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Risikogebiet Bulgarien

Maximilian Levy als Einzelkämpfer zur Bahnrad-EM

Der viermalige Weltmeister Maximilian Levy ist bei der Bahnrad-EM in Bulgarien einziger deutscher Starter. Der Cottbuser schätzt die Gefahren der Coronavirus-Pandemie anders ein als der Verband. Wirtschaftliche Gründe spielten bei seiner Entscheidung keine Rolle.

veröffentlicht am 10.11.2020 um 11:22 Uhr
aktualisiert am 10.11.2020 um 13:13 Uhr

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Nicht einmal das mickrige Preisgeld von 670 Euro konnte Maximilian Levy von einer Reise zur Bahnrad-EM ins Risikogebiet Bulgarien abschrecken.

«Ich habe keine Angst, aber Respekt vor dem Virus. Und ich möchte unbedingt bei dieser EM starten», sagte der viermalige Weltmeister, der als deutscher Einzelkämpfer bei den am 11. November beginnenden Titelkämpfen in Plowdiw (11. bis 15. November) teilnimmt. Dem Bund Deutscher Radfahrer war die Teilnahme angesichts stark steigender Corona-Infektionszahlen zu heikel.

Bei Levy war die Sehnsucht, im Oval wieder um Siege zu sprinten, aber größer. «Ich möchte endlich wieder meiner Passion nachgehen und in den sportlichen Wettstreit treten», betonte der Cottbuser. Schließlich ist der Bahnradsport seit dem Ende der Heim-WM Ende Februar nahezu vollends zum Erliegen gekommen.

Bevor Levy mit seinen beiden Begleitern in den Flieger nach Sofia steigen konnte, lag nach Wochen intensiven Trainings aber auch viel logistische Arbeit hinter dem 33-Jährigen. «Wir mussten uns vor allem das nötige Wissen rund um die Corona-Regeln verschaffen. Das war sehr zeitaufwendig, aber das Gesundheitsamt hat mir sehr akkurat geholfen», erklärte Levy, der am 6. November in Frankfurt (Oder) negativ getestet wurde. Vor Ort im Kolodrum-Velodrom sei ein weiterer Test geplant, mit dem Levy im besten Fall am 15. des Monats wieder nach Deutschland ohne Quarantäne einreisen kann. Nach der Einstufung Bulgariens als Risikogebiet musste Levy erst Überzeugungsarbeit beim BDR leisten, um als Einzelstarter für Deutschland dabei zu sein. «Ich bin immer gut damit gefahren, nicht gleich das erste Nein zu akzeptieren», sagte Levy.

Der BDR bewertete die Situation anders. «Wir sehen bei einer Indoor-Veranstaltung ein zu großes Risiko, auch im Hinblick auf eine mögliche weitere Verbreitung des Virus nach Rückkehr unserer großen Delegation», erklärte BDR-Generalsekretär Martin Wolf. Um einer möglichen rechtlichen Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen, stimmte der Verband letztlich einem Einzelstart zu. Bei Levys Start stünden ausschließlich sportliche Gründe im Vordergrund - was die Preisgelder der UEC belegen. «Meine Motivation ist nicht das Geld. Ich habe soviel auf mich genommen, um im nächsten Jahr zum vierten Mal bei den Olympischen Spielen dabei zu sein. Es geht mir um den Wettkampf», sagte Levy. Trotzdem macht der dreifache Olympia-Medaillengewinner auch auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise aufmerksam.

Die Sechstage-Saison ist komplett abgesagt, PR-Termine sind deutlich weniger als vor Corona geworden. Auf bis zu 40.000 Euro schätzt Levy die Einnahmeverluste für 2020 und 2021. «Solange es nicht wirklich an die Existenz geht, muss ich damit leben», sagte der dreifache Familienvater. Immerhin habe die Deutsche Sporthilfe die Elite-Plus-Förderung für ihn für 2021 unkompliziert verlängert. Und auch das Chemnitzer Profi-Team Theed Projekt Cycling, für das Levy seit 2012 fährt, sei seinen Verpflichtungen nachgekommen.

Sportlich geht Levy in Plowdiw im Sprint und im Keirin an den Start. Bei internen Rennen konnte er zuletzt mehrfach mit starken Zeiten überzeugen. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Keirin. 2013 in Apeldoorn und bei der Heim-EM 2017 in Berlin holte er sich in seiner Spezialdisziplin den Titel. «Bei mir lief es zuletzt rund, was meine Verfassung angeht», sagte Levy. Dass auch andere Nationen auf eine EM-Teilnahme verzichtet haben, spielt für den Routinier keine Rolle. «Es gibt dort trotzdem nichts geschenkt. Ich hoffe, dass Plowdiw irgendwie funktioniert, um einen Abschluss unter dieses verkorkste Jahr zu finden.»



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