Aerzen - Emmerthal
Zwischen Skepsis und Ablehnung – wie Politiker Maststall-Pläne sehenAerzen (cb). Die Aerzener Kommunalpolitiker teilen die Sorgen der Einwohner von Dehrenberg wegen eines geplanten Maststalls, sehen aber nur begrenzte Einflussmöglichkeiten der Gemeinde. Damit reagieren sie auf einen offenen Brief von mehreren Anwohnern, die negative Auswirkungen befürchten. Der Landwirt selbst bedauert, dass dieses Thema nun in den Wahlkampf gezogen worden sei. Gerade deshalb sei ja das Verfahren bis Ende September ausgesetzt worden, meint Landwirtschaftsmeister Gunther Siekmann. Sonst hätte schon längst im Juli dazu eine Informationsveranstaltung stattgefunden.
Wie berichtet, liegt dem Landkreis ein Antrag für einen Hähnchenmastbetrieb mit fast 80 000 Tieren vor, womit der Bau als privilegiertes Vorhaben gelten würde. Darauf verweisen auch Burkhard Schraps (SPD) und Friedel-Curt Redeker (CDU), die nicht nur dem Gemeinderat, sondern auch dem Kreistag angehören. Obwohl sie gewisse Bedenken äußern, zeigen sie gleichermaßen ebenso Verständnis. „Ich persönlich halte Mastbetriebe für erbärmlich“, sagt Schraps, der diese Einstellung aber nicht zum Maßstab machen möchte. „Es ist ein Unterschied, ob ein Landwirt investiert, um zu überleben, oder ein Agrarunternehmen, um damit Geld zu machen“, meint der Sozialdemokrat. Ähnlich sieht es Redeker, selbst Landwirt. Die Zielvorgaben der Privilegierung dürften aber nicht unterwandert werden. „Dieses Sonderrecht der Landwirtschaft ist kein Freibrief“, so der CDU-Politiker. Und wenn ein Betrieb durch eine Investition seine Zukunft sichern wolle, dann an geeigneter Stelle. Redeker verweist ebenso wie Schraps auf das Verfahren, bei dem es um die Emissionen gehe, aber auch um die Nähe der Wohnbebauung und zum Wald oder Naturschutzbelange.
Gänzlich abgelehnt wird der Maststall von Frank Pook von der Linken. „Das ist keinem zuzumuten“, meint er. Rudi Sonnemann von der FDP schlug den Kritikern vor, eine Bürgerinitiative zu gründen – „und zwar schnell“. Besonders kritisiert er im Zusammenhang mit den Bauplanungen Peter Bartels (SPD), der nicht nur den Landwirt berate, sondern gleichzeitig stellvertretender Bauausschussvorsitzender im Kreistag sei. Grundsätzlich skeptisch sieht Friedrich Pettig von den Bündnisgrünen die Massentierhaltung. „Skandalös“, meint er unter Hinweis auf die damit verbundenen Folgen, erinnert gleichzeitig daran, dass in Deutschland der Eigenbedarf an Hähnchenfleisch gedeckt werden könne. „Ob Deutschland zum Exportland für Agrarprodukte werden muss, ist doch fraglich“, fügt er hinzu. Allerdings weiß er auch, dass die Bevölkerung sensibilisiert werden müsse und die Kunden selbst eine gewisse Verantwortung tragen würden. Pettig: „Der Verbraucher muss bereit sein, etwas mehr zu bezahlen.“
Ähnlich argumentiert Gunther Siekmann, der bislang 1000 Schweine hält und nun die Hähnchenmast plant. „Der Kunde entscheidet sich für das günstigste Angebot – das hat Auswirkungen auf die Produktion“, begründet er. „Die Landwirtschaft wird revolutioniert – wenn ich morgen noch Landwirt bleiben möchte, muss ich mich anpassen.“ Natürlich habe er Verständnis für die Sorgen im Dorf („Ich will doch weiter in guter Nachbarschaft leben“), doch wer von Massentierhaltung spreche, müsse sich die Situation im Osnabrücker Land ansehen. „Was ich hier plane, ist dagegen minimal“, so Siekmann, der darauf verweist, dass die Familie eine jahrhundertelange Tradition in der Landwirtschaft habe. Nun wolle sich der Betrieb für die Zeit rüsten, wenn der Sohn einsteige. Zwar bestätigt er, dass es Überlegungen für die Zusammenarbeit mit Wiesenhof oder dem umstrittenen in dieser Woche eröffneten Schlachthof bei Celle gebe, aber es sei noch keine Entscheidung getroffen worden. Mögliche Gerüchte, als Lohnmäster aufzutreten, weist er zurück. Siekmann: „Ich bin Privatinvestor – und kein Strohmann.“