Emmerthal (cb). Bis das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) einen Antrag für den Transport von regulären Uran-Brennelementen genehmigt, vergehen in der Regel nur wenige Wochen. Für die umstrittenen 16 Mischoxid- (Mox-)Brennelemente aus der britischen Wiederaufbereitungsauflage Sellafield für das Atomkraftwerk Grohnde hingegen ist seit Antragstellung im vergangenen Juli über ein halbes Jahr verstrichen, ohne dass eine Genehmigung vorliegt.
Offiziell liegt e.on Kernkraft als Betreiber nach eigenen Angaben kein Grund für die Verzögerung vor. Sprecherin Dr. Petra Uhlmann hat nur eine Vermutung – „wir haben es mit einem anderen Pfad zu tun“. Bislang seien die inzwischen 51 Transporte mit Mox-Brennelementen innerhalb der letzten fünf Jahre aus Frankreich über den Landweg zu verschiedenen e.on-Kraftwerken gekommen, nun sollen sie erstmals mit dem Frachtschiff von England auf dem Seeweg nach Deutschland angeliefert werden. „Das bedeutet wohl einen anderen Prüfaufwand“, mutmaßt die Sprecherin auch unter Hinweis auf die besondere Situation mit den Häfen. Auf eine Genehmigung hatte e.on Kernkraft nicht weiter warten wollen. Wie gestern bereits berichtet, will der Betreiber bei der nächsten Revision im Atomkraftwerk Grohnde keine Mox-Brennelemente einsetzen.
Das überrascht hingegen das BfS als Genehmigungsbehörde. „Nur die Firma e.on weiß, warum sie den Transport abgesagt hat“, entgegnet Florian Emrich, Pressesprecher des Bundesamtes. „Da die Betreiberin aber laut Äußerungen in den Medien offensichtlich kein Interesse mehr an einem Transport hat, wird das BfS auch keine Genehmigung aussprechen.“ Dass e.on als Begründung für die Absage des Transports Vorlaufzeiten anführe, sei eine „interessante“ Darstellung. „Das muss der Betreiber allerdings mit sich selbst ausmachen“, so der Sprecher. Das BfS habe nach Recht und Gesetz Anträge zu prüfen. Der Antragsteller Nuclear Cargo + Service GmbH hätte mit e.on den Transport in der Vergangenheit bereits mehrfach abgesagt, so Emrich.
Nachdem die Kritiker der Mox-Brennelemente die Entscheidung von e.on Kernkraft zunächst begrüßt hatten, suchte das Anti-Atom-Plenum Weserbergland nun nach weiteren Gründen, die den Betreiber zu dem Verzicht auf den Transport veranlasst haben könnten. Sie glauben, dass der Betreiber Imageverluste befürchte, wie Britta Kellermann als Sprecherin der Initiative vermutet. Es werde mit allen Mitteln versucht, die „Proteste vom Ort der Entstehung des Strahlenmülls abzulenken“. Durch die von den Kritikern angekündigten Sitzblockaden gegen die Mox-Transporte würde das Atomkraftwerk ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Für Hameln-Pyrmonter Kommunen werde es dann immer schwieriger, die Vergabe der Netzkonzessionen an e.on-Unternehmen zu rechtfertigen. Kellermann: „Die Mox-Transporte könnten für e.on zu einem unkalkulierbaren politischen Fiasko geraten.“ Das hingegen weist e.on-Sprecherin Dr. Uhlmann als reine Spekulation zurück. „Die Transporte sind notwendig“, verweist sie auf vertragliche Verpflichtungen, die zu erfüllen seien. „Wir werden sie durchführen.“
Die Kritiker sehen sich auch künftig dafür gewappnet. Die Demonstration im Januar habe gezeigt, dass die Anti-Atomkraft-Bewegung endgültig hier angekommen sei, so Kellermann. Für Ostermontag, einen Tag vor dem 25. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl, plane das Anti-Atom-Plenum-Weserbergland zusammen mit Bündnispartnern die nächste Großdemonstration in Grohnde, kündigte Kellermann an.
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