Bad Münder

Zweistellig im Minus: „Das ist der Hammer“

Bad Münder (mf/jhr). Es ist bitterkalt in Bad Münder. Die gefühlten Werte liegt seit Tagen ganz unten im Temperaturkeller. Für die Nacht zu gestern, der bislang kältesten des Jahres, hat Annegret Witte von der GeTour die Zahlen der Wetterstation im Kurpark parat: minus 18,2 Grad in zwei Meter Höhe, sogar minus 20,4 Grad direkt über dem Boden. Ein Härtetest für Mensch und Technik – und die Technik stößt oftmals an ihre Grenzen.

Beim Wasserversorger Purena spricht man von einer „extremen Herausforderung“. Allein in den Nachtstunden ereigneten sich in Bad Münder drei Rohrbrüche – zwei im Laubaner Weg, einer in der Gerhart-Hauptmann-Straße. Daneben gab es bis gestern Mittag etwa 30 weitere Notfälle, wie Teamleiter Andreas Tschöpe berichtet – „eingefrorene Wasserzähler, geplatzte Hausleitungen“. Man sei mit allen zur Verfügung stehenden Kräften im Einsatz. Neben dem Bereitschaftsdienst habe die Purena kurzfristig diverse Fremdfirmen engagiert – „praktisch jeden Betrieb, den wir kriegen konnten“, sagt Tschöpe. Ständig liefen in der Netzwarte des Versorgers in Salzgitter neue Störungsmeldungen. Parallel dazu werden die Einsätze von der Zentrale in Springe aus koordiniert. „So heftig hat es uns seit vielen Jahren nicht mehr erwischt“, so Tschöpe. Der fehlende Schnee lasse den Boden noch tiefer gefrieren. „Hinzu kommt, dass das Erdreich aufgrund des vielen Regens vor dem Wintereinbruch besonders feucht sei.

Geplatzte Wasserleitungen, ausfallende Heizungen – davon kann man auch beim Sanitärbetrieb Rothe ein Lied singen. „Das Telefon steht nicht mehr still“, sagt Katja Rothe. Die Mitarbeiter seien pausenlos im Einsatz. „Und nach Feierabend und an den Wochenenden fährt man mein Mann Thorsten im Zweifel allein raus, wenn ein Notruf bei uns eingeht.“

Etwas ruhiger ist es bei Heizungslüftungsbauermeister Ralf Enderwitz. Die meisten seiner Kunden hätten sich ganz gut auf den Winter eingestellt. Probleme gebe es aber hin und wieder, wenn ein Kellerfenster nicht geschlossen oder das Heizungsthermostat zu niedrig eingestellt sei. Enderwitz rät: „Öfter mal aufmerksam durchs Haus gehen und alles kontrollieren!“

Das allerdings hilft auch nicht mehr, wenn plötzlich im Heizöltank Ebbe herrscht. Und das ist mitnichten ein Einzelfall: „Wir fahren seit einer Woche fast rund um die Uhr – das ist der Hammer“, sagt Mineralölhändlerin Sonja Wegener. Morgens zwischen 4 und 5 Uhr betanke ihr Mann das erste Mal am Tag den Wagen, „und dann ist er oft bis 23 Uhr unterwegs“.

Reihenweise säßen Kunden auf dem Trockenen – und damit in einer eiskalten Wohnung, berichtet Wegener. Früher sei es selbstverständlich gewesen, rechtzeitig vor Winterbeginn die Tanks komplett zu füllen. „Heute pokern viele Hausbesitzer in der Hoffnung auf fallende Preise – und haben am Ende oft Pech“, weiß Wegener. Der Preisanstieg der vergangenen Jahre habe dazu geführt, dass häufig nicht mehr vollgetankt werde, weil schlicht das Geld fehle. „Im Augenblick ist das jedenfalls nur noch Notdienst, was hier läuft.“

Das gilt ähnlich auch für Andreas Schmidt aus Eimbeckhausen und sein Team. Sie erleben in diesen Tagen reihenweise technisches Versagen. „Und zwar fast rund um die Uhr“, sagt der Kfz-Meister. Mit fünf Mitarbeitern ist Schmidts Pannendienst nahezu im Dauereinsatz. Starthilfe, geplatzte Motoren, Probleme mit Dieselmotoren beschäftigen die Techniker. „Nachts etwas weniger, aber morgens ab sieben Uhr steht das Telefon nicht mehr still“, sagt Schmidt. Hauptproblem Nummer eins: versagende Autobatterien. „Bei neueren Modellen hilft zumeist Starthilfe, bei jenen, die fünf oder mehr Jahre alt sind, raten wir zum Austausch – sonst tritt das Problem am nächsten Morgen gleich wieder auf.“ Konsequenz: Die Lieferanten von Batterien kämen derzeit kaum nach.

Bei den Tiefsttemperaturen stoßen auch Dieselfahrzeuge an ihre Grenzen. „Gerade weniger gut gewartete Autos machen Probleme“, weiß Schmidt. Wasser im System oder im Diesel ausflockende Paraffine verstopfen die Filter, der Wagen geht nach wenigen Metern wieder aus oder springt gar nicht erst an.

Noch verschont geblieben von den Auswirkungen des Bibberwinters ist die Stromversorgung. Bislang laufe alles reibungslos“, berichtet Frank Hundeshagen vom Versorger Eon-Avacon. Anders als in den beiden Vorjahren hätten die Leitungen und Masten bislang nicht mit schweren Schneelasten oder Eisregen zu kämpfen. „Und die Kälte selbst macht uns zum Glück nichts aus.“

Artikel vom 08.02.2012 - 00.01 Uhr
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