorarbeiten für die Fußgängerzonen-Sanierung sieht der Altstadtboden schon jetzt aus wie ein Schweizer Käse. Der Archäologe versucht nun parallel zu den Bauarbeiten, zu sichern, was an historischen Zeugnissen zu finden ist. Gestern sprang er zwischen Marktkirche und Hochzeitshaus in die Baugrube. „Eigentlich hätte man, wenn es um so ein Bodendenkmal geht, die Archäologen vorher ran lassen müssen“, sagt Berthold. Doch er sei „guter Dinge“, dass er in Zukunft bei der Fußgängerzonen-Sanierung besser eingebunden werde.
Auf dem Lütjen Markt machte der für die Stadt Hameln und die Kreise Nienburg und Schaumburg zuständige Archäologe bereits eine Entdeckung: Nach langen Diskussionen über das neue Pflaster der Fußgängerzone fand er – ausgerechnet – einen historischen Bodenbelag: 1,70 Meter unter dem heutigen Bodenniveau liegt ein Kiespflaster, 15 Zentimeter tiefer ein weiteres. Vermutlich im Hochmittelalter (Mitte des 11. bis Mitte des 13. Jahrhunderts) verteilte man Kies, um in Hamelns guter Stube nicht im Schlamm zu versinken. Es dürfte sich „um einige Wagenladungen“ gehandelt haben, also um eine „angeordnete Aktion“, sagt Berthold in einer ersten Einschätzung. „Vermutlich handelt es sich um die Pflasterung rund um die Vorgängerkirche der Marktkirche.“ Die höhere Schicht könnte eine Erneuerung sein.
Für eine genaue Datierung fehlen Berthold allerdings die Anhaltspunkte: „Wir haben leider keine Scherben oder Münzen gefunden, nur kleinere Eisenteile.“ Auch heute wird er noch gemeinsam mit Archäologie-Student Florian Schneberger auf dem Lütjen Markt arbeiten.