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Rotorblätter stehen seit fünf Jahren still

Windenergieanlage bei Weibeck soll zurückgebaut werden

WEIBECK. Fast überall wachsen sie in den Himmel: Windenergieanlagen. In Coppenbrügge wurde im Frühjahr bereits der dritte Windpark eröffnet. Erst in der vergangenen Woche machte die Stadt Hameln den Weg für die Errichtung mehrerer Anlagen in Afferde/Rohrsen und Groß Hilligsfeld frei. Im Stadtgebiet von Hessisch Oldendorf dagegen soll eine Windkraftanlage zurückgebaut werden.

veröffentlicht am 29.12.2016 um 18:36 Uhr
aktualisiert am 14.02.2017 um 19:05 Uhr

Eine der zwei Windkraftanlagen bei Weibeck steht seit 2011 still. Sie soll zurückgebaut werden. Foto: fn
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Seit Jahren ist sie wie angewurzelt im Dreieck von Fischbeck, Höfingen und Weibeck zu finden und steht dabei vor allem für eins: Stillstand. Das Windrad bei Weibeck tut nämlich nicht das, wozu es da ist: emissionsfrei Strom zu produzieren. Die drei Rotorblätter trotzen zwar seit 15 Jahren dem Wind. Doch, statt sich wie seine beiden Nachbarn zu drehen, rühren sich die drei Rotorblätter schon über fünf Jahre nicht mehr. Zum Überleben des technischen Riesen mehr als vier Jahre zu viel.

Denn dieser jahrelange Stillstand ist Grund für den wohl nicht zu vermeidenden Rückbau. „Die Baugenehmigung für die Windenergieanlage wurde im Jahr 2000 mit der Nebenstimmung erteilt, dass die Anlage zurückzubauen ist, wenn diese länger als ein Jahr außer Betrieb ist“, erklärt Sandra Lummitsch vom Landkreis Hameln-Pyrmont.

Für den Rückbau der Windenergieanlage soll der verantwortliche Betreiber zuständig sein. Die Firma sei darüber bereits in Kenntnis gesetzt worden, heißt es beim Landkreis. „Dieser Verpflichtung ist der Betreiber bislang noch nicht nachgekommen. Das Bauaufsichtsamt prüft momentan das weitere Vorgehen“, so die Landkreis-Pressesprecherin.

„Das ist schon fast ein Denkmal, praktisch eine Ruine. Da tut sich nichts“, sagt Werner Krasenbrinck, stellvertretende Ortsbürgermeister von Fischbeck und Weibeck. Einwohner sollen den Ortsrat schon mehrmals auf die stillstehende Anlage angesprochen haben. Doch das Gremium habe keinen Einfluss nehmen können, meint Krasenbrinck. „Eigentümer ist ein Unternehmen und die Anlage steht auf einem Privatgrundstück“, so der Fischbecker.

Das absehbare Ende der Windenergieanlage (WEA) begann mit einem Diebstahl. Ende Mai 2011 schlugen Buntmetalldiebe zu. Die Kriminellen waren in die Windkraftanlage eingebrochen und klauten jede Menge Kupfer – dicke Drähte als auch Klemmen. Zudem wurde ein am Turm angebrachtes Antennenkabel einer O2-Mobilfunksendeanlage von Unbekannten durchtrennt. Laut ermittelnden Polizeibeamten belief sich der Schaden auf rund 2000 Euro.

Während der zunächst stromlose Sender wieder mit benötigter Energie versorgt wurde, passierte an der WEA offenbar nichts mehr. Es gibt Stimmen, dass der Landkreis lange Zeit „herumgeeiert“ und nichts unternommen habe. „Das Verfahren läuft bereits seit Ende 2013. Anfangs war jedoch noch davon auszugehen, dass die Windenergieanlage repariert werden könne, beziehungsweise sollte. Anfang 2015 wurde von uns dann erstmals der Rückbau gefordert“, heißt es dagegen aus dem Kreishaus.

Die Anlage könne man nach dem langen Stillstand nicht mehr zum Laufen bringen, ist sich Ingo Bode nahezu sicher. Zudem sei die Technik nicht mehr aktuell und auf dem Gelände gäbe es auch nicht die „tollsten Windverhältnisse“, erzählt der Windkraft-Experte. Der Hessisch Oldendorfer war als Planer beim ehemaligen Betreiber MIC GmbH (Gesellschaft für ökologische Energien mbH) beschäftigt. „Wir haben damals den Anstoß für das Projekt gegeben“, erinnert sich Bode.

Die drei Anlagen bei Weibeck stehen auf drei Grundstücken mit unterschiedlichen Eigentümern. Beim Grundstückseigentümer der betroffenen WEA – sie soll auf einem Grundstück des Stifts Fischbeck stehen – wollte man sich aufgrund des „schwebenden Verfahrens“ nicht äußern. Der jetzige Betreiber war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Der Landkreis stehe aber zu ihm in Kontakt, sagt Lummitsch.

Nicht nur der Landkreis, auch der Grundstückseigentümer besteht auf dem Rückbau der WEA-Anlage, sagt die Pressesprecherin. „Eine Wiederinbetriebnahme der Anlage ist aus bauplanungsrechtlichen Gründen nicht zulassungsfähig“, macht Lummitsch wenig Hoffnung, dass sich die Rotoren wieder im Wind des Wesertals drehen können.

Die Windenergieanlage vom Typ Nordex N-50 wurde im Jahr 2001 errichtet. Die Anlage hat einen Rotordurchmesser von 50 Metern und eine überstrichene Rotorkreisfläche von 1964.0 Quadratmetern. Der Mast ragt 70 Meter in die Höhe. Die Nennleistung liegt bei 800 Kilowatt, die bei einer Windgeschwindigkeit von 15 Meter pro Sekunde erreicht wird.

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