Fundtiere
Country-Musik und ein Hauch von ArizonaSliding stops nennt man das abrupte Stoppen aus dem vollen Galopp.
Konzentration, Körperbeherrschung, „Horse-Sense“. Foto: kv
Der Reiter teilt dem Pferd seine Befehle über Stimme und Körpersprache mit, aber nicht über die Zügel.
Geschafft! Nadine Mücke hat in ihrer Leistungsklasse den ersten Platz belegt. Eines ihrer nächsten Ziele: Die Weltmeisterschaften.
Fotos: kv, roh
Hameln (roh). Aus unzähligen Boxen dröhnt Countrymusik über die sandigen Reitplätze rund um die Reithalle des Hamelner Reitervereins. Munter galoppierende Pferde, auf deren Rücken sich stilvoll gekleidete Menschen über den Parcours tragen lassen. Westernhüte, bestickte Westen, Gürtelschnallen und Stiefeletten bestimmen das Bild. Beim 2. EWU-Turnier in Hameln wehte am Wochenende ein Hauch von Arizona über der Stadt. 130 Reiter-Pferd-Kombinationen hatten sich für 300 Einzelstarts angemeldet und maßen sich in den unterschiedlichsten Disziplinen.
Aus Wolfsburg angereist war der Turnierwart der EWU (Erste Westernreiter Union Deutschland e.V.), der, sichtlich beeindruckt von der Organisation, mit Lob nicht sparte. „Ich sehe eine ganze Reihe von Reitanlagen, aber was hier abgeliefert wird, das ist schon ein hohes Niveau“, sagte der 42-jährige, der selbst Westernreiter ist und bereits mehrere Preise in Amerika errungen hat. Mit dem weitverbreiteten Vorurteil, nur die kleinen, wendigen Quarterhorses eigneten sich für das Westernreiten, räumt Meyer auf: „Der letzte Weltmeister in der ‚Reining‘ erzielte seinen Erfolg auf einem Araber.“ Meyer ergänzt: „In Hameln sind eine ganze Reihe Quarterhorses, aber auch Araber und sogar Hannoveraner, am Start. Das Westernreiten ist für nahezu alle Rassen geeignet.“
Die Unterschiede zwischen dem klassischen Reiten und dem Westernreiten werden auf den ersten Blick deutlich: Haltung von Pferd und Reiter wirken natürlicher, gelöster, und doch ist es ein knallharter Wettbewerb, wie Meyer erklärt: „Ab einer bestimmten Leistungsklasse müssen einige Prüfungen mit nur einer Hand geritten werden. Nimmt der Reiter die zweite Hand an die Zügel, wird er sofort disqualifiziert.“ Den vom Kopf wehenden Hut eines Reiters kommentiert Meyer mit den Worten: „Hoppla, das ist nicht erlaubt.“ Westernreiten sei gekennzeichnet durch eine enge Partnerschaft zwischen Pferd und Reiter und durch das Reiten am losen Zügel. Der Reiter teile dem Pferd seine Befehle über Stimme und Körpersprache mit, aber nicht über die Zügel. So finden auch klassische Reiter, wie Susanne Zehbe Gefallen am Westernreiten. „Mich überrascht vor allem die Lockerheit, mit der hier Turniere geritten werden“, sagte die Verwaltungsfachangestellte.
Ähnlichkeiten zu klassischen Disziplinen
Eingeteilt in unterschiedliche Leistungsklassen, reiten Männer und Frauen, junge und nicht mehr ganz so junge Reiter mitunter in einer Klasse. Ralf Krupski mit seinen 53 Jahren gehört zu den älteren Startern und sagt: „Ich habe das Reiten erst vor zwölf Jahren gelernt, aber bin mittlerweile fasziniert von diesem Sport.“ Krupski betreibt einen Handel mit Reitzubehör und beschäftigt Trainer, die Westernreitpferde ausbilden. „Im Internetportal der Dewezet unter www.wesio.de kennt man mich als ‚Horseparadise‘.“ Krupski hat es nicht in die Endausscheidung geschafft, dafür konnte die erst 12-jährige Nadine Mücke aus Hagenburg mit ihrem Pferd Yakuti eine Prüfung in der Disziplin „Western Pleasure“ gewinnen. „Ich reite für die Pferdefreunde Wölpinghausen, und mein Traum ist, dass ich einmal an einer Weltmeisterschaft teilnehmen kann.“
Pleasure, Trail, Reining, Horsemanship, Senior Superhorse – die Namen der verschiedenen Disziplinen muten fremdartig an, lassen aber auch Ähnlichkeiten zu den klassischen Disziplinen erkennen. So ist zum Beispiel die „Trail“ eine Art Hindernis-parcours und ein wenig mit dem Springreiten zu vergleichen. Spektakulär sind die Manöver in der „Reining“, wenn rasante spins (schnelle Drehungen auf einer Hinterhand) oder sliding stops (abruptes Stoppen aus dem vollen Galopp) vorgeführt werden. Bei der „Western Pleasure“ werden die unterschiedlichen Gangarten der Pferde überprüft. Jedes Pferd geht, trabt und galoppiert dabei in seinem eigenen Tempo.