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Neu im Kino: „Jurassic World: Das gefallene Königreich“

Die Rückkehr des T-Rex

25 Jahre nach „Jurassic Park“ findet das Dinosaurier-Abenteuer seine nächste Fortsetzung. Der Film des spanischen Regisseurs J. A. Bayona wirkt wie ein Vorgeschmack auf den nächsten Teil der Reihe, ist dabei aber unterhaltsam und in seinen besten Szenen absolut spektakulär.

veröffentlicht am 06.06.2018 um 15:39 Uhr
aktualisiert am 06.06.2018 um 18:21 Uhr

Tyrannosaurus Rex. Foto: pixabay

Autor:

Philip Dethlefs

Der Vulkan grollt bedrohlich, als er Lava und glühende Felsbrocken speit. Dann bricht das Chaos los. Hunderte von Dinosauriern fliehen panisch vor Rauch und Feuer. Mittendrin läuft Dino-Trainer Owen Grady (Chris Pratt) um sein Leben. Es ist die wohl spektakulärste Szene in dem US-Abenteuerthriller „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ – vielleicht sogar der gesamten Filmreihe, die Steven Spielberg vor 25 Jahren mit „Jurassic Park“ begann. Der fünfte Teil des Dino-Spektakels geht aber einen anderen Weg als seine Vorgänger.

Der Spanier J. A. Bayona („Das Waisenhaus“), bisher eher bekannt für kunstvoll-dramatisches Kino als für Hollywood-Blockbuster, übernahm dieses Mal die Regie. Das kreative letzte Wort hat nach wie vor Spielberg. Colin Trevorrow, Regisseur des Vorgängers „Jurassic World“ (2015), hatte als Drehbuch-Autor und ausführender Produzent aber ebenfalls maßgeblichen Einfluss auf die Richtung des Films, der aus zwei dramaturgisch ganz unterschiedlichen Hälften besteht.

Zum Auftakt birgt eine private Spezialeinheit in einer Nacht- und Nebelaktion bei heftigem Unwetter einen Dinosaurier-Knochen aus dem Unterwassergehege des verwahrlosten Parks. „Wenn hier irgendwas drin wäre, wäre es schon lange tot“, glaubt der U-Boot-Steuermann. Doch er irrt sich. Das Team wird im Wasser von dem aus „Jurassic World“ bekannten riesigen Mosasaurus attackiert, an Land von einem T-Rex.

Nach dieser atemberaubenden Anfangssequenz tritt Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) erstmals in Erscheinung. Weil der Vulkan auf der Dino-Insel Isla Nublar auszubrechen droht, kämpft die ehemalige Parkmanagerin mit Aktivisten um Fördermittel für ihre Rettung. Der alternde, schwer kranke Mäzen Benjamin Lockwood (James Cromwell), ein früherer Geschäftspartner des verstorbenen Jurassic-Park-Gründers John Hammond, bietet finanzielle Unterstützung an. Möglichst viele Dinosaurier sollen in ein Schutzgebiet auf dem Festland transportiert werden.

Mit ihrem Ex-Freund Owen und einer Gruppe dubioser Söldner kehrt Claire auf die Insel zurück, um unter lebensgefährlichen Bedingungen die Urzeit-Tiere zu retten. „War das ein T-Rex oder der Vulkan?“ Der Ton sorgt für zusätzliche Spannung, während die mitreißende Mischung aus Katastrophenfilm, Fantasy und Action-Abenteuer ihren Lauf nimmt.

Die Söldner, beauftragt von Lockwoods zwielichtigem Assistenten Eli Mills (Rafe Spall), haben allerdings andere Pläne. Die Dinos werden in eine unterirdische Käfiganlage unter dem Haus des ahnungslosen Lockwood verfrachtet. Dort sollen sie als Waffen an Unterwelt-Größen und korrupte Staatschefs aus aller Welt versteigert werden. Natürlich hält es die Dinos im Keller nicht lange in ihren engen Käfigen. Nach der vermeintlichen Rettungsmission und dem Transport der Dinos aufs Festland nimmt Bayona das Tempo raus und setzt auf subtilere Spannung. Anstelle bombastischer Massenszenen zeigt der Spanier in der Lockwood-Villa klassische Verfolgungsjagden – ähnlich wie in der berühmten Szene aus dem ersten „Jurassic Park“-Film, in dem sich die Kinder in der Restaurant-Küche vor Velociraptoren verstecken. Die größte Bedrohung ist nun ein neu entwickelter Hybrid-Dinosaurier. Der Indoraptor ist die „gefährlichste Kreatur der Welt“, wie Mills bei der Auktion betont. Wie sämtliche Filme zuvor kommt auch „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ nicht ohne ein Kind aus. Hier ist es Lockwoods kleine Enkelin Maisie (Isabella Sermon), die dem Indoraptor kurioserweise mehrfach problemlos entkommt. In Momenten wie diesen strapaziert Bayona die Grenzen des Logischen zu sehr, indem er die Situationen auf ausweglose Höhepunkt treibt, aus denen es dann überraschend doch einen Ausweg gibt. Dass sich die Helden oft absurd irrational und inkonsequent verhalten, schadet der Spannung auch ein wenig.

Hingegen zieht der 43-Jährige bei den Unterwasser-Szenen und beim Showdown im Lockwood-Haus alle Register seines Könnens. Er spielt mit Lichteffekten und veredelt seinen Film mit kunstvollen Einstellungen, die man schon aus anderen Werken von Bayona kennt.

Nach der Vorab-Premiere in Madrid gab es vereinzelt Kritik, der Film sei ungewöhnlich brutal. Zu Unrecht. Wie in den Vorgängerfilmen landen natürlich auch bei „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ einige Menschen im Maul eines Dinosauriers. Besonders blutig ist der Film aber nicht. Im Gegenteil, tatsächlich fließt kaum Blut.

Die Antwort auf die moralische Frage, ob die Dinosaurier gerettet werden sollten, auch wenn das eine Bedrohung für die Menschheit bedeutet, überlassen die Macher klugerweise dem Kino-Publikum.



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