Aktuelles Bodenwerder
Kirschen direkt vom StraßenrandBodenwerder (phi). In und um Bodenwerder kann es schon mal vorkommen, dass Hirsche Kirschbäume in ihrem Geweih tragen, jedenfalls geht so die berühmte Lügengeschichte des großen Sohns der Stadt, Baron von Münchhausen. Den kapitalen Zwölfender muss man dann schießen, um an die roten Früchte zu kommen, ein bisschen Mut gehört hier schon dazu. Für die Mehrzahl der Bürger des Ortes allerdings gestaltet sich die Kirschernte nicht ganz so aufregend. Den meisten reichen Eimer, Leiter und ein bisschen Zeit, denn bei ihnen tragen ganz normale Bäume die Kirschen. Was aber passiert eigentlich mit den roten Früchten an den Landstraßen, die, so vermuten die meisten, offenbar niemandem gehören? Weithin sichtbar und leuchtend rot hängen sie in den Zweigen und warten darauf gepflückt zu werden. „Wir verpachten diese Bäume“, erklärt Reinhard Wiesner, Sachbearbeiter im Bereich Gras- und Obstbaumnutzung beim Landkreis Holzminden, der Eigentümer ist. In der Regel würden tatsächlich nur die Kirschbäume verpachtet, an den anderen Obstsorten bestehe in den meisten Fällen wenig oder gar kein Interesse seitens der Bevölkerung. „Da lohnt sich das Ernten nicht“, erläutert Wiesner. 300 Bäume hat der Landkreismitarbeiter im Augenblick an den kreiseigenen Straßen verpachtet, aber es gibt immer noch Einzelbäume, die zum Abernten genutzt werden können. „Interessenten wenden sich an die Straßenmeisterei in Stadtoldendorf. Dann kommt der Streckenfahrer raus und klärt den zu zahlenden Betrag.“ Zwischen 10 und 20 Euro müssen pro Baum für ein einmaliges Ernterecht an den Landkreis gezahlt werden, je nach Größe und zu erwartendem Ertrag. Einfach so darf kein Obst gepflückt werden, denn die Bäume stehen auf Landkreis-Gelände und sind Kreiseigentum. Wer es doch wagt, Äpfel, Birnen oder Kirschen vom Baum zu holen, bevor die Früchte von allein auf die Straße fallen, dem droht Strafe, so er denn überhaupt vom Streckenfahrer erwischt wird und es sich nicht nur um eine Handvoll Früchte handelt. Die meisten Bürger werden ihr Obst aus Zeitgründen ohnehin im Supermarkt kaufen, und für die wenigen Mutigen gilt: Kirschen klauen war immer schon gefährlich, der Baron musste am Ende sogar mit Schrot nachhelfen.