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Cornelius M. – der Abzocker mit Ausdauer?

Gelbe Kleidung, weiße Handschuhe, immer vorweg: Ist Cornelius M. ein Abzocker? Foto: haje

Von Robert Michalla

Bad Pyrmont. Durchtrainiert, mit einem freundlichen Lächeln steht Cornelius M. am Start. Gleich fällt der Startschuss zum Brunnenlauf. M. steht in der ersten Reihe, lockert seine Oberschenkelmuskeln. Er trägt weiße Handschuhe. Über seiner Startnummer steht „Mr. Clou“. Laufen ist sein Leben, sagen die, die ihn kennen. Abzocken wohl auch.
 Den Mann kennen viele in Deutschland als windigen Marathonläufer, der nie im Ziel ankommt. Viele Menschen fühlen sich geprellt, Tausende Euro habe er veruntreut. Seine Masche: Er meldet sich für Marathons an, unter seinem Namen, kurz vor dem Start. Doch eigenes Geld gibt der angebliche Ausdauer-Abzocker nie aus. Sponsoren, Geschäftsleute und Pensionsinhaber fühlen sich betrogen – so auch in Bad Pyrmont.
 Am 23. Juli reist der Marathon-Mann in der Kurstadt an, mietet sich in eine Pension ein. Er wählt ein Doppelzimmer mit Fernseher, Dusche, Bad, Telefon. Das Geld für die erste Übernachtung legt er bar auf den Tisch. Doch mehr bezahlt er nicht. Eine Woche später, in der Nacht zum 2. August, verlässt der 54-Jährige unbemerkt die Pension. Seine Sachen nimmt er mit. Den Schlüssel lässt er stecken. Der Pension schuldet er seither mehr als 400 Euro. Geld für die Übernachtungen ist darunter und 175 Euro, die er sich geliehen hatte.
 „Er war immer so furchtbar nett“, hieß es gestern aus der Pension. Die Leitung des Hauses wird den Gast später anzeigen, Pyrmonts Polizeichef Udo Nacke vom „Marathon-Abzocker“ Cornelius M. sprechen. Bis dahin aber tut der Mann alles, um den Anschein eines makellosen Marathonläufers zu erwecken. Eine Frau in der Pension fragt er, ob er ihr beim Tragen helfen könne, einer anderen bringt er Kuchen mit. Anders als bei den Laufveranstaltungen kommt er bei den Menschen an. In einem Sportgeschäft kleidet er sich für Hunderte Euro ein. Das Geld bezahle ein Sponsor, sagt der Sportler. Den Brunnenlauf bricht er später bei Kilometer 20 ab mit den Worten: „Ich habe eine Zerrung.“
 „Ach der Herr M.“, stöhnt die Mitarbeiterin der Fastfood-Kette „Mr. Clou“. Das Hamburger Unternehmen hatte den Mann einst gesponsert. Mittlerweile haben die Unternehmens-Anwälte Anzeige erstattet. Auch die Staatsanwaltschaft Paderborn ermittelt seit 2009. „Mr. Clou“ überzeugte der Mann mit der Geschichte, dass er in einem Jahr die meisten Marathons und auf diesem Weg ins Guinnessbuch der Rekorde laufen wolle. Vor zwei Jahren war das. Tausende Euro hat er seitdem erhalten für Sportkleidung, Hotels, Nahrungsergänzungsmittel. Akribisch reichte er die Belege beim Sponsor ein. „Er weiß, wie man Menschen einwickelt“, sagt eine, die ihn kennt. Bis das Unternehmen misstrauisch wird und die Zahlungen einstellt. Seither verfolgt „Mr. Clou“ den „Mister Marathon“ durch ganz Deutschland. Doch er scheint ein Phantom zu sein. Nicht so für die Pyrmonter Pension. Eine Mitarbeiterin sitzt vorgestern in einem Café in Hameln. Die Frau isst ein Eis, als der Marathonmann an ihr vorbeiläuft. „Sie haben uns betrogen“, sagt sie zu ihm. Der beschwichtigt. Er wolle seine Schulden am nächsten Tag begleichen, sagt er. Doch in der Pension läuft er nie auf. Heute ist Ottonenlauf in Quedlinburg.

Artikel vom 06.08.2010 - 18.51 Uhr
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