Aktuelles Bodenwerder
Auch das Pferd hält durch und singt weiterDie Lehrerinnen Christine Scheer (links) und Svenja Vaupel – mit dem singenden Pferd. Foto: phi
Bodenwerder (phi). „Du stehst hier hinten auf dem Stoff! Außerdem passt der Pferdekopf so nicht!“, tönt es aus dem Umkleideraum in der Hauptschule Bodenwerder. Klasse 8 rüstet zur Probe für ihr Theaterstück „Immer Ärger mit dem Zaubertrank“, das sie am morgigen Freitag um 19 Uhr in der Aula des Schulzentrums aufführen werden. Dazu muss die Kostümierung sitzen und ein Pferd ist eben nicht so einfach einzukleiden.
Christine Scheer behält trotzdem die Nerven. Mit Ruhe und Übersicht gewandet sie Ritter, Zauberer und Troll, richtet den Pferdekopf und macht sich gemeinsam mit Kollegin Svenja Vaupel Gedanken zum Thema Technik. Vielleicht doch ein Mikro für das singende Pferd? Unter dem Pappmaschee-Kopf ist der Darsteller nur schwer zu verstehen. Die beiden Lehrerinnen der Hauptschule Bodenwerder haben alle Hände voll zu tun, bevor die Probe starten kann.
Schließlich werden Baugerüste in die Aula geschoben, zwei Erzähler werden das Geschehen von oben begleiten, und es kann losgehen. Das Pferd ist inzwischen richtig kostümiert und der Ritter kann losreiten. Erstaunlich textsicher sind die jungen Schauspieler, die meisten können ihre Rolle auswendig. Das liegt vermutlich daran, dass sie das Stück selbst geschrieben haben und sich auch um Kostüme, Technik und Bühnenbild gekümmert haben. Vor anderthalb Jahren begonnen, haben die Hauptschüler die Aufführung nun bis zur Bühnenreife gebracht.
„Nachdem sie in der Weihnachtszeit 2008 bereits ein kleines Theaterstück vorgestellt hatten, kam die Idee von den Schülern, selbst noch einmal auf die Bühne zu gehen“, sagt die betreuende Lehrerin Scheer. „Wir haben ihnen dann lediglich zur Aufgabe gemacht, selbst ein Stück zu schreiben. Und das haben sie getan.“ In der Darbietung wird es um Freundschaft, Liebe und Abenteuer gehen. Trolle, Zauberer und Feen werden ihr Unwesen rund um den Zaubertrank treiben und natürliche dürfen auch Ritter und Prinzessin nicht fehlen.
Mit Begeisterung und großem Einsatz sind die Jugendlichen bei der Sache, das Pferd singt zur Belustigung aller noch etwas schräg und die Fee hat ihren ersten Einsatz: „Wo ist die Fee?“, fragt Vaupel. „Krank!“, schallt es zurück. „Ach ja, da muss das jetzt heute mal wer anders machen.“ Kleine Probleme werden hier schnell gelöst, ein Freiwilliger übernimmt ersatzweise den Feenpart. Alle können im Grunde alles spielen, denn jeder war an der Entwicklung der Aufführung beteiligt.
„Frosch!“, kündigt Vaupel die nächste Szene an und mit großen Sätzen und zirkusreifer Akrobatik hüpft der Frosch ins Bild. Die Lehrerinnen sind hochzufrieden mit dem beeindruckenden Artistik-Auftritt und es geht weiter im Text. Die Erzähler haben auf dem Baugerüst alles im Griff und die Kolleginnen müssen nicht mehr viel eingreifen, „die kleineren Proben sind ja jetzt so gut wie durch.“
Bis zur Generalprobe am Freitag muss alles sitzen, die Jungs von der Technik haben dann das erste Mal ihren großen Einsatz, aber sie sind zuversichtlich, ein weiteres Baugerüst haben sie für Licht und Technik und sie sind gut vorbereitet.
Viele fleißige Helfer aus Lehrer-, Eltern- und Schülerschaft werden Ende der Woche zum Gelingen der Erstaufführung beitragen und die Zuschauer außerdem mit zauberhaften Köstlichkeiten und märchenhaften Erfrischungen aus der hauseigenen Küche verwöhnen.
Bis dahin wird allerdings noch kräftig geprobt. Und wer spielt nun in den Hauptrollen? „Das wird nicht verraten“, erklärt Vaupel augenzwinkernd, „es soll für alle eine Überraschung werden.“ Und dann hat sie keine Zeit mehr. Das Pferd stöhnt. Vaupel klopft ihm ermutigend auf die Schulter: „Ich weiß, das ist ganz schön warm unter dem Kostüm, aber gleich haben wir es geschafft.“ Also hält das Pferd durch und singt weiter. Es sieht bereits in den Proben nicht nur vielversprechend und geheimnisvoll aus, sondern ist auch mit einer guten Portion Humor versehen, was die Hauptschüler am Freitag zur Aufführung bringen werden. Ein Besuch wird sich also sicher lohnen, wenn in der Aula der Zaubertrank gereicht wird.