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Überdreht und langwierig

„Mädelstrip“ – Mutter, Tochter und kaum Gags

Sie sind blond, sie sind witzig und in einem neuen Film sind sie Mutter und Tochter: Amy Schumer und Goldie Hawn stehen für zwei Generationen begnadeter Komikerinnen. Und doch hat ihre Actionkomödie „Mädelstrip“ gehörige Probleme.

veröffentlicht am 14.06.2017 um 13:56 Uhr
aktualisiert am 14.06.2017 um 15:40 Uhr

Amy Schumer als Emily (v. li.), Goldie Hawn als Linda und Christopher Meloni als Roger im Urwald. Foto: 20. Century Fox/dpa

Autor:

Christian Fahrenbach

Das müsste doch gut gehen: Gleich zwei wegweisende Komikerinnen aus unterschiedlichen Generationen, exotische Drehorte und ein uriger Actionkomödien-Plot. Aber es lohnt nicht, lange drum herum zu schreiben: Leider ist „Mädelstrip“ eine gleichzeitig plump überdrehte und langwierige Aneinanderreihung von Sketchideen, die von den Talenten Amy Schumers und Goldie Hawns kaum Gebrauch macht. Aber der Reihe nach.

Schumer spielt in „Mädelstrip“ nach dem weitgehend gelungenen „Dating Queen“ wieder ihre Standardrolle der etwas zu lauten weißen US-Amerikanerin um die 30: zu verwöhnt, um ihr privilegiertes Leben zu schätzen; zu gerne neurotisch, um etwas an ihren Problemchen zu ändern. Emily Middleton heißt sie hier, eine Klamottenverkäuferin, die in den ersten Minuten des Films sowohl den Job als auch den Freund verliert.

Der ist nämlich Musiker und gibt offen zu, dass er auf seiner ersten Tour lieber mit vielen Frauen schlafen will, statt der einen Freundin daheim treu zu bleiben. Er spricht das laut aus – und auch später werden die Figuren nicht subtiler.

Durch die Trennung hat Emily ein weiteres Problem, denn sie findet niemanden, der als Ersatz für den Freund mit ihr einen bereits bezahlten Cluburlaub in Ecuador antritt. Schließlich fragt sie ihre Mutter Linda, gespielt von Goldie Hawn. Die war früher mal eine leicht wilde 68erin, lebt aber inzwischen ängstlich mit ihren Katzen und Emilys jüngerem Bruder daheim. Linda und Emily fliegen also gemeinsam und es kommt, wie es in Hollywood immer kommen muss, denn natürlich werden die beiden bei einem Trip ins Landesinnere von schmierig porträtierten Kolumbianern entführt.

Das Ärgerliche an „Mädelstrip“ sind genau diese plumpen Drehbuchschlampereien. Egal ob Ecuador oder Kolumbien, Südamerikaner in der Region sind Gangster, ein Urlaub mit Eltern ist für eine erwachsene Frau grundsätzlich ultrapeinlich, ein Mitarbeiter des US-Außenministeriums hat zunächst nur knackige Sprüche parat, statt wirklich zu helfen. Weder Schumers Wandel zu einer reiferen Version ihrer selbst noch Hawns entspannterer Umgang mit dem Leben wird im Lauf des Films überzeugend hergeleitet – es gibt nicht einmal glaubwürdige Konflikte zwischen den beiden, die beiseitegeräumt werden müssen. Stattdessen bietet der Film lieber Furz- und Busen-Gags im Dutzend.

Einzig die stimmige Chemie des Frauenpaares im Zentrum der Komödie liegt über dem Durchschnitt, es ist auffällig, mit welchem Timing die beiden ihre Szenen dominieren. Vielleicht ist das kein Wunder, denn die 71-jährige Hawn war für Hollywood einmal das, was Amy Schumer heute ist: eine attraktive, charmante und meinungsstarke Blondine, die mit ihrer Arbeit endlich ein wenig Schwung in verkrustete Männerstrukturen der Branche bringt.


„Mädelstrip“ läuft im Hamelner Maxx-Kino täglich um 16.15, 18.15 und 20.20 Uhr, außerdem Freitag und Samstag um 22.50 Uhr.

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