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Medium mit Kassettenrekorder

Heinz Rudolf Kunze wird 60

Hannover. Er ist Sänger, Songschreiber, Dichter und Übersetzer: Heinz Rudolf Kunze beeindruckt seit Jahrzehnten mit seiner Produktivität. Sein größter Wunsch zum Geburtstag? Noch mit 80 auf der Bühne zu stehen.

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Sein Idol ist Folk-Legende Bob Dylan, doch Berührungsängste kennt er auch bei Roy Black nicht. Seit mehr als 35 Jahren macht Heinz Rudolf Kunze, der am heutigen Mittwoch seinen 60. Geburtstag feiert, sein eigenes Ding im Musikgeschäft. Auf seinem neuen Album „Meisterwerke: Verbeugungen“ interpretiert der Rockmusiker aus der Nähe von Hannover Roy Blacks Schnulze „Ganz in Weiß“ aus dem Jahr 1966. „Ich wollte diese Nummer einfach besiegen“, sagt er. Die Spannweite seines 36. Albums reicht von Freddy Quinn über Udo Jürgens bis zu den Einstürzenden Neubauten.

Seine oft verrätselten Texte haben dem Sänger und Schriftsteller den Ruf des Pop-Intellektuellen eingebracht. Auch die markante Brille mag dieses Image gefördert haben. Dabei war er immer mehr Romantiker als Oberlehrer. Mit „Dein ist mein ganzes Herz“ landete er 1985 seinen größten Hit, die Nummer darf auch heute bei keinem Konzert fehlen.

Zwei neue Platten und zwei Bücher hat HRK, wie ihn seine Fans nennen, allein in diesem Jahr herausgebracht. Das Album „Deutschland“ ist politische Analyse in Zeiten von Terrorismus und zugleich persönliche Rückschau auf die Jugend als Flüchtlingskind an der niederländischen Grenze und in Osnabrück. Das Buch „Schwebebalken“ enthält Tagebuchnotizen. Kunze schreibt ständig, selbst im Auto, wenn er auf Tour oder Lesereise ist. „Das ist kein bewusstes Arbeiten“, sagt der Rockpoet. Er sehe sich eher als Empfänger von Ideen, als Medium.

Ich hänge an dem Rekorder wie Inspektor Columbo an seinem alten Auto.

Heinz Rudolf Kunze

Inspiration findet er in der beeindruckenden Bibliothek und Plattensammlung seines Hauses bei Hannover, wo er mit seiner zweiten Frau Gabriele lebt. Hier komponiert der Musiker mit Hilfe eines altmodischen Kassettenrekorders. „Ich hänge an dem Rekorder wie Inspektor Columbo an seinem alten Auto“, erklärt der studierte Deutsch- und Philosophielehrer.

Kunze misstraut neuen Technologien und surft nicht im Internet. Das habe er immer schon als Fluch gesehen. „Die Rolle der sozialen Medien beim Aufstieg von Populisten wie Donald Trump bestätigen mich in dieser Auffassung.“

Der Musiker und Autor ist ein politischer Mensch. Seine Eltern waren aus dem Osten geflohen. Er kam in einem Flüchtlinglager in Espelkamp bei Minden zur Welt. Seine Verwandten im Osten hätten kein gutes Haar an der DDR und ihrer Führung gelassen, sagt Kunze im vor kurzem erschienenen Buch „Ich will hier nicht das letzte Wort“, einem Gespräch mit Ex-DDR-Staatschef Egon Krenz. Die Wiedervereinigung bezeichnet der Liedermacher als „das größte historische Wunder“.

Seinen Geburtstag will Kunze im kleinen Kreis verbringen. Sein größter Wunsch? „Ich wünsche mir, dass ich das, was ich jetzt mache, noch länger machen darf als Leonard Cohen, der gerade mit 82 Jahren gestorben ist.“

Aktuell sieht Kunze, der während der Flüchtlingskrise Instrumente für Asylsuchende sammelte, den erstarkten Rechtspopulismus mit Sorge. Auch Schlagerstars wie Helene Fischer sollten verstärkt Stellung gegen Rechts beziehen, meint der Sänger. Künstler sollten aber nicht immer große Transparente herumschwenken. „Sie sollten vielmehr möglichst viel von den Problemen der Menschen in ihre Lieder, ihre Arbeit hineinnehmen. Und das wird keine Wirkung haben, wenn sie belehren, sondern wenn es die Menschen ergreift und mitnimmt.“

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