Aktuelles Bodenwerder
So ging’s früher in Bodenwerders Schulen zuDas Schulgebäude am Münchhausenplatz. Von 1871 bis 1967 wurden hier unterrichtet. Foto: kb
Von Karin Beißner
Bodenwerder. „Also lautet ein Beschluss, dass der Mensch was lernen muss“, heißt es bei Wilhelm Busch in „Max und Moritz“ und der Geschichte vom Lehrer Lämpel. Und das gilt noch heute. Aber wie sah es früher mit dem Schulwesen in Bodenwerder aus?
1287, als Bodenwerder die Stadtrechte erhielt, konnten nur wenige Menschen lesen und schreiben. Schulen oder gar eine Schulpflicht gab es nicht. Die schulische Ausbildung fand hauptsächlich in Klöstern und Domschulen statt. Lesen und Schreiben lernten nur die Priester und Mönche, später auch der Adel. Es wurde in der damals üblichen lateinischen Sprache unterrichtet. Inhaltlich wurden religiöse Themen behandelt.
In Bodenwerder gab es die erste Schule im 16. Jahrhundert. Sie wurde in der ehemaligen Gertrudiskapelle – heute „Galerie Corvinius“ – eingerichtet und war eine Lateinschule. 100 Jahre später war die Schule zu klein geworden und zog in das gegenüberliegende Haus um. Ein Schild erinnert heute noch an diese „Alte Schule“. Die Regeln in der Schule waren sehr streng. Wer nicht aufpasste oder etwas nicht wusste, wurde mit Rute oder Rohrstock geschlagen. Unterrichtet wurden die Schüler vom Rektor und dem Organisten. Eine Lehrerausbildung gab es noch nicht. Zur Bezahlung der Lehrer musste jeder Schüler vierteljährlich sechs Mariengroschen mitbringen.
1870 konnten Schüler und Lehrer in das neu errichtete Backsteingebäude am Münchhausenplatz umziehen. Dieses diente fast 100 Jahre als Volks- und Mittelschule. Ria Oppermann erinnert sich an einige Lehrer und ihre Eigenarten: „Lehrer Menze hatte ein weiches Herz; gute Noten belohnte er mit einem Groschen. Deshalb hieß er auch Groschen-Menze und Paulchen Giese drehte immer einen Bleistift im Ohr.“ Auch über Schwierigkeiten weiß die damalige Schülerin zu berichten: „Im Krieg, wenn Fliegeralarm war, mussten wir in den Felsenkeller im Hakenberg. Da saßen wir oft, bis der Unterricht zu Ende war.“
Nach dem Krieg platzte die Schule aus allen Nähten, sodass über den ganzen Tag ein Schichtunterricht eingerichtet werden musste. Anfang der 70er Jahre nahmen die Mängel in dem alten Gebäude zu, wobei sich der zunehmende Straßenlärm als ganz besonders störend erwies. Der Ruf nach einer neuen Schule wurde laut. So entstand auf der anderen Weserseite ein neues Schulgebäude, das 1967 seiner Bestimmung übergeben wurde. 1978 wurde es durch ein Schulzentrum erweitert.
Als eigenständiger Ort hatte auch Kemnade seine eigene Schule. Die erste Schule, eine Kirchenschule mit Küsterwohnung, lag neben der Marktkirche St. Dionysius. Im 17. Jahrhundert befand sich die Schule vor dem Westgiebel der Klosterkirche. In einem historischen Bericht wird sie folgendermaßen beschrieben: „Das vor dem Westgiebel der Klosterkirche gelegene frühere alte Schulgebäude mit dem offenen Herdfeuer auf der kleinen Däle hatte zur Linken die Wohnstube, zur Rechten die Schulstube, zu deren Heizung jedes Schulkind im Winter einen Holzsplitter mitzubringen hatte (für das größte Holzstück erhielt dann der Überbringer von der Frau Kantor ein besonderes Lob).“
1850 wurde dieses Schulhaus durch ein neues ersetzt, das aber schon nach knapp 40 Jahren baufällig war. So heißt es in der Chronik: „Ein bei der Untersuchung dieses Schulgebäudes mit anwesender Baubeamter von nicht geringem körperlichen Gewicht verschwand plötzlich im Untergeschoß, als derselbe die Tragfähigkeit des Obergeschosses zu prüfen sich eben anschickte.“ Der fällige Schulneubau wurde an der Brökelner Straße errichtet und am 12. Oktober 1888 eingeweiht. Schon 1893 erhielt er einen Anbau, weil für die 180 Schüler ein zweiter Lehrer erforderlich wurde. Eine Klasse mit 90 Schülern wäre heute wohl undenkbar.
1953/54 bildeten Bodenwerder und Kemnade einen Schulzweckverband und errichteten das heutige Schulgebäude im Kälbertal, die „Volkschule Bodenwerder- Kemnade“, wie immer noch über dem Eingang zu lesen ist. Neben zwölf Klassen- und fünf Fachräumen gab es auch ein 36 Quadratmeter großes Lehrschwimmbecken, in dem viele Kinder schwimmen gelernt haben.
In der Pausenhalle macht ein Spruch die Bedeutung dieses Neubaues deutlich: „Bodenwerder-Kemnade, Jahrhunderte hindurch getrennt, durch diesen Bau im Jahre 1954 zu gemeinsamer Jugenderziehung vereint.“ Die gemeinsamen Erlebnisse von Schülern beider Orte in mehr als 50 Jahren sind ein weiteres Kapitel Schulgeschichte.