weather-image
10°

Jazz-Musiker Toots Thielemans gestorben

Brüssel (dpa) - Eine sehr dicke Hornbrille und ein Schnauzer, die Hände fest geschlossen um die Mundharmonika, eine wehmütige Melodie zu leiser Bluesbegleitung - so machte der Belgier Toots Thielemans fast 70 Jahre in der Welt des Jazz Furore.

veröffentlicht am 22.08.2016 um 17:49 Uhr

Pipeline11898303.jpg

Mit der Legende Benny Goodman startete er seine Karriere, mit Größen wie Charlie Parker, Dizzy Gillespie, Ella Fitzgerald und Pat Metheny stand er auf der Bühne. Nun ist Thielemans im Alter von 94 Jahren gestorben.

Belgien verliert damit einen seiner größten und bekanntesten Musiker. Einer der ersten, die ihn am Montag würdigten, war Regierungschef Charles Michel, der um den großen und warmherzigen Musiker trauerte. Und das belgische Königshaus twitterte: «Sehr bewegt vom Tod von Toots Thielemans, einer der größten Jazzer.»

Den Grundstein zu seiner einzigartigen Karriere legte Thielemans wohl schon mit drei Jahren, als er begann, Akkordeon zu lernen. Später spielte er auch Gitarre und wurde bekannt für sein konzertantes Pfeifen. Sein Markenzeichen aber fand der Belgier in dem Instrument, das im Jazz bis dahin fast keine Rolle spielte und das auch er erstmal nur als Hobby zur Hand nahm: eben jene säuselnde, leicht zittrige Mundharmonika, die er in den großen Jazz-Combos der Welt hoffähig machte. «Die Mundharmonika hat mich ausgesucht und nicht umgekehrt», sagte der Belgier einmal.

Geboren wurde er seiner offiziellen Biografie zufolge am 29. April 1922 in Brüssel als Jean-Baptiste Thielemans. Während der deutschen Besatzung des Landes im Zweiten Weltkrieg infizierte er sich mit dem Jazz-Virus, wie er später einmal sagte. Seine Idole waren Django Reinhardt und Charlie Parker, seine erste Chance auf das Rampenlicht gab ihm Benny Goodman bei seiner Europatour 1950. Seinen Spitznamen entlehnte Thielemans von seinen Vorbildern Toots Mondello und Toots Camerata.

1952 siedelte er in die USA über und spielte mit den Charlie Parker All Stars und dem George Shearing Quintett. 1962 gelang ihm die Komposition «Bluesette», die zum Klassiker avancierte. Aber auch die Soundtracks zu Filmen wie «Midnight Cowboy» oder «The Getaway» machten ihn berühmt, ebenso wie sein Solo im Abspann der amerikanischen Serie «Sesame Street». Er wurde mit Ehrungen überhäuft und 2001 vom damaligen König Albert II. zum Baron ernannt.

2014 verabschiedete sich der damals 91-Jährige mit Hinweis auf seine schwächelnde Gesundheit von der Bühne, auch wenn das nach ihm benannte «Toots Festival» ihn weiter in Erinnerung hielt. Nach einem Sturz war er nach Angaben seiner Managerin Veerle Van de Poel seit einem Monat im Krankenhaus. «Es gab keine Komplikationen», sagte sie der Nachrichtenagentur Belga. «Er ist an Altersschwäche gestorben, sein Körper war einfach erschöpft.»



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt