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Ein Ort im Aufschwung

Große Vergangenheit, lebendige Gegenwart: Unsere Serie „Hier lebe ich“ führt heute nach Rohrsen

Rohrsen gehört zwar nicht zu den großen Hamelner Ortschaften wie Afferde und Klein Berkel, nimmt aber dennoch mit seiner altgewachsenen und modernen Struktur einen hohen Stellwert im Gefüge der Rattenfängerstadt ein.

„Welcher kleine Ort ähnlicher Größe besitzt wie wir Kindergarten, Altenheim, zweizügige Grundschule, Industrie- und lebenswerte Wohngebiete sowie einen eigenen Nahversorger“, hebt Jobst-Werner Brüggemann, seit über 20 Jahren CDU-Ortsvorsteher und letzter Vollerwerbs-Landwirt im Ort, die Vorzüge Rohrsens hervor. Bis auf das DRK ist der 59-Jährige Mitglied im Sportverein, bei den Kyffhäusern, der Feuerwehr und im Gesangverein. „Ich kenne den Ort wie meine Westentasche, bin ein Mann der Tat und helfe schnell“, so das Rohrser Urgestein. Der Ort, durchzogen von der B 217 und der Bahnstrecke Hannover-Paderborn, liegt am Fuße von Düth, Schweineberg und Morgenstern und erstreckt sich vom neuen Gewerbegebiet des Hottenbergsfeldes bis zur ehemaligen „Problemzone“ Kuckuck, geht damit nahtlos in die Kernstadt über. In Ermangelung eines eigenen Bahnhofes ist der Ort an das Netz der KVG angeschlossen. Im Halbstunden-Takt fahren Busse in acht Minuten bis ins Stadtzentrum Hamelns. Entdecken lässt sich in Rohrsen vieles. Beispielsweise direkt am Hamelufer die grasenden Trakehnerstuten und Fohlen von Züchter Jürgen Hanke. Oder der inzwischen zum Naturschutzgebiet erklärte Kalkofen (ehemaliger Kalk-Steinbruch) sowie die vielen Hamel-Brücken, darunter auch die „Privatquere“ des Ortsvorstehers, die sich nur über die „Brüggemann-Gasse“ erreichen lässt. Auch der Rasenplatz hinter der Grundschule, früher Heimstätte der MTV-Feldhandballer, war bis vor Kurzem Ausweichquartier der Remte-Fußballer aus Afferde. Dass die Kooperation mit Hilligsfeld klappt, zeigt der gemeinsame Friedhof zwischen beiden Ortschaften. Brüggemann: „Dass wir aber nicht aussterben, dafür sorgt schon das Neubaugebiet am Hottenbergsfeld, das sich nach Anlaufproblemen langsam zu füllen beginnt. Und auch das angrenzende Gewerbegebiet wird dafür sorgen, dass unser Ort nicht nur wirtschaftlich und geschäftlich ins Rampenlicht rückt, sondern zugleich auch neue Arbeitsplätze geschaffen werden“.

Rohrsens Zahlen, Daten und Fakten

Der im Nordosten an die Hamelner Kernstadt angrenzende Ortsteil wurde bereits in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts eingemeindet. Der ursprünglich dörflich strukturierte Ort hatte Anfang der 90er Jahre über 1600 Einwohner, schrumpfte dann bis zur Jahrtausendwende aber auf 1292. Derzeit leben am Fuße des Düths 1342 Einwohner – mit steigender Tendenz. Erstmals erwähnt wurde der Ort Rordessen im Jahre 1237 im Güterverzeichnis (codex Eberhardi) des Klosters Fulda. Der Name wandelte sich im Lauf der Jahrhunderte von Rohrssem (1399), Roerssen (1622) und Roersen (1764) bis zur heutigen Bezeichnung Rohrsen. 1353 gab Probst Otto von Everstein die Zustimmung zur Gründung eines Altars in der Kapelle zu Rordessen. Doch dieser wurde 1484 durch Beschluss des Rates in die Hamelner Münsterkirche verlegt, das Ende der Kapelle damit besiegelt. Sie verfiel danach zu einer Ruine. Der danach erfolgte Neubau fiel dem Siebenjährigen Krieg zum Opfer, doch steht die schmucke Nachfolgekapelle noch heute. Von den Spuren des 30-Jährigen Krieges, als Truppen Tillys durch das Land zogen und den Ort durch heftigen Artilleriebeschuss vom Düth größtenteils in Schutt und Asche legten, ist kaum mehr etwas zu sehen. Denn viele Neubauten, aber auch liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser, verdecken alle Wunden der Vergangenheit. Die einzigen Böllerschüsse, die heute noch in Rohrsen zu hören sind, fallen alle vier Jahre bei der Grenzbeziehung. Denn hier fahren die Rohrser schweres Geschütz auf, um den Durchmarsch der Hamelner „Grenzinspektoren“ mit schwerem Geschütz an der Hamelbrücke zu stoppen. Ergeben wird sich übrigens nur, wenn die Hamelner friedliche Absichten bekunden und dabei ausreichend „Flüssiges“ spendieren.

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