Aktuelles Pyrmont
Polizisten auf der Suche nach SpendengeldernPolizeibullis fuhren gestern vor der Rechtsanwaltkanzlei vor, um Beweismaterial abzutransportieren. Foto: ein
Bad Pyrmont (uk). Die Staatsanwaltschaft Hannover hat am Donnerstag mithilfe der Polizei in Bad Pyrmont eine Rechtsanwaltskanzlei durchsuchen lassen, um Beweismittel sicherzustellen. Die Geschäftsführerer mehrerer gemeinnütziger Gesellschaften mit Sitz an verschiedenen Orten stehen im Verdacht, Spendengelder veruntreut zu haben. „Einige dieser Gesellschaften werden von Bad Pyrmont aus betreut“, nannte Oberstaatsanwalt Manfred Knothe, den Grund, warum das Büro in der Kurstadt ins Visier der Ermittler geraten ist. „Wenn es hier überhaupt einen Vorwurf gibt, dann den der Beihilfe. Das sollen die Ermittlungen klären.“
Laut Knothe, der bei der Staatsanwaltschaft Hannover für Wirtschaftsdelikte zuständig ist, geht es um die zweckwidrige Verwendung von Spendengeldern. „80 Prozent dieser Spenden sollen für Verwaltungskosten und Werbemaßnahmen verwendet worden sein, und das entspricht nicht den satzungsgemäßen Zwecken dieser Gesellschaften. Das ist strafrechtlich der Tatbestand der Untreue,“ so der Staatsanwalt.
Die Ermittler, federführend ist die Polizeiinspektor Hameln-Pyrmont/Holzminden, beschlagnahmten gestern mit der Unterstützung von Beamten des Landeskriminalamtes und der Steuerfahndung in der Pyrmont Kanzlei 20 Kartons mit Unterlagen und 200 Gigabyte Daten, die nun ausgewertet werden müssen. „Wir sind noch ganz am Anfang unserer Ermittlungen, darum können wir auch noch nicht sagen, um welche Summen es dabei geht.“ Gegen welche gemeinnützigen Gesellschaften konkret ermittelt wird, wollte der Oberstaatsanwalt nicht sagen. Nur soviel: „Sie haben ihren Sitz nicht in Bad Pyrmont.“
Außer in der Kurstadt haben Beamte am Donnerstag laut Knothe auch noch die Räume einer Fundraising-Firma in der Region Hannover durchsucht, die sich mit dem Einwerben von Spenden befasst. Außerdem seien – ebenfalls gestern – die Räume einer Firma in Berlin, die für gemeinnützige Gesellschaften tätig ist, Ziel einer weitere Durchsuchung gewesen.
Die Organisation CharityWatch.de, die sich zum Ziel gesetzt hat, einen Beitrag zur Verbesserung der Spendenkultur in Deutschland zu leisten, weiß, dass es schwarze Schafe unter den Organisationen gibt, die das Vertrauen von Spendern missbrauchen wollen. „Deutschland ist in doppelter Hinsicht ein Entwicklungsland im Charitybereich“, so Stefan Lopfinger von CharityWacht. „Zum Einen ist die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung im Vergleich zu anderen Industriestaaten nur unterdurchschnittlich. Zum Anderen ist es leider auch für die Charityorganisationen nicht selbstverständlich, absolut transparent über die Verwendung der Mittel zu berichten“, weiß Loipfinger, dessen Organisation bereits eine ganze Reihe von unseriösen Spendenaktionen unter die Lupe genommen hat. In der Regel geht es dabei um das Missverhältnis von Spendenaufkommen und Spendenausgaben entsprechend dem satzungsgemäßen Zweck einer Organisation. In diesen Fällen werden der Löwenanteil der Einnahmen für Verwaltungskosten und Öffentlichkeitsarbeit ausgeben.
„Kritik an einzelnen Organisationen ist aber nie als Schmähung der gemeinnützigen oder mildtätigen Absichten zu verstehen“, betont Loipfinger. Vielmehr sei es immer ein Ansporn für Vorstand und Geschäftsführung, die Wirkung der Spendengelder zu erhöhen. Sein Rat: „Im Zweifel sollte ein Spender seine Mittel an eine effektivere Organisation überweisen.“
Orientierung bietet auch das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) . Diesse unabhängige Institution mit Sitz in Berlin prüft seit 1991 soziale und karitative Nichtregierungsorganisationen auf die Verwendung ihrer Spendengelder.