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Der achten Episode fehlt der Schwung

„Star Wars – Die letzten Jedi“: Die Macht im Ungleichgewicht

Luke Skywalker ist endlich zurück. Der Held der frühen Star-Wars-Filme begeistert als kauziger Jedi-Meister, der mit der Macht erst mal nichts zu tun haben will. Doch der achten Episode der Weltraumsaga fehlt der Schwung.

veröffentlicht am 13.12.2017 um 12:47 Uhr
aktualisiert am 13.12.2017 um 14:20 Uhr

Rey (Daisy Ridley) und Luke Skywalker (Mark Hamill) in Teil acht der Weltraumsaga. Foto: Jonathan Olley/Lucasfilm/Disney/dpa

Autor:

Philip Dethlefs


Die Evakuierung der Rebellenbasis ist in vollem Gange, als plötzlich mehrere Sternenzerstörer am Himmel auftauchen. Unter dem Kommando des finsteren Generals Hux sollen die gigantischen Raumschiffe der „Ersten Ordnung“ endlich die letzten Anhänger des Widerstands vernichten. Doch es kommt natürlich anders. Mit einer bombastischen Schlacht im All beginnt „Star Wars: Die letzten Jedi“, die achte Episode der erfolgreichen Weltraumsaga, spektakulär.

Zwei Jahre nach „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ setzt Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson („Looper“) die Geschichte um die Rebellen Rey (Daisy Ridley), Finn (John Boyega) und Poe Dameron (Oscar Isaac) fort, die unter dem Kommando von Generalin Leia (die am 27. Dezember 2016 gestorbene Carrie Fisher in ihrer letzten Rolle) gegen die dunkle „Erste Ordnung“ und den Schurken Kylo Ren (Adam Driver) kämpfen. Der Sohn von Leia schockierte „Star Wars“-Fans im vorigen Film, als er seinen Vater Han Solo (Harrison Ford) tötete.

Im Mittelpunkt der neuen Episode steht diesmal jedoch Luke Skywalker (Mark Hamill). Der Held der klassischen „Star Wars“-Filme (Episoden 4 bis 6) ist inzwischen ein Jedi-Meister im Exil. Nachdem Rey den letzten Film damit verbracht hat, den Verschollenen zu suchen, erhofft sie sich jetzt, von ihm ausgebildet zu werden. Doch Skywalker will nach der missglückten Ausbildung seines Neffen Kylo Ren alias Ben Solo erst mal nichts mehr von der Macht und der Jedi-Religion wissen. Zu tief sitzt die Enttäuschung bei ihm.

Nach der explosiven Auftaktszene dauert es lange, bis „Star Wars: Die letzten Jedi“ in Schwung kommt. Rian Johnson, der für Disney zu einem noch unbekannten Zeitpunkt eine weitere „Star Wars“-Trilogie kreieren soll, sagte vor Kurzem im Interview der US-Entertainment-Website „Collider“, die erste Version von Episode 8 habe eine Länge von drei Stunden gehabt. Doch selbst mit 152 Minuten ist seine finale Kinofassung immer noch mindestens eine halbe Stunde zu lang und wirkt mitunter zäh.

Das liegt vor allem daran, dass das bisher längste „Star Wars“-Abenteuer weniger herausragende Momente hat als die früheren Filme, darunter selbst die bei den Fans umstrittene Prequel-Trilogie (Episode 1 bis 3). Zu den Lichtblicken des Films zählen die Szenen auf dem bunten Casino-Planeten und ein Laserschwert-Duell auf dem Schiff von Snoke (Andy Serkis), dem Anführer der „Ersten Ordnung“.

Rey und Luke philosophieren über die Balance im Universum, Johnsons Film fehlt das Gleichgewicht. Sein Vorgänger J. J. Abrams, der hier als ausführender Produzent wirkte, belebte die Reihe als Regisseur des spritzigen „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ vor zwei Jahren neu, indem er eine temporeiche Mischung aus nostalgischen Momenten und neuen Ideen fand und das Flair der Originalfilme zurückbrachte. Dass die Handlung fast einem Remake gleichkam, störte deshalb kaum.

Johnson gelingt das nicht. Die Zahl der Todesopfer im Film ist hoch. Doch viele dramatische Szenen verfehlen ihre Wirkung. Und der weitgehend alberne Humor kommt häufig an unpassenden Stellen. So wird der in Episode 7 wunderbar sinistre Bösewicht Hux (Domnhall Gleason) schon in den ersten Minuten des neuen Films von Pilot Poe zur Witzfigur degradiert und ist danach kaum noch ernst zu nehmen. Auch Reys erste Lektion bei Luke Skywalker gerät zur Lachnummer. Den trockenen Humor eines Han Solo vermisst man schmerzlich.

Außerdem verliert sich der Regisseur, Autor und bekennende „Star Wars“-Fan in langatmigen Dialogen und einer Vielzahl neuer Charaktere, darunter die kindliche Rebellin Rose Tico (Kelly Marie Tran), die mysteriöse – oder merkwürdige – Admiralin Amilyn Holdo (Laura Dern) und der Söldner DJ (super: Benicio Del Toro). Die weitaus spannendere Geschichte um Rey, Luke und Kylo kommt dabei leider etwas zu kurz und wird zu oberflächlich erzählt. Hamill ist als gealterter, grantelnder Skywalker allerdings grandios. Und ein paar Antworten, einige gelungene Überraschungen und einen schönen Nostalgie-Moment mit einem alten Bekannten gibt es auch, sodass „Star Wars“-Fans immerhin für ihre Geduld belohnt werden.

Genau wie damals „Star Wars: Das Imperium schlägt zurück“ (1980) ist „Star Wars: Die letzten Jedi“ ein Übergangsfilm, das Bindeglied der Trilogie. Doch gegen Irvin Kershners kurzweiligen und spektakulären Science-Fiction-Kracher, der die wohl wichtigste Szene der gesamten Reihe enthält („Ich bin dein Vater!“) und für viele Fans als bester „Star Wars“-Teil gilt, wirkt Rian Johnsons Film beinahe belanglos. Jedi-Meister Obi Wan fühlte einst eine große „Erschütterung der Macht“. Bei Episode 8 ist sie kaum zu spüren.


„Star Wars: Die letzten Jedi“ läuft im Hamelner Maxx-Kino in 3-D täglich um 14, 16.50, 19.30 und 20.15 Uhr. Außerdem Samstag und Sonntag um 11.15 Uhr sowie Freitag und Samstag 22.20 Uhr.



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