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Die Frau, die einen Lichtschalter und auch Dimmer imitieren kannLässt sich das Ausprobieren nicht nehmen: Annamateur.
Hameln. In der Kleinkunst-Reihe „Verführerische Abende“ tritt am Mittwoch, 17. März, die Dresdnerin Anna Maria Scholz mit ihrer Band Außensaiter um 20 Uhr in der Sumpfblume auf. Julia Marre sprach vorab mit der Allround-Künstlerin namens Annamateur.
Über Ihr Programm habe ich gelesen, es habe therapeutische Dimensionen, Sie seien rücksichtslos und anzüglich. Muss ich vor Ihnen Angst haben?
Ja.
Und warum?
Weil wir wahrscheinlich alle Therapiefälle sind. Nicht nur auf der Bühne. Auch das Publikum wird sicher genug Potenzial mitbringen.
Ihr Programm heißt „Walgesänge“ und Sie können röcheln wie eine Kaffeemaschine. Welches Geräusch können Sie nicht gut imitieren?
Was ich gar nicht imitieren kann? Den Ruhrpott-Slang kann ich nicht nachmachen. Einen Lichtschalter vielleicht auch nicht. Ach doch. Oder einen Dimmer, der surrt, kann ich nicht. Oder doch, kann ich. Eine Klarinette kriege ich übrigens auch hin…
Sie sind studierte Jazzsängerin und am liebsten schubladenfrei. Dennoch werden Sie als Chansonsängerin bezeichnet. Welche Beschreibung, die Journalisten sich ausdenken, lesen Sie denn am liebsten über sich?
Ich habe sechs Jahre lang in einer Funkband gesungen. Komme also aus der Ecke Jazz, Soul, Funk, aber auch Chanson. Ich mag das leicht Schräge. Und ich singe gerne auch mal mit Schmalz.
Was lesen Sie ungern über sich?
Dass wir einen Strauß bunter Melodien präsentierten, ein Stelldichein gaben und dass wir stilübergreifend sind. Den Begriff „Comedian“ mag ich nicht in Bezug auf Annamateur. Ich würde mich nie auf die Bühne stellen und sagen: „Hallo, ich bin lustig.“ Das ist mir zu anstrengend. Ich mag die dadaistische Ecke, den schmalen Grat zwischen Sinn und Unsinn. Es ist möglich, für die Leute nicht nur sympathisch oder niedlich zu sein. Ich möchte Dinge in Bewegung bringen und damit spielen, ohne provokant sein zu müssen. Das Hin und Her der Interaktion interessiert mich. Was will man, wenn man sich auf die Bühne stellt? Gesund an die Sache rangehen.
Wie sind die Reaktionen im Publikum?
Manchmal bin ich albern. Dann sind die Leute dabei, sich kaputtzuquietschen. „Ach, die is‘ lustig – das ist Comedy“, heißt es oft. Aber das ist es ja eben nicht. Klar können wir in Comedy-Sendungen auftreten. Aber man muss aufpassen, wenn man in solche Shows geht, weil es so viele Klischees gibt. Unser Publikum soll einfach Spaß haben.
Wen spricht denn Annamateur an so einem Abend an?
Das ist unterschiedlich. In Dresden sind es viele junge Leute. Wenn wir durch ganz Deutschland, Österreich und die Schweiz touren, ist das Publikum auch schon mal älter. Dann gibt es die, die nur kommen, weil sie einen im Fernsehen gesehen haben. Oder die, die beeindruckt sind von Kleinkunstpreisen. Oder die, bei denen die Mund-zu-Mund-Propaganda noch erfolgreich funktioniert.
In Hameln sind es vermutlich nicht nur junge Leute…
Eher Alt 68er? Die sind jetzt ja alle alt und 68… Ach, da sind viele fitte dabei. Es gibt zig Anspielungen in unserem Programm. Die Leute fragen dann immer: Was ist denn authentisch? Was ist echt? Wichtig ist, dass man um sich selber nicht so einen Kult macht. Man sollte sich nicht ausziehen und leer von der Bühne gehen.
Sie haben eben gesagt, Sie möchten den Job noch lange machen…
Lange machen ist gar nicht der Punkt. Von mir weiß man, dass ich auch als Bäcker immer noch Musik machen würde. Ich möchte keinen Kummerkrebs haben. Dass ich irgendwann denke: Ich wollte doch mal… Was mache ich jetzt eigentlich hier? Dann endet man wie Amy Winehouse, zugestochen und verdrogt. Ich habe eine Verantwortung mir und den Leuten gegenüber. Was habe ich davon, wenn ich mich auf dem jetzigen Zustand ausruhe? Damit wird man nicht glücklich. Ich will mich nicht mit Preisen schmücken. Einen Kleinkunstpreis haben wir bekommen, weil wir angeblich so innovativ, authentisch sind und was Neues machen. Dabei ist die Frage doch, wie ich mit dem Beruf umgehe. Es ist spannend, immer wieder neue Ansätze zu finden. Ich bin selbstständige freischaffende Künstlerin geworden, damit ich Bühnenkonzepte entwickeln kann. Wir haben eine Bandaufstellung nach Hellinger gemacht und damit was Neues ausprobiert. Dieses Ausprobieren möchte ich mir nicht nehmen lassen – egal, ob die Leute das verstehen und aushalten.