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Film erinnert an Evakuierung von 330 000 Soldaten aus Dünkirchen

„Dunkirk“: Kampf um Leben und Tod

Unter dem ohrenbetäubenden Lärm der Gewehrsalven flüchtet der junge britische Soldat Tommy durch die Straßen von Dünkirchen an den Strand. Dort erwartet ihn ein düsteres Szenario: Hunderttausende von Kameraden hoffen, praktisch ungeschützt vor Luftangriffen der deutschen Wehrmacht, im Sand auf ihre Rettung. Es dauert nur wenige Minuten und die Zuschauer sind mittendrin im Kriegsdrama „Dunkirk“, für das Starregisseur Christopher Nolan („The Dark Knight“, „Interstellar“) neben Kenneth Branagh, Tom Hardy, Cillian Murphy und Oscar-Gewinner Mark Rylance zahlreiche Jungdarsteller und Debütanten vor die Kamera geholt hat.

veröffentlicht am 26.07.2017 um 14:03 Uhr
aktualisiert am 26.07.2017 um 18:25 Uhr

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Autor:

Philip Dethlefs

Die Schlacht von Dünkirchen, die zwischen dem 26. Mai und 5. Juni 1940 stattfand, hat einen besonderen Platz in der britischen Geschichte. Sie gilt gleichermaßen als Katastrophe und als Wunder: 330 000 von 370 000 Soldaten konnten dank tatkräftiger Hilfe von britischen Zivilisten gerettet werden. Mit kleinen Fischerbooten, Jachten und Ausflugsdampfern nahmen sie bei schlechten Wetterbedingungen die Reise über den Ärmelkanal nach Dünkirchen auf sich, um die Soldaten nach Hause zu holen, bevor Hitlers Wehrmacht vorrückte.

„Dunkirk“ zeigt die Ereignisse dieser entscheidenden Tage aus drei Perspektiven. Tommy (Fionn Whitehead) wartet auf dem Land mit den anderen Soldaten auf seine Evakuierung. Die RAF-Piloten Farrier (Tom Hardy) und Collins wehren in ihren Spitfire-Kampfjets die gegnerischen Luftangriffe ab. Und Mr. Dawson (Mark Rylance) versucht mit seinem Sohn Peter und dem jungen George auf dem Wasser so viele Leben wie möglich zu retten.

Regisseur Nolan verzichtet dabei auf optische Schockeffekte wie Blut oder herumfliegende Körperteile. Außerdem zeigt er das Geschehen, ohne zu kommentieren oder zu politisieren. So sind deutsche Soldaten in den Straßen oder Flugzeugen weder zu erkennen, noch werden sie überhaupt als Deutsche bezeichnet. „Der Feind“ heißt es lediglich am Anfang des Films. Genauso wenig sind Politiker zu sehen – der Film spielt sich ausschließlich im Mikrokosmos Dünkirchen ab, im Radius und aus Sicht der Betroffenen.

Das sei kein Kriegsfilm, sondern ein Spannungs-Thriller, betont Nolan immer wieder. Tatsächlich ist „Dunkirk“ in erster Linie ein Film über einen Überlebenskampf, der seine Zuschauer die Strapazen und den Albtraum der Protagonisten aus nächster Nähe erleben lässt. Er gönnt seinem Publikum kaum eine ruhige Minute oder Momente der Entspannung.

Hinzu kommt, dass „Dunkirk“ im IMAX-Format und auf 70-Millimeter-Film gefilmt wurde. Das hochwertige Bild ist extrem scharf und die Leinwand so groß, dass die Zuschauer in ihren Sitzen das Gefühl haben, selbst mittendrin zu sein. Das sorgt für noch mehr Nähe und verzückt nicht nur Cineasten. Außerdem verzichtete Nolan – so weit es ging – auf Computeranimationen. Stattdessen ließ er echte Kampfflugzeuge über die Köpfe seiner Darsteller fliegen.

Neben den etablierten Stars überzeugen dabei die Nachwuchs-Schauspieler, insbesondere Fionn Whitehard als wortkarger Tommy und Barry Keoghan, der sich in der Rolle des gutherzigen George mit Mr. Dawson auf die gefährliche Rettungsmission begibt. In einer Nebenrolle ist „One Direction“-Star Harry Styles zu sehen. Sänger Styles weiß bei seinem Filmdebüt tatsächlich zu überzeugen, auch wenn ihm schauspielerisch nicht allzu viel abverlangt wird.

Ein Star des Films ist auch Filmkomponist Hans Zimmer, dessen großartiger Soundtrack bisweilen an den legendären Bernard Herrmann und dessen Musik für Alfred Hitchcocks „Psycho“ erinnert. Von einer musikalischen Untermalung zu sprechen, wäre eine Ungerechtigkeit. Zimmers Score ist mitunter vielmehr wie eine musikalische Adaption des Krieges und der Gefühlslage seiner Protagonisten. Sein Soundtrack klingt nach tickender Uhr, nach feindlicher Fliegerstaffel und nach Bombenregen. Er hat maßgeblichen Anteil an der bedrohlichen Atmosphäre des Films.


„Dunkirk“ läuft in der ersten Woche im Hamelner Maxx-Kino täglich um 14,18.15 und 20.30 Uhr, außerdem Freitag und Samstag um 22.45 Uhr.

Im Kino-Center Rinteln wird der Film täglich 18.10 und 20.15 Uhr aufgeführt, Freitag und Samstag zusätzlich um 22.50 Uhr und samstags auch 14.20 Uhr.

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