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Filmporträt über Sinti-Jazz-Legende im Maxx-Kino / Hamelner „Weiß-Trio“ spielt bei Premiere vorab live

„Django“ kommt nach Hameln

HAMELN. Was viele nicht wissen: Der berühmte Sinti-Jazz-Gitarrist Django Reinhardt ist eigentlich ein „Weiß“. So erzählt man es sich nicht zuletzt unter den Mitgliedern der Hamelner Sinti-Familie Weiß. Denn ausschlaggebend für die Abstammung ist bei den Sinti der Vater, und der von Django hieß: Jean-Eugène Weiss, wie Autor Michael Dregni schreibt.

veröffentlicht am 29.11.2017 um 17:42 Uhr
aktualisiert am 01.12.2017 um 11:40 Uhr

Was viele nicht wissen: Django Reinhardt (Reda Kateb) ist eigentlich ein „Weiß“, wie Autor Michael Dregni schreibt. Foto: dpa
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite

Was viele nicht wissen: Der berühmte Sinti-Jazz-Gitarrist Django Reinhardt ist eigentlich ein „Weiß“. So erzählt man es sich nicht zuletzt unter den Mitgliedern der Hamelner Sinti-Familie Weiß. Denn ausschlaggebend für die Abstammung ist bei den Sinti der Vater, und der von Django Reinhardt hieß demnach: Jean-Eugène Weiss, wie Autor Michael Dregni schreibt. Den Nachnamen „Reinhardt“ hatte der Musiker von seiner Mutter, Negros Reinhardt. Aber das nur am Rande. Vor dem Hintergrund der Dewezet-Serie „Familie Weiß – Sinti in Hameln“ kommt mit „Django – Ein Leben für die Musik“ die Filmbiografie der Gypsy-Swing-Legende jetzt auch ins Hamelner Maxx-Kino.

Django Reinhardt kommt 1910 zur Welt. Er ist ein Manouche, wie die französischsprachigen Sinti heißen. Als der Gitarrist etwa 18 Jahre alt ist, wird seine linke Hand im Zuge eines Brandunfalls verkrüppelt. Doch anstatt das Gitarrespielen aufzugeben, entwickelt er eine Technik, die ihm das Spielen auch mit nur drei Fingern ermöglicht. Mit der Vermischung von französischem Walzer, Sinti-Musik und Jazz erfindet er zudem einen eigenen Stil: Sinti-Jazz oder auch Gypsy-Swing.

Die Filmbiografie von Regisseur Étienne Comar beginnt im Jahr 1943, mitten im Zweiten Weltkrieg, in Frankreich. Jazz-Gitarrist Django Reinhardt (Reda Kateb) befindet sich auf dem Gipfel seines Erfolges und spielt unentwegt in ausverkauften Sälen. Er begeistert das Publikum mit seiner Musik, dem Gypsy-Swing. Während andere Sinti in ganz Europa von den Nationalsozialisten verfolgt werden, kann sich Reinhardt, bekannt wie er ist, zunächst in Sicherheit wiegen. Denn sogar die deutschen Besatzer können sich dem Zauber, der von seiner Musik ausgeht, nicht entziehen. Die Nazis wollen ihn sogar auf Tournee nach Deutschland schicken. Vor die Frage gestellt, ob er seine Kunst politisch missbrauchen lässt, muss er eine existenzielle Entscheidung treffen. Djangio weigert sich, für die Nazis zu spielen. Mithilfe seiner Geliebten Louise (Cécile De France) gelingt es ihm, mit seiner schwangeren Frau Naguine (Bea Palya) und seiner Mutter Negros (Bimbam Mer-stein) an der Schweizer Grenze unterzutauchen. Dort trifft er auf Angehörige seiner weitverzweigten Familie, die wie er auf der Flucht sind. Über den Genfer See will er nun in die Schweiz gelangen. Doch die Nazis sind ihm dicht auf den Fersen …

Seit seinem Tod 1953 pflegen zahllose Musiker Djangos Erbe. Drei von ihnen sind die Hamelner Sascha Weiß (Lead-Gitarre), Albany Weiß (Rhythmusgitarre) und Angelo Weiß (Bass). Als Weiß-Trio interpretieren sie überwiegend Stücke von Meister Django. Erst vor Kurzem begleiteten Sascha und Albany Weiß den bekannten Sinti-Jazz-Musiker Kussi Weiss aus Hildesheim in der Sumpfblume (wir berichteten). Am Dienstag spielte das Weiß-Trio zur Eröffnung der Fotoausstellung „Montags ab sechs …“ im Kreishaus.

Zur Premiere von „Django – Ein Leben für die Musik“ am Freitag, 8. Dezember, um 20 Uhr wird das Weiß-Trio zur Einstimmung des Publikums ein paar Stücke ihres großen Vorbilds live zum Besten geben. Weitere Filmvorstellungen sind laut Maxx-Kino-Theaterleiter Niels-Christian Pagels für den späteren Freitagabend sowie für Dienstag, 12. Dezember, geplant.



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