Aerzen - Emmerthal
Landtagsgrüne machen Front gegen Maststall-Pläne in DehrenbergAerzen (cb). Die Landtagsgrünen lehnen den Bau von zwei Hähnchenmastställen im Aerzener Ortsteil Dehrenberg ab. Sie führen nicht nur Gründe des Tierschutzes an, sondern warnen auch vor den Gefahren für die Bevölkerung und vor den negativen ökonomischen Folgen für die Landwirtschaft selbst. „Wir unterstützen daher das Bürgerengagement gegen Tierfabriken und fordern auch von der Gemeinde entschiedenen Widerspruch“, erklärt Christian Meyer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Agrarexperte der Bündnisgrünen im Landtag.
Wie berichtet, plant ein Landwirt in Dehrenberg den Bau von zwei Hähnchenställen für maximal 79 540 Tiere. Dazu findet heute eine Informationsveranstaltung statt, bei der den Einwohnern durch den Landwirt und einen Vertreter des Landkreises das Projekt vorgestellt wird.
Erstmals am Freitag befasste sich der Agrarausschuss des Landtages mit einem Antrag der Grünen zum Thema Massentierhaltung. Danach soll der Landtag die Landesregierung auffordern, sich auf Bundesebene für die Abschaffung des sogenannten Bauprivilegs für Tierfabriken einzusetzen. Die Grünen fordern, bereits bei 30 000 Masthühnern die Ausschaltung der kommunalen Planungshoheit durch die Privilegierung abzuschaffen. Ab dieser Grenze ist ein Verfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz notwendig. „Eine Anlage wie in Aerzen wäre dann nicht mehr privilegiert“, so Meyer.
„Bündnis 90/Die Grünen lehnen solche Tierfabriken wie in Aerzen geplant ab“, sagt ihr Agrarexperte. „Für uns ist das Tierquälerei.“ Bis zu 25 Hühner würden pro Quadratmeter auf engstem Raum gehalten und in 30 bis 40 Tagen hochgemästet. Dabei werden oft große Mengen Antibiotika eingesetzt und es entstehen viele Keime (Bioaerosole) und Feinstäube, die die Anwohner gefährden, wie Meyer weiter erläutert. Der Abgeordnete aus Holzminden verweist auf einen Erlass von Umweltminister Sander (FDP), nach dem Hühnermastanlagen in Niedersachsen keinen Filter einbauen brauchen. „Alle Emissionen von Gerüchen und Keimen gehen ungefiltert in die Nachbarschaft“, meint Meyer. „Lebensqualität und Wohnwert sinken. Gesundheitsgefahren sind nicht auszuschließen.“
Als Ursache für den aktuellen Stallbauboom nennt er eine falsche Politik von CDU und FDP in Richtung Massentierhaltung. So werde der im September in Betrieb genommene „Megaschlachthof“ in Wietze mit einer Jahreskapazität von 135 Millionen Hühnern vom Land mit 6,5 Millionen Euro Steuergeld subventioniert. 2008 seien von CDU und SPD in der Großen Koalition die Grenzen für Ställe deutlich heraufgesetzt und die Bürgerbeteiligung abgebaut worden. Unter Rot-Grün sei ab 60 000 Hühnern eine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig gewesen, jetzt erst ab 85 000 Tieren. Damit bleibe der Investor in Aerzen also knapp unter dieser Grenze, so Meyer.
In Deutschland sei der Selbstversorgungsgrad bei Hähnchenfleisch mittlerweile auf 105 Prozent gestiegen, verweist er auf die möglichen negativen Folgen für die Landwirtschaft. „Dennoch sind in Niedersachsen zahlreiche weitere Tierfabriken geplant und beantragt“, meinte der grüne Agrarexperte. „Die absehbare Folge davon sind immer niedrigere Preise und damit weniger Gewinn pro Tier für den Mäster sowie eine fortgesetzte Verdrängung von kleineren Betrieben.“