Bad Münder

„Extrembiotop“ statt Asche-Deponie

Hamelspringe (jhr). Ein Steinbruch gehört nicht zu dem, was sich Naturschützer für die Umwelt wünschen. Wenn die heimischen Nabu-Mitglieder aber die Wahl hätten, was aus dem Steinbruch Hamelspringe einmal werden soll, dann würden sie ein Belassen im akuellen Zustand einem Verfüllen deutlich vorziehen – insbesondere einem Verfüllen mit Asche aus Kohlekraftwerken. Jetzt trafen sich Nabu-Mitglieder mit Vertretern der Forstgenossenschaft Bakede, die über eine Deponie für Kohlenasche im Steinbruch Hamelspringe nachdenken, zum Gespräch.

„Unsere Position haben wir bereits vor zehn Jahren deutlich gemacht, als Überlegungen zur Renaturierung des Steinbruchs angestrengt wurden“, erklärt Matthias Großmann, Vorsitzender der Nabu-Ortsgruppe Bad Münder. Zum Gespräch mit der Forstgenossenschaft war er mit seinem Stellvertreter Jens Becker und dem Nabu-Landesvorsitzenden Dr. Holger Buschmann gefahren – auch, um sich aus erster Hand über die Pläne zu informieren. Die stellte Dr. Michael Zingk von der GFR, der Gesellschaft für die Aufbereitung und Verwertung von Reststoffen, die den Steinbruch als Deponie nutzen möchte, vor.

Die Nabu-Vertreter wiesen im Gespräch auf ihre Idee für den Steinbruch Hamelspringe hin – und die sieht genau das Gegenteil einer Verfüllung vor. „Ein Extrembiotop“, erläutert Großmann. Der Steinbruch solle im Wesentlichen so belassen werden, wie er ist, denn die steilen, felsigen Wände hätten sich inzwischen zum Brutgebiet für den Uhu entwickelt. Bei einer Rekultivierung würde der Lebensraum seltener Tiere und Pflanzen verloren gehen.

Das Alternativ-Konzept schütteln die Nabu-Vertreter nicht erst als Reaktion auf die Deponie-Pläne aus dem Ärmel, bereits seit geraumer Zeit seien Vertreter im Gespräch mit Steinbruchbetreibern und Landkreisen im Weserbergland. Selbst über Fördermöglichkeiten spezieller Biotope werde derzeit beraten. Als deutlichstes Beispiel galt bislang der Kamm des Messingsberges im Landkreis Schaumburg. Der Steinbruch Hamelspringe könnte aber als Baustein einer Gesamtkonzeption gesehen werden, sagt Großmann. Die Förderung werde wahrscheinlich nicht die möglichen Einnahmen durch die Deponie-Betreiber erreichen, sei aber vielleicht dennoch für die Forstgenossen interessant. „Und wenn die Genehmigung für die Deponie nicht erteilt wird, ist das besser als nichts.“ Während der Nabu-Jahresversammlung am 20. März will der Landesvorsitzende Buschmann über das Vorhaben berichten.

Für Großmann ist auch wichtig, dass sich die GFR parallel zu ihren Bemühungen in Hamelspringe um weitere Standorte bemüht und sie ebenfalls prüfen lässt. „Sonst sind wir schnell in einer Situation wie in Gorleben“, so der Nabu-Chef. Zwar habe GFR-Vertreter Zingk die Unbedenklichkeit des einzulagernden Materials betont, dennoch erwarten die Nabu-Vertrer eine genaue Prüfung durch die zuständigen Stellen.

Gedanken gemacht hat sich Großmann selbst auch über alternative Standorte. So sei ihm noch nicht bekannt, warum Kohlenasche nicht beispielsweise im Abbaugebiet um Helmstedt eingelagert werden könne. „Da die Asche aus dem Bereich Hannover und Wolfsburg kommen soll, hätte das auch den Vorteil, dass keine langen Anfahrtswege abseits der Autobahn genutzt werden müssten“, erklärt er. Das Gespräch mit den Forstgenossen sei sehr sachlich verlaufen – auf dieser Ebene wolle man gerne die Gespräche fortsetzen.

Artikel vom 06.02.2012 - 00.01 Uhr
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