Dossier Fußgängerzone
Ein Schuhputzset als Andenken an die große BaustelleHameln (wul). „Liebe Hamelner, liebe Gäste – hier entsteht für Sie bis zum Jahr 2013 die neue Fußgängerzone, wir bitten um Ihr Verständnis! Ihre Stadt Hameln.“ So oder ähnlich könnten Passanten in der Innenstadt, die schon jetzt an zahlreichen Stellen auf Bauzäune stoßen, über den Hintergrund der Arbeiten informiert und für das lange umstrittene Projekt gewonnen werden. Doch vom oft zitierten „Baustellenmarketing“ ist in der Stadt noch nichts zu sehen.
Durchsichtige Bauzäune, Informationstafeln, zu bemalende Holzwände, Maskottchen, Baustellenslogans, Info-Points – Städte und Unternehmen lassen sich gern etwas einfallen, um eher unangenehme, weil mit Umständen verbundene Baustellen in ein positives Licht zu rücken und so Rückhalt bei allen Betroffenen zu erhalten. Auch Hameln will dafür sorgen, „dass die Leute weiterhin in die Stadt kommen“, wie Stadtmanager Stefan Schlichte über die bevorstehende dreieinhalb Jahre andauernde Bauphase sagt, doch die geplanten imagefördernden Vorhaben lassen noch ein paar Tage auf sich warten. „Das Schild kommt, wenn wir den Hauptauftrag vergeben haben“, verweist Ralf Wilde vom Fachbereich Technische Dienste auf Ende März. Dann sollen auch das Informationsbüro im Hochzeitshaus, wo unter anderem die Pläne zur neuen Fußgängerzone aushängen, und die Service-Nummer eingerichtet sein. Info-Tafeln gleich an den Eingängen der Fußgängerzone, wie Schlichte sie nach eigenem Bekunden begrüßenswert fände, wird es laut Wilde jedoch nicht geben, sondern ein Schild an zentralem Platz.
Den Passanten Hürden und Hintergründe schmackhaft zu machen, ist das eine. Die Anlieger dauerhaft mit entsprechender Kommunikation und gezielten Maßnahmen bei Laune zu halten, ist die andere Herausforderung, die in enger Zusammenarbeit zwischen ihnen, der Stadt und vor allem dem Auftragnehmer erfolgen soll, so Wilde. Dazu zählt auch, dass die Verwaltung bei Sondernutzungsrechten für Händler in den kommenden Jahren auch mal alle fünfe gerade sein lassen müsse. Zum Beispiel, wenn es um die Einhaltung von Grenzen für die Außenbestuhlung geht oder dass ein Bäcker bei eingeschränktem Zugang an einem Stand vor der Tür verkaufen dürfe.
Anliegerin Kirsten Jackenkroll wartet unterdessen schon auf den Startschuss für das eigentliche Baustellenmarketing und möchte als Centermanagerin der Stadtgalerie wissen, was wann passieren soll, auch, um dafür Budget einzuplanen. In einer Stadt habe es sogar mal eine Modenschau auf der Baustelle gegeben, erzählt sie von einer Möglichkeit, aus der vermeintlichen Not eine pfiffige Tugend zu machen. Anfang April soll es nun ein erstes Treffen mit Anliegern geben, in dem Näheres mitgeteilt wird, kündigt Wilde an und möchte zu diesem Zeitpunkt noch nicht alle Ideen verraten, die aber sehr wohl bestünden. Für die jüngsten Passanten werde es unter anderem einen „Bagger-Führerschein“ geben. Und den Händlern der Innenstadt hat Stadtmanager Stefan Schlichte bereits ein Präsent nahegelegt, um Kunden in gegebenenfalls staubigen Zeiten auf humorige Art zu entschädigen: ein Schuhputzset, das als Andenken an Hameln mitgegeben wird.
Ein Maskottchen als Sympathieträger und einen eingängigen Baustellenslogan wird es laut Wilde übrigens nicht geben. Zumindest sei das „zurzeit nicht geplant“. Nicht die Projektwerbung habe Priorität, sondern: „Für uns ist das Wichtigste, die Fußgängerzone funktionsfähig zu halten.“
Die Baugruben haben mit der eigentlichen Fußgängerzonensanierung noch nichts zu tun, doch was dahintersteckt (Kanalarbeiten), können die Passanten in der Stadt noch nicht erfahren. Das eigentliche Baustellenmarketing samt Kommunikation rollt erst noch an. Fotos: Wal