Aktuelles Bodenwerder

Der Mann mit der blauen Latzhose

Bodenwerder (kb). Gesehen hat ihn in Bodenwerder jeder schon einmal – viele kennen ihn: Friedhelm Göbbels, den Mann in blauer Latzhose und mit blauer Kappe, der unermüdlich damit beschäftigt ist, an dem alten Gemäuer der Gertrudiskapelle irgendetwas instand zu setzen, auszubessern oder zu verschönern. Einladend stehen im Erdgeschoss die Türen offen, wenn er zu Hause ist. Da dürfen Gäste auch schon mal einen neugierigen Blick hineinwerfen. Einem Schwätzchen mit Nachbarn und Bekannten ist er nicht abgeneigt und er nimmt auch schon mal den Hund der Nachbarin in Verwahrung, bis diese vom Einkauf zurückkommt. Was bewegt jemanden, seine Arbeitskraft in das alte Gebäude zu stecken?
 „1997 war ich in Geldern an der holländischen Grenze beim Straßenmaler-Wettbewerb“, berichtet er. „Und dort habe ich Herbert Bröckel getroffen, der Teilnehmer für den Pflastermaler-Wettbewerb in Bodenwerder suchte.“ Mit Fahrrad und Anhänger machte Freddy, wie er genannt wird, sich auf den Weg nach Bodenwerder. Der gelernte Maler und Lackierer war aus dem gesicherten Leben ausgestiegen und verdiente sein Geld mit seinem Hobby, der Malerei. Zum Wettbewerb in der Münchhausenstadt traf er planmäßig ein. „Die anderen Teilnehmer schliefen in der Jugendherberge, ich in meinem Zelt davor, sozusagen in meinen eigenen vier Wänden“, meint er lachend. Den zweiten Preis hat er damals bekommen für seinen „Münchhausen mit dem Sultan“ – das Thema „Münchhausen“ wurde beim ersten Wettbewerb noch vorgegeben. Er blieb danach noch eine Woche und bekam den ersten Auftrag. Die Wand am Altenheim an der Brökelner Straße hat er mit einem Münchhausen-Motiv verziert. In dieser Zeit wohnte er in einem kleinen Appartement im Altenheim. Den Winter verbrachte er in Alfeld, kam dann zurück, bemalte das Hallenbad und weitere Wände.
 Nach zwei Jahren Aufenthalt in Bodenwerder fragte ihn Wolfgang Rux, ob er Interesse hätte, aus der Gertrudiskapelle eine Galerie zu machen. Ohne das Gebäude von innen gesehen zu haben, sagte er zu. „Mich faszinierte dieses alte Gebäude, das erst Kapelle, dann Knast war“, erklärt er. Schwere körperliche Arbeit hat er sich aufgeladen. Spitzhacke und Schaufel waren anfangs sein Arbeitsgerät. Wände und Fußböden hat er entfernt, um Teile des Gebäudes wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen. Viele Stunden am Tag verfrachtete er zuerst den Schutt in die Karre, dann ins Zwischenlager im ehemaligen Schweinestall und später von dort auf einen großen Anhänger zum Abtransport. „Ich hab mal nachgerechnet“, überlegt er, „so 50 Kubikmeter Schutt werden es wohl gewesen sein.“ Jetzt ist er dabei, auch im unteren Gewölbe einen Fußboden zu legen – Sandsteinplatten, passend zum Charakter des Gebäudes. Aber auch außen am Gebäude ist immer etwas zu tun. Da werden Fugen von lockerem Mörtel befreit, Fensterumrahmungen verputzt und geglättet, Mauerwerk und Stromkästen in Sandsteinoptik bemalt.

Artikel vom 21.07.2010 - 11.17 Uhr
drucken
Diesen Artikel versenden


   
versenden

Artikel kommentieren






Übersicht | Nachrichten | Lokales | Sport | Kultur | Bilder | Service | Anzeigenmarkt | Impressum
© Deister- und Weserzeitung Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
Eine starke Gruppe: Deister- und Weserzeitung | Pyrmonter Nachrichten | Dewezet Bodenwerder | Schaumburger Zeitung | Schaumburg-Lippische Landes-Zeitung | Deister-Leine-Zeitung | Neue Deister-Zeitung | Wesio | Weserbergland.Com | Medien 31